mini|hochkant|Wappen der Freiherren Kfeller von Sachsengrün in Siebmachers Wappenbuch Gfeller von (der) Sachsengrün (alternative Schreibweise Kfeller von Sachsengrün; tschechisch Kfelíř ze Zakšova) war der Name eines landständischen, böhmischen Uradelsgeschlechts, das in erblichen Ritter- und Freiherrenstand erhoben wurde. Die Familie ist nach Mitte des 19. Jahrhunderts im Mannesstamm erloschen.
Herkunft und Etymologie Meraviglia-Crivelli gab fälschlicherweise eine Herkunft des niederen Adelsgeschlechts aus Deutschland und Zuzug nach Böhmen im 16. Jahrhundert an. Dies steht im Widerspruch zu Helmer, der den Stammvater der Gfeller Anfang des 14. Jahrhunderts in Gfell bei Lichtenstadt im Egerland als Lehensempfänger des Stiftes Tepl angibt.Helmer (1922), S. 39–40 Im Gegensatz zu Lichtenstadt gehörte das Dorf Gfell im Mittelalter nicht zur Herrschaft des Stiftes Tepl, lag aber an der Grenze dorthin. Der Ortsname dürfte mit der Holzfällung bzw. Rodung in Zusammenhang stehen. Die Urbarmachung erfolgte ab dem 13. Jahrhundert durch deutsche Siedler im Zuge der Ostkolonisation. Neben dem Hof der Gfeller entwickelte in Gfell ein zweiter Meierhof, der seinen Namen Münchshof behielt, auch nach dem das Kloster den Hof nicht mehr besaß. Unter der Herrschaft des Kaisers Joseph II. wurden die zwei Meierhöfe in mehrere Kleinhöfe aufgeteilt. Auf den Grundmauern des Edelsitzes der Gfeller stand später das Anwesen mit der Hausnummer 29.Helmer (1922), S. 40.
Geschichte 1318 erscheint Nikolaus von Gfell als Zeuge bei dem Verkauf eines Hofes in Rodisfort bei Gießhübel, mit dem laut Helmer die Stammreihe beginnt. Dieser erhielt gegenüber seines Hofes auf dem rechten Ufer des Wistritz, auf der anderen Seite des Baches, ein Lehen vom Tepler Abt Beneda. 1355 steht dessen Witwe Margaret mit ihren Söhnen Wilhelm und Erhart unter der Vormundschaft des Wilhelm von Egerberg. Die Brüder Wilhelm und Erhart agierten von 1358 bis 1364 als Kollatoren der Kirche von Sachsengrün. Das Geschlecht teilte sich laut Helmer darauf in die Linien „Gfeller“ und „Gfeller von Sachsengrün“. 1467 wirkte Sigmund von Gfell als Hauptmann von Tachau im Pilsner Kreis. 1479 erscheint Her Sigmund Gfeller ritter czu dem alten Czettrisch in einer Urkunde des Stiftes Tepl als Schiedsrichter zwischen dem Stift Tepl und den Grundherren von Kuttenplan.Helmer (1922), S. 39. 1490 verkaufte letzterer seine Liegenschaften in Weiten-Trebetitsch bei Trebnitz an den Bürger der Prager Altstadt Nikolaus Fotrmaistr. Am 19. Juni 1493 ist eine Aussage durch Wilhelm Kfeller von Sachsengrün zu Alt-Zedlisch beurkundet.StAAm, Fürstentum Obere Pfalz, Kloster Waldsassen Urkunden Adam Gfeller verkaufte Anfang des 16. Jahrhunderts die Feste, das Dorf und den Meierhof von Sachsengrün an Albert Schlick. Am 8. Juli 1506 erscheint der Sohn von Sigmund, Wilhelm Gfeller von Saxowa bei der Stiftung einer Seelenmesse von Johann von Seeberg für die Stadtkirche von Plan. Zusammen mit Wolf Dobrohost von Ronsperg diente Wilhelm Gfeller 1520 als Kreishauptmann von Pilsen. 1522 entließ der böhmische König Ludwig II. Wilhelm Gfeller auf Alt-Zedlisch aus dem Lehensverband gegenüber von Schloss Tachau. Von 1529 bis 1529 fungierte Wilhelm Gfeller als Hauptmann von Tachau. Anna von Sachsengrün, Schwester oder Tochter von Wilhelm, führte nach dem Tod ihres Mannes Nikolaus von Schwanberg, 1540 die Vormundschaft über ihre minderjährigen Söhne.Schmidt (1930), S. 56 Auf Grund nicht zurückgezahlter Schulden verklagte der Pilsner Jude Zalman Turek 1510 den Hauptmann auf der Burg Pürglitz, Georg Gfeller von Sachsengrün.mini|Schloss Alt-Zedlisch mini|Barockschloss Skrejschow, erbaut 1762 von Norbert Kfeller von Sachsengrün
Der Sohn von Wilhelm, Johann oder Jene Gfeller von Sachsengrün auf Alt-Zedlich war 1559 zusammen mit Burian von Pollenreuth auf Gehag Landrichter des Tachauer Kreises. Unter seiner Amtszeit wurde in der Pfarre Alt-Zedlisch die Reformation eingeführt; unter dem Kollator Johann Gfeller erscheint 1573 ein evangelischer Pfarrer. Der Sohn von Johann, Johann Wilhelm Gfeller von Sachsengrün kaufte 1591 von Wilhelm Bohusch von Otieschitz das Gut Schossenreith und ein Teil von Berentzreith, worauf er Wohn- und Herrschaftssitz von Alt-Zedlisch nach Schossenreith verlegte. 1606 erwarb er außerdem das Dorf Maschakotten. Am 8. Mai 1591 bestätigte Hans Wilhelm Gfeller seinen Untertanen in Schossenreith das Dorfrecht und am Tag Lichtmess 1608 das Stadtrecht für die Gemeinde Großen-Gropitzreuth. Zum Hofstaat des Grafen Friedrich von Schlick auf Plan gehörend, diente Adam Gfeller von der Sachsengrün, Herr auf Alt-Zedlisch 1606 in Plan als sein Hofjunker. Elisabeth Brzeschki von Plaßkowiz, geb. Schlenkin von Bawlowth setzte in ihrem Testament ihren Stiefsohn Hans Wilhelm Gfeller von der Sachsengrün auf Alten Zettliz und Schossenreuth als Universalerben ein. Wegen der Beteiligung Johann Wilhelm Gfeller von Sachsengrün am böhmischen Aufstand wurden die Güter Alt-Zedlisch, Schossenreith, sowie die Dörfer Berentzreith, Dreihöfen, Großgropitzreith und Innichen von der königlichen Kammer nach der Schlacht am Weißen Berg 1620 konfisziert und am 30. Januar 1624 an Johann Christopg Kawka Ricansky Freiherr von Rican verkauft. Eine Frau Gfeller von Sachsengrün, geb. von Bock 1626 Besitzerin von Waldheim bei Tachau, veräußerte Waldheim an den böhmischen Oberstkanzler Zdenko Adalbert von Lobkowitz.Schmidt (1930), S. 57–58mini|Kirche des Hl. Johannes von Nepomuk in St. Johann ob Skrejschow, erbaut 1764 von Norbert Kfeller von Sachsengrün Laut Schmidt konnte die verwandtschaftliche Verbindung zwischen den Linien Alt-Zedlisch und Schossrenreith sowie der folgenden, auch nach der Schlacht am Weißen Berg vor allem in Mittelböhmen begüterten katholischen Linie der Gfeller von Sachsengrün bisher nicht festgestellt werden. Erdmann Kfeller von Sachsengrün kaufte am 6. Juli 1652 von den Erben des königlichen Richters von Mies, Johann Wodniansky von Wildfeld das Gut Wilkischen. 1681 erwarb er auch das Gut Worhabschen. 1738 war Carl Anton Kfeller von Sachsengrün Herr auf Wilkischen und Wrhabschen im Pilsner Kreis. 1745 erlangte der k. k. Kreishauptmann von Pilsen Carl Anton Kfeller von Sachsengrün den erblichen Freiherrenstand. Die beiden Pilsener Kreishauptmänner Anton Gfeller von Sachsengrün und Graf Ferdinand von Morzin befehligten am 21. Oktober 1741 den Schlosshauptmann von Plan Andreas Nadler, über die bei Waldsassen stehenden bayerischen Truppen Erkundigungen einzuholen. Von den Söhnen von Anton, fungierte Johann Joseph Kfeller als Kaiserlicher Rat, Kammer- und Hoflehenrechtsbeisitzer in Böhmen, sowie Wenzel Heinrich Kfeller als kaiserlicher Kapitänleutnant und Hauptmann. Nachdem der Fürstlich Schwarzenbergische Oberforstmeister Norbert Kfeller Freiherr von Sachsengrün die Herrschaft Skrejschow bei Hoch-Chlumetz erworben hatte, erbaute er 1762 in Skrejschow ein Barockschloss und 1764 auf einem Hügel südöstlich des Dorfes statt einer kleinen Kapelle, die Kirche des Hl. Johannes von Nepomuk. In Folge entwickelte sich unterhalb der Kirche der Ort St. Johann ob Skrejschow. Die freiherrliche Linie erlosch Mitte des 19. Jahrhunderts, während aus der im Ritterstand verbliebenen Linie noch 1866 ein Angehöriger bekannt war.Meraviglia-Crivelli (1886), S. 71.
Wappen Blasonierung: In Rot eine silberne Gegendeichsel. Auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Helmdecken sieben natürliche Schilfblätter, je beseitet von einem silbernen, gestürzten Fisch.
Persönlichkeiten Carl Anton Kfeller von Sachsengrün, k. k. Kreishauptmann von Pilsen, 1745 Freiherrenstand Johann Franz Kfeller von Sachsengrün (1724–1799), böhmischer Geistlicher, infulierter Prälat von Krumau Johann Joseph Kfeller von Sachsengrün, kaiserlicher Rat, Kammer- und Hoflehenrechtsbeisitzer in Böhmen Norbert Kfeller von Sachsengrün (1712–1775), Jägermeister und oberster Forstbeamter des Fürsten Schwarzenberg Wenzel Heinrich Kfeller von Sachsengrün (1744–1793), k. k. Kapitänleutnant und Hauptmann, starb in Graz
Literatur
Gilbert Helmer: Die älteste deutsche Urkunde des Stift Tepler Archiv. In: Unser Egerland: Beiträge zur Heimatforschung und Heimatpflege, 26.–30. Jg., Eger 1922, S. 37–42 (Google Bücher). Ernst Heinrich Kneschke (Hrsg.): Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon. Band 5: Kalb–Loewenthal. Leipzig 1864, S. 89 (Google Bücher). Rudolf Johann von Meraviglia-Crivelli: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 4 (Habsburgermonarchie), 9. Abt.: Der Böhmische Adel, Nürnberg 1886, S. 71 (uni-goettingen.de) und Tfl. 46 (uni-goettingen.de). Johann Siebmacher: Johann Siebmachers allgemeines großes und vollständiges Wappenbuch, 6tes Supplement, Nürnberg 1783, Tfl. 23 (uni-goettingen.de).
Einzelnachweise
Kategorie:Deutsches Adelsgeschlecht Kategorie:Böhmisches Adelsgeschlecht