Hartmut Heckenroth (* 1. Juli 1938 in Berlin; † 23. April 2026) war ein deutscher Ornithologe und Naturschützer. Er war langjähriger Leiter der Staatlichen Vogelschutzwarte Niedersachsen und Mitbegründer der Niedersächsischen Ornithologischen Vereinigung. Für seinen langjährigen Einsatz wurde er unter anderem mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland geehrt.

Leben und Wirken Heckenroth verbrachte einen Teil seiner Kindheit in Mecklenburg, bevor er ab 1951 in Diepholz aufwuchs. Nach einer Ausbildung zum Gärtner und einem Studium der Garten- und Landschaftsgestaltung an der Fachhochschule Osnabrück war er in Naturschutzbehörden sowie an der Vogelwarte Radolfzell tätig.

Im Jahr 1974 übernahm Heckenroth die Leitung der Staatlichen Vogelschutzwarte Niedersachsen, die er bis 1998 innehatte. In dieser Position setzte er sich für grundlegende Reformen im Umgang mit Wildvögeln ein: So beendete er unter anderem die damals noch übliche Sperlingsbekämpfung und erreichte Einschränkungen beziehungsweise Verbote bei der Bejagung von Arten wie Graureiher und Birkhuhn. Zudem initiierte er 1974 ein landesweites Programm zur Erfassung von Tierarten, das später als Vorbild für weitere Monitoringprojekte diente.

Darüber hinaus organisierte Heckenroth umfangreiche Bestandserhebungen und wirkte als Mitherausgeber bedeutender Fachpublikationen, darunter Brutvogelatlanten und die Avifauna Niedersachsens. Auf diese Weise leistete er einen wesentlichen Beitrag zur wissenschaftlichen Grundlage moderner Naturschutzarbeit. Gleichzeitig stärkte er die Zusammenarbeit zwischen staatlichen Einrichtungen und ehrenamtlichen Ornithologen, insbesondere innerhalb der Niedersächsischen Ornithologischen Vereinigung, deren Mitbegründer er war und in der er über viele Jahre hinweg eine aktive Rolle einnahm.

International erlangte Heckenroth vor allem durch seine Forschung am Weißstorch Bekanntheit. Ab den 1950er Jahren beringte er zahlreiche Tiere und analysierte ihr Zugverhalten. Seine wissenschaftlichen Reisen führten ihn unter anderem nach Griechenland, in den Nahen Osten sowie nach Südosteuropa. Besonders seine Erkenntnisse zur Zugroute der Weißstörche – vor allem zur Kursänderung am Golf von İskenderun – werden als wichtiger Beitrag zur Zugvogelforschung angesehen. Insgesamt versah er mehrere tausend Störche mit Ringen und trug umfangreiche Daten zur Entwicklung der Population zusammen.

Nach seinem Ruhestand engagierte Heckenroth sich unter anderem in der Stiftung „The Stork Foundation – Störche für unsere Kinder“, in deren Vorstand er tätig war, sowie im Projektgebiet der Sudewiesen im Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue. Dort setzte er sich insbesondere für großflächige Renaturierungen, die Wiedervernässung von Feuchtwiesen und eine naturnahe Bewirtschaftung der Flächen ein. Darüber hinaus unterstützte er den Einsatz traditioneller Nutztierrassen wie Heckrinder und Wildpferde zur Pflege der Landschaft.

Außer dem Weißstorch setzte sich Heckenroth auch für den Schutz weiterer Vogelarten ein, darunter Goldregenpfeifer, Birkhuhn, Saatkrähe und Graureiher. Seine Tätigkeit war geprägt von einer Kombination aus empirischer Datenerhebung, praktischem Einsatz und politischer Durchsetzungsfähigkeit. Für sein Engagement wurde er vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit der Ehrenmitgliedschaft der Niedersächsischen Ornithologischen Vereinigung.

Heckenroth lebte mit seiner Frau Paula Heckenroth in Langenhagen bei Hannover. Das Paar hat drei Töchter.

Auszeichnungen und Mitgliedschaften 1972: Gründungsmitglied der Vereinigung „Avifauna von Niedersachsen“ 21. November 1972: Initiator und Mitbegründer der Faunistischen Arbeitsgemeinschaft Moore (FAM) 1987: Mitbegründer der Niedersächsischen Ornithologischen Vereinigung 1989: Emmy-und-Karl-Kaus-Preis 2003: Ehrenmitgliedschaft der Niedersächsischen Ornithologischen Vereinigung 2004: Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland

Schriften (Auswahl) Beobachtungen über die Rechtswendung des wegziehenden Weißstorchs am Golf von Iskenderun. In: Vogelwarte. Band 24, 1968, S. 246–262. Der Weißstorchbestand von Nord-Griechenland 1968. In: Vogelwarte. Band 25, 1969, S. 19–23. Der Weißstorchbestand 1965 im westlichen Mitteleuropa. In: Vogelwarte. Band 25, 1969, S. 27–46. Die Bedeutung von Mooren auch nach der Abtorfung als Brutbiotop gerandeter Vogelarten. In: Telma. Band 5, 1975, S. 241–250. Rasterkartierung als Grundlage für das niedersächsische Artenschutzprogramm. In: 30 Jahre Naturschutz und Landschaftspfege in Niedersachsen. Hannover 1976, S. 72–117. Weißstorch-Bestand 1975 Niedersachsen und Bremen. In: Niedersächsische landesregierung: Umweltschutz in Niedersachsen. Hannover 1978, o.P. Zur Situation des Birkhuhns (Tetrao tetrix) in Niedersachsen. In: Beiheft Veröffentlichungen des Naturschutzes und der Landschaftspflege Baden-Württemberg, Band 16, 1980, S. 111–114. Erfordernisse und Lösungsmöglichkeiten faunistischer Datenerfassung und -aufbereitung (am Beispiel Niedersachsen). In: Jahrbuch Naturschutz Landschaftspflege. Band 34, 1983, S. 9–17. Zur Situation der Uferschwalbe (Riparia riparia) in Niedersachsen am Beispiel Großraum Hannover. In: Beiheft Veröffentlichungen des Naturschutzes und der Landschaftspflege Baden-Württemberg, Band 37, 1983, S. 61–68. Zur Situation des Weißstorchs (Ciconia ciconia) in der Bundesrepublik Deutschland, Stand 1984. In: Beihefte zu den Veröffentlichungen für Naturschutz und Landschaftspflege in Baden-Württemberg 43: Artenschutzsymposium Weißstorch des Deutschen Bundes für Vogelschutz Landesverband Baden-Württemberg e.V. am 28. und 29. Mai 1983 in Bad Buchau am Federsee. Hrsg. Jochen Hölzinger, Karlsruhe 1986, S. 311–120. Schutz des Weißstorchs im Sudan: Niedersachsen wirbt für Schutz des Weißstorchs im Partnerland. In: Beihefte zu den Veröffentlichungen für Naturschutz und Landschaftspflege in Baden-Württemberg 43: Artenschutzsymposium Weißstorch des Deutschen Bundes für Vogelschutz Landesverband Baden-Württemberg e.V. am 28. und 29. Mai 1983 in Bad Buchau am Federsee. Hrsg. Jochen Hölzinger, Karlsruhe 1986, S. 349–50. Zur Situation des Weißstorchs in der Bundesrepublik. In: Weißstorch – White Stork. Proceedings of the First International Stork Conservation Symposium, 14th–19th October 1985 Walsrode. Schriftenreihe des Dachverbandes Deutscher Avifaunisten, Band 10, S. 60. mit Katja Behm-Berkelmann: Übersicht der Brutbestandsentwicklung ausgewählter Vogelarten 1900–1990 an der niedersächsischen Nordseeküste. Hannover 1991, ISBN 3-922321-62-3. Situation de la Cigogne blanche en Grece. In: Actes du Colloque International "Les Cigognes d'Europe." Hrsg. Jean-Luc Mériaux et al, Institute Européen d'Écologie, Metz 1992, S. 189–190. mit Volker Laske: Atlas der Brutvögel Niedersachsens und Bremens 1981–1995. Naturschutz und Landschaftspflege in Niedersachsen. Band 37. Hannover 1997, S. 1–329, ISBN 3-922321-79-8. Zur Bestandsentwicklung des Weißsstorchs in Griechenland. In: Weißstorch im Aufwind? – White Storks on the up? – Proceedings, International Symposion on the White Stork. Hrsg. Holger Schulz, NABU, Bonn 1999, S. 229–230. mit Jens-Uwe Heins: Breeding population of the White Stork in Albania in 2007. In: White Stork Populations across the World – Weißstörche in aller Welt. Hrsg. Kai-Michael Thomsen, Lars Lachmann, NABU, Berlin 2013, S. 20–21.

Literatur Wilhelm Breuer: Wahrscheinlich ist Liebe im Spiel: Hartmut Heckenroth im Porträt. In: Nationalpark, Band 169 (2015), Heft 3, S. 34–35 (online) Wilhelm Breuer: Zum Tode von Hartmut Heckenroth. Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e.V., 3. Juni 2026. (online) Stefan Fischer: Hartmut Heckenroth zum 70. Geburtstag. In: Die Vogelwelt, Band 129 (2008), S. VIII (online) Frank-Ulrich Schmidt, Peter Südbeck: Das Entscheidende tun – ein Leben für den Vogelschutz: Symposium zum 70. Geburtstag von Hartmut Heckenroth. In: Vogelkundliche Berichte aus Niedersachsen, Band 41 (2009), S. 101–119 (online) Hanns-Jörg Dahl: Laudatio für Hartmut Heckenroth, S. 105–111 Wilfried Knief: Staatlicher Vogelschutz in Deutschland: Die Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten in der Ära Hartmut Heckenroth, S. 112–119

Einzelnachweise

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