Der Digital Independence Day (kurz DI.DAY, auf Deutsch auch Digitaler Unabhängigkeitstag, kurz DUT) ist eine zivilgesellschaftliche Initiative, die an jedem ersten Sonntag im Monat Menschen dazu ermutigt, schrittweise von Produkten und Diensten großer Technologiekonzerne auf datenschutzfreundlichere und demokratieverträglichere Alternativen umzusteigen. Koordiniert wird das Projekt von der Organisation Save Social – Networks For Democracy. Der erste DI.DAY fand am 4. Januar 2026 statt.
Entstehung
Die Initiative wurde Ende 2025 im Rahmen des 39. Chaos Communication Congress (39C3) in Hamburg vorgestellt. Der Autor und Kleinkünstler Marc-Uwe Kling, bekannt durch die Känguru-Chroniken, hielt dort einen Vortrag mit dem Titel „Die Känguru-Rebellion: Digital Independence Day“ und rief gemeinsam mit CCC-Sprecher Linus Neumann zur Teilnahme auf. Kling hatte die Idee zum DI.DAY mitentwickelt.
Der CCC erklärte in seinem Aufruf, Europa befinde sich „im Würgegriff von Big Tech“, dessen Plattformen sich nicht an europäische Gesetze hielten und die Demokratie gefährdeten. Da staatliche Stellen zögerlich reagierten, müssten Bürgerinnen und Bürger vorangehen: „Wenn wir gemeinsam wechseln, können wir den Netzwerkeffekt aushebeln.“
Hintergrund und Ziele
Die Initiative entstand vor dem Hintergrund einer wachsenden Konzentration digitaler Infrastruktur in den Händen weniger großer Technologieunternehmen. Plattformen wie Meta, X Corp. (ehemals Twitter), Microsoft, Amazon, Apple, Spotify und ByteDance (TikTok) bestimmen nach Ansicht der Initiatoren maßgeblich, wie Menschen sich online informieren, kommunizieren und organisieren.
Der DI.DAY kritisiert, dass dieser Einfluss demokratische Prozesse gefährden könne und persönliche Daten systematisch gesammelt und ausgewertet würden. Zudem würden Nutzerinnen und Nutzer durch intransparente Algorithmen beeinflusst. Save-Social-Mitgründer Björn Staschen beschrieb das Projekt als „starkes gemeinsames Signal gegen die Marktmacht großer Plattformen“.
Der DI.DAY versteht sich ausdrücklich nicht als puristisches Projekt, sondern als „entspannte Rebellion“: Es geht darum, Monat für Monat einen kleinen, alltagstauglichen Wechsel vorzunehmen, nicht darum, Big-Tech-Produkte vollständig und sofort aufzugeben.
Format und Ablauf Der Digital Independence Day findet an jedem ersten Sonntag im Monat statt. Die Wahl des Sonntags ist bewusst getroffen, da viele Menschen an diesem Tag mehr Zeit haben. Der erste DI.DAY am 4. Januar 2026 umfasste bundesweit mehr als 30 beteiligte Initiativen, die vor Ort und online Veranstaltungen anboten. Regionale Gruppen des Chaos Computer Clubs boten in vielen Städten praktische Unterstützung an, etwa beim Wechsel von WhatsApp zu Signal oder von Windows zu Linux. Dauerhaft stattfindende lokale Veranstaltungen finden sich auf der zentralen Terminplattform termine.di.day.
Teilnehmende werden ermutigt, ihre Erfahrungen unter den Hashtags #DIDit und #DUTgemacht – vorwiegend auf Mastodon und anderen Fediverse-Plattformen – zu teilen. Marc-Uwe Kling formulierte dazu: „Nicht nur der Wechsel ist wichtig, wir müssen danach auch darüber sprechen. Am besten geben wir sogar damit an, dass wir uns von einem Big-Tech-Dienst befreit haben.“
Wechselrezepte Die Initiative stellt sogenannte Wechselrezepte bereit: schrittweise Anleitungen für den Umstieg auf alternative Dienste. Beispiele umfassen:
Wechsel von Microsoft Office zu LibreOffice Wechsel von Windows zu Linux Mint Wechsel von WhatsApp zu Signal Wechsel von Chrome zu Firefox Wechsel von PayPal zu Wero Wechsel von US-amerikanischen Kartenanbietern (wie Google Maps oder Apple Maps) zu OpenStreetMap Wechsel von Spotify zu fairem Musikstreaming Wechsel von ChatGPT und Co. zu anderen Alternativen Nutzung unabhängiger E-Mail-Dienste statt Gmail Nextcloud oder andere unabhängige Clouds nutzen oder selber hosten Termine und Kontakte sicherer und unabhängiger speichern
Fachbeirat Die Rezepte werden von einem Fachbeirat geprüft. Diesem gehören an:
Jutta Horstmann, Co-CEO der Horstmann-Gruppe und ehemalige Geschäftsführerin von ZenDiS Prof. Dr. Harald Wehnes, Sprecher des Präsidiumsarbeitskreises Digitale Souveränität der Gesellschaft für Informatik Sascha Foerster, Geschäftsführer von bonn.digital Svea Eckert, Tech-Journalistin und Mercator-Fellow am Leibniz-Institut für Medienforschung (HBI)
Kriterien für empfohlene Alternativen Bei der Auswahl der empfohlenen Alternativen legt der DI.DAY Wert auf stärkeren Datenschutz, geringere Anbieterabhängigkeit (Vermeidung von Vendor-Lock-in), mehr Datensouveränität sowie größere Wahlfreiheit für Nutzerinnen und Nutzer. Open-Source-Software wird positiv bewertet, ist jedoch kein zwingendes Kriterium. Auch größere europäische Anbieter können als Alternative in Frage kommen, solange sie die Abhängigkeit von US-amerikanischen Monopolplattformen verringern.
Träger und Partnerorganisationen
Der DI.DAY ist ein Gemeinschaftsprojekt zahlreicher Organisationen aus Zivilgesellschaft, Technologie und Medien, koordiniert von Save Social – Networks For Democracy. Wikimedia Deutschland beschrieb das Bündnis als „beeindruckend breit“. Zu den Initiatorinnen und Initiatoren zählen unter anderem:
Chaos Computer Club (CCC) Wikimedia Deutschland Greenpeace Deutschland Mastodon gGmbH Nextcloud GmbH Digitalcourage e.V. Digitale Gesellschaft e.V. Deutscher Journalisten-Verband (DJV) European Digital Rights (EDRi) Gesellschaft für Informatik e.V. Robin Wood Open Source Business Alliance (OSBA) Tutao GmbH (Anbieter von Tutanota) mailbox Ecosia Codeberg e.V. ver.di Hamburg Schöpflin Stiftung Save Social – Networks For Democracy (koordinierende Organisation)
Rezeption
Medien
Heise Online berichtete im Dezember 2025 und Januar 2026 mehrfach über die Initiative. Das Fachmagazin Security Insider bezeichnete die Initiative als Reaktion auf die zunehmende geopolitische Instrumentalisierung digitaler Plattformen. Der Radiosender radioeins berichtete am Tag nach dem ersten DI.DAY mit einem Interview mit CCC-Sprecher Linus Neumann. Anlässlich des DI.DAY am 1. März 2026 verwies die IHK Region Stuttgart auf eine DIHK-Digitalisierungsumfrage, der zufolge fast zwei Drittel der Unternehmen in Baden-Württemberg stark von Microsoft Windows abhängig sind.
Politik
In Berlin begrüßte der Senat die Initiative auf eine parlamentarische Anfrage des Abgeordneten Stefan Ziller (Grüne) hin ausdrücklich. Die Förderung digitaler Souveränität sei ein Ziel der Berliner Digitalpolitik, und Initiativen, die Bewusstsein für digitale Selbstbestimmung schafften, würden positiv bewertet.
Petition
Eine von Save Social unterstützte Petition zum Ausstieg der Bundesregierung aus dem Netzwerk X verzeichnete nach Angaben der Initiatoren mehr als 150.000 Unterstützende.
Finanzierung
Das Projekt finanziert sich durch Spenden. Die koordinierende Organisation Save Social betreibt die Website und veröffentlicht regelmäßig neue Wechselrezepte. Ein monatlicher Newsletter informiert Abonnentinnen und Abonnenten jeweils vor dem nächsten DI.DAY über aktuelle Angebote und Veranstaltungen.
Weblinks
Offizielle Website des Digital Independence Day Save Social – Networks For Democracy Veranstaltungskalender zum DI.DAY CCC-Aufruf zum Digital Independence Day
Einzelnachweise
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