mini|Khenpo Gangshar (links) und Chögyam Trungpa (rechts) Khenpo Gangshar Wangpo (* 1925; † 1958?) war ein hoch angesehener Lama aus Ost-Tibet und einer der wichtigsten Lehrer von Chögyam Trungpa Rinpoche (11. Trungpa Tulku), ebenso wie vom 9. Thrangu Rinpoche und Chime Rinpoche. Khenpo Gangshar wurde ausgebildet im Shechen-Kloster, einem klösterlichen Zentrum aus dem 17. Jahrhundert, das zu der Mindröling Linie in der Nyingma Tradition des Tibetischen Buddhismus gehörte.

Khenpo Gangshar war der Hauptlehrer von Trungpa Rinpoche seit dessen 13. Lebensjahr (1952) bis zu Trungpa Rinpoche's Kyorpön- und Khenpo-Prüfungen am Ende des Jahres 1957. Khenpo Gangshar wurde häufig auch als „verrückter Heiliger“ bezeichnet. Zahlreiche Quellen berichten von einer ernsthaften Erkrankung, in deren Folge aus einem stillen Mönch ein unkonventioneller Dharma-Lehrer wurde, der seine Mönchsgelübde zurückgab, eine romantische Liebesgeschichte begann und häufig wunderlich und exzentrisch handelte. Pema Chödrön zitiert Khenpo Gangshar mit dem Rat: „Meditiere über das, was bei dir Aversionen auslöst“.

Leben und Wirken

Chögyam Trungpa berichtet in seinem Buch Born in Tibet, dass Gangshar Rinpoche vom 2. Jamgon Kongtrul aus dem Shechen-Kloster ausgebildet wurde, nachdem Gangshars Vater verstorben und seine Mutter eine buddhistische Nonne geworden war. Kongtrul erzog Gangshar als seinen spirituellen Sohn und er wurde einer der sechs Senior-Lehrer des Shechen Klosters. Trungpa beschreibt seine erste Begegnung mit Gangshar, als er gerade 13 Jahre alt war und seine Studien in Shechen mit einer 6 Monate dauernden Übertragung des Rinchen Terzod Zyklus begann. Khenpo Gangshar wurde so der erste Lehrer von Trungpa. Nach Abschluss des Rinchen Terzod Zyklus, besuchte Trungpa zusammen mit 100 anderen Mönchen ein Seminar-Programm von Khenpo Gangshar.

Als Trungpa im Jahr 1956 zu seinem Surmang-Kloster zurückkehren musste, um nach dem Tod des dortigen Senior-Lamas Verantwortung zu übernehmen, bat er Gangshar ihn zu begleiten und in Surmang ein Seminar-Programm zu beginnen. Gangshar stimmte dem zu. Bemerkenswert für die damalige Zeit war die Tatsache, dass mit Khenpo Gangshar ein Nyingma-Gelehrter in einem Kagyu-Kloster ein monastisches Seminar (Shedra) etablieren konnte, aber Gangshar war tatsächlich sehr weit für seine große Gelehrsamkeit berühmt. Angesicht der sich dramatisch verschlechternden politischen Lage führte Gangshar ab 1957 radikale Veränderungen im Seminarbetrieb durch: Er öffnete das Seminar für alle Laien, und explizit auch für Frauen, und bat alle Einsiedler in der Nähe von Surmang zum Kloster zurückzukehren, um dort bei der Lehre im Seminar mitzuhelfen.

Zwei Jahre nach seiner Ankunft im Surmang-Kloster erkrankte Gangshar Rinpoche schwer, fiel in ein Koma und wurde für tot erklärt. Trungpa Rinpoche hielt bei Gangshars Körper Totenwache. Irgendwann kam Gangshar jedoch wieder zu sich und lebte weiter, jedoch zeigte er seit dieser Nahtodeserfahrung ein deutlich geändertes Verhalten: er schlief nur noch sehr wenig, ging eine Beziehung zu einer Frau ein, und bemühte sich, jedem Menschen, dem er begegnete, die Grundlagen der buddhistischen Lehren (Buddhadharma) und das direkte Zeigen auf die Natur des Geistes (Dzogchen, Mahamudra) zu erklären. Der bekannte tibetische Lama Chime Rinpoche war einer der letzten direkten Schüler von Gangshar Rinpoche.CV auf: https://kcl-todtmoos.de/ven-lama-chime-rinpoche/ Nach seiner abenteuerlichen Flucht aus Tibet über Bhutan und Indien wurde Chime als junger Mann vom 16. Karmapa Rangjung Rigpe Dorje zum Studium nach London geschickt. Er hat in vielen Vorträgen davon berichtet, wie stark sein Heimweh nach Tibet war und wie die Lehren von Gangshar Rinpoche ihm das spirituelle Überleben in der für ihn so fremden westlichen Kultur ermöglicht haben.Sommercamp-Videos bei Khampa Audio & Video: https://kcl-todtmoos.de/khampa-shop/ Eines Tages erklärte Gangshar Rinpoche plötzlich, dass die spezielle Arbeit nach seiner Nah-Todeserfahrung jetzt abgeschlossen sei – und er kehrte zu seinem alten Verhalten zurück und leitete sein Seminar (Surmang-Shedra) wie früher, bis zu seiner Gefangennahme durch chin. Truppen.

Es heißt, dass Gangshar Rinpoche zwischen 1958 und 1961 in einem chinesischen Gefängnis verstorben sei. Es gab jedoch auch Berichte, dass er 22 Jahre in Gefangenschaft überlebt habe und erst 1980 oder 1981 verstorben sei.Rigpa Shedra: Khenpo Gangshar

Bibliographie Naturally Liberating Whatever You Meet: Instructions to Guide You on the Profound Path. Translated by Erik Pema Kunsang. Kathmandu: Rangjung Yeshe Translations & Publications, 1989. Khenchen Thrangu: Vivid Awareness: The Mind Instructions of Khenpo Gangshar. Translated and edited by David Karma Choephel. Shambhala Publications, Boston / London 2011, ISBN 978-1-59030-816-5. (Enthält den obigen Text in einer revidierten Übersetzung.)

Einzelnachweise

Weblinks gsung 'bum/_gang shar dbang po (Collected Works of Khenpo Gangshar Wangpo, auf Tibetisch) im Buddhist Digital Resource Centre. Chökyi Nyima Rinpoche's Webseite enthält zahlreiche Vorträge (März – April 2009) zu Khenpo Gangshars Schriften. (Erfordert eine freie Registrierung) Khenpo Gangshar Wangpo in Lotsawa House (einige Texte auf English und Tibetisch).

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