Die Briefmarken mit dem Motiv „Schiffbruch des Apostels Paulus“ sind eine zwischen 1899 und 1922 erschienene Gruppe maltesischer Post- und Fiskalmarken. Die Ausgaben zeigen ein einheitliches Hauptmotiv, unterscheiden sich jedoch in Inschriften, Farben, Wasserzeichen, Überdrucken und Verwendungsformen.

Innerhalb dieser Serie nimmt die am 6. März 1919 ausgegebene 10-Shilling-Marke eine besondere Stellung ein. Aufgrund ihrer sehr geringen Auflage von nur 1530 Exemplaren gilt sie als die seltenste und wertvollste reguläre Briefmarke Maltas.

Hintergrund und Motiv Am 4. Februar 1899 gab Malta eine Serie von Bildmarken heraus, die erstmals nicht das Porträt des britischen Monarchen zeigten.

Die höchste Wertstufe dieser Serie war eine 10-Shilling-Marke mit dem Motiv des Schiffbruchs des Apostel Paulus vor Malta, wie er in der Apostelgeschichte (Apg 27–28) geschildert wird.

Das Markenbild steht in der Tradition künstlerischer Darstellungen dieses Ereignisses. Als Vorlage der 1899er Marke wird unter anderem ein Gemälde in der Kirche St Paul’s Shipwreck in Valletta genannt. Joseph C. Camilleri betont darüber hinaus die Bedeutung des Motivs für die maltesische Identität und beschreibt die erste Paulus-Marke als wichtigen Schritt hin zu bildlich und symbolisch stärker auf Malta bezogenen Ausgaben.

Ausgaben, Typen und Varianten

mini|Sonderdruck von 1908: 5/- auf 10/- in Rot mit Überdruck

Die ursprüngliche Ausgabe vom 4. Februar 1899 war ausschließlich für postalische Zwecke bestimmt und trug die Inschrift „MALTA POSTAGE“. Sie wurde im Stichtiefdruck von De La Rue in London auf Papier mit dem Wasserzeichen „Crown CC“ hergestellt.

Nach Angaben des Michel-Katalogs wurde diese Ausgabe in einer Auflage von etwa 60.000 Exemplaren hergestellt. Die Marken wurden in Bögen zu 60 Stück gedruckt und linienzähnig 13,75 perforiert. Von dieser Ausgabe sind auch Varianten mit abweichender Lage des Wasserzeichens bekannt, etwa kopfstehende oder seitenverkehrte Ausführungen.

Ab etwa 1902 wurde diese Marke mit dem Aufdruck „REVENUE“ versehen und als Stempelmarke verwendet. Eine weitere Sonderausgabe erschien 1908, bei der die Marke in roter Farbe gedruckt und auf 5 Shilling umgewertet wurde. Weitere Informationen hierzu bietet der Artikel Stempelmarken von Malta.

Mit Wirkung vom 1. April 1913 wurden Postwertzeichen in Malta allgemein auch für fiskalische Zwecke zugelassen; getrennte Fiskalausgaben verloren damit an Bedeutung. Vor diesem Hintergrund wurde auch das Design der 10-Shilling-Marke überarbeitet. Dabei wurde die frühere Inschrift „MALTA POSTAGE“ durch „MALTA“ ersetzt; die Wörter „POSTAGE“ und „REVENUE“ erschienen nun seitlich im Rahmen.

Die nach diesem Muster gestaltete Ausgabe wurde bereits 1913 gedruckt, jedoch erst am 6. März 1919 in Umlauf gebracht. Sie wurde auf Papier mit dem Wasserzeichen „Multiple Crown CA“ hergestellt und ist kammgezähnt 13,75. Insgesamt wurden 1.530 Exemplare gedruckt. Nach späteren Darstellungen wurde die Marke im Postamt von Valletta versehentlich vorzeitig verkauft und war innerhalb kurzer Zeit vergriffen.

Ein Neudruck erschien am 19. Januar 1922 auf Papier mit dem Wasserzeichen „Multiple Script CA“. Diese Ausgabe wurde in deutlich größerer Menge produziert und ist daher wesentlich häufiger anzutreffen.

Die unterschiedlichen Ausgaben lassen sich unter anderem anhand der verwendeten Wasserzeichen unterscheiden:

Im Zusammenhang mit der Einführung der Selbstverwaltung Maltas im Jahr 1921 wurden vorhandene Bestände 1922 mit dem Aufdruck „SELF-GOVERNMENT“ versehen. Dabei wurden etwa 7.860 Exemplare der 1899er Ausgabe sowie rund 12.690 Exemplare der neueren Variante überdruckt.

Die Self-Government-Ausgaben werden in Katalogen teilweise dem Jahr 1921 zugeordnet, obwohl die tatsächliche Ausgabe erst 1922 erfolgte.

Die Entwicklung des Motivs und seiner Verwendung zeigt sich in den folgenden Ausgaben:

Bedeutung für Sammler Die Ausgabe von 1919 wurde aufgrund ihrer geringen Auflage und der raschen Abgabe bereits früh zu einer gesuchten Rarität. Ihre herausgehobene Stellung wurde durch den häufigeren Neudruck von 1922 zusätzlich unterstrichen.

Im Stanley Gibbons Katalog wird die Marke mit etwa £3250 für postfrische und etwa £4500 für gestempelte Exemplare bewertet.

Im Michel-Katalog (Europa Mittelmeerländer 2020/2021, Nr. 52) wird sie mit etwa 3500 € für postfrische und etwa 5000 € für gestempelte Exemplare geführt.

Nachwirkung Das Motiv des Apostels Paulus blieb auch in späteren maltesischen Briefmarkenausgaben präsent.

Zum hundertjährigen Jubiläum der Ausgabe wurde 2019 ein Sonderstempel verwendet.

Einzelnachweise Stanley Gibbons (Hrsg.): Commonwealth and British Empire Stamps 1840–1970. 117. Auflage, Stanley Gibbons Ltd., London 2015, S. 401–404, ISBN 978-0-85259-918-1.

Schwaneberger Verlag (Hrsg.): Michel-Katalog Europa Mittelmeerländer 2020/2021. Schwaneberger Verlag, Unterschleißheim 2020, S. 124, ISBN 978-3-95402-339-4.

Graham Smeed: Malta Revenue Stamps – Study Paper 28. Malta Study Circle, Surrey 1977, S. 5.

Shipwreck & snakebite. In: 50 Fabulous Stamps of the British Empire. Stamp Magazine, 2011, S. 84–85, ISBN 978-1907063299.

Literatur Schwaneberger Verlag (Hrsg.): Michel-Katalog Europa Mittelmeerländer 2020/2021. Schwaneberger Verlag, Unterschleißheim 2020, ISBN 978-3-95402-339-4. Stanley Gibbons (Hrsg.): Commonwealth and British Empire Stamps 1840–1970. 117. Auflage, Stanley Gibbons Ltd., London 2015, ISBN 978-0-85259-918-1. Joseph Buttigieg (Hrsg.): The JB Catalogue of Malta Stamps and Postal History. 22. Auflage, Sliema Stamp Shop Publishers, Sliema 2014. Emanuel Vella: The 10/- Stamp of St Paul. In: GPS Newsletter. Gozo Philatelic Society, 2003, S. 17–18. Joseph C. Camilleri: L-Ewwel Bolla Pawlina Maltija. In: Programm tal-Festa tan-Nawfraġju ta' San Pawl. 2017.

Weblinks – Überblick zur Darstellung des Paulus-Schiffbruchs auf maltesischen Briefmarken.

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