Die historische Mauritiuskirche in Hohen-Sülzen ist die evangelische Kirche im Ort.
Geografische Lage Die Kirche liegt in der Wallstraße 25 und dem ehemals befestigten, hoch gelegenen Friedhof, am Nordrand des Ortes, und ist so weithin sichtbar. Das Gebäude ist ungefähr geostet, die Befestigung des Friedhofs weitgehend erhalten.Grathoff (Weblinks).
Geschichte Die älteste erhaltene Erwähnung einer Kirche in Hohen-Sülzen stammt von 1141. Das Patronat gehörte dem Andreasstift in Worms. Von dieser ersten romanischen Kirche ist oberirdisch nichts erhalten, ihr Aussehen unbekannt. Das älteste erhaltene Zeugnis für das Patrozinium des Heiligen Mauritius datiert von 1496. Dieses Zeugnis steht im Zusammenhang mit dem Neubau des Gebäudes, das damals sehr verfallen war. Bis 1499 entstand eine Kirche in spätgotischen Formen.Huyer / Krienke, S. 113.
Nach 1545 setzte sich in Hohen-Sülzen die Reformation durch, die Gemeinde wurde mehrheitlich lutherisch und übernahm auch das Kirchengebäude. Eine verbleibende römisch-katholische Minderheit feierte ihre Gottesdienste im Rathaus.Huyer / Krienke, S. 113. 1667 fiel die Grafschaft Falkenstein und mit ihr das Dorf Hohen-Sülzen an den Herzog von Lothringen. Dieser versuchte 1687 eine Rekatholisierung des Dorfs, vertrieb den lutherischen Pfarrer und ersetzte ihn durch einen römisch-katholischen Priester. 1695 aber wurde wieder ein lutherischer Pfarrer eingesetzt. Entweder gleichzeitig oder nahezu gleichzeitig wurde die Kirche als Simultaneum eingerichtet.Huyer / Krienke, S. 113.
Ab 1791 wurde ein Neubau der Kirche – als Simultankirche – geplant, scheiterte aber in der folgenden Zeit der französischen Herrschaft aus politischen und finanziellen Gründen. Stattdessen wurde 1792 bis 1794Nach anderen Angaben sollen sich die Arbeiten bis 1812 hingezogen haben (Huyer / Krienke, S. 114; Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz: Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler. Kreis Alzey-Worms, S. 54). das Kirchenschiff des Bestandsbaues in Formen des Klassizismus verlängert sowie der Chor und der Dachreiter (einen Turm hat die Kirche nicht) neu gebaut. Baumeister war Jakob Philipp Blattner, Werkmeister der Stadt Worms. Aus Gründen der Sparsamkeit wurde Abbruchmaterial zweitverwendet, so auch ein Quader, der die Jahreszahl „1499“ trägt, auf dem Kopf stehend an der Südwestecke vermauert. 1903, 1947 und 2001 wurde die Kirche grundlegend renoviert.Huyer / Krienke, S. 114; Caspary S. 382.
1909 schlossen die beiden Kirchengemeinden einen Vertrag darüber und von römisch-katholischer Seite wurde 1920 erneut beschlossen, eine eigene Kirche zu errichten. Es dauerte allerdings bis 1952, bevor mit dem Bau begonnen werden konnte.Huyer / Krienke, S. 114; Molter, S. 28. Diese neue, römisch-katholische St.-Mauritiuskirche steht fast in der gleichen Längsachse wie die historische Mauritiuskirche, nur etwa 30 m weiter östlich, und hat das gleiche Patrozinium. Nachdem die neue römisch-katholische Kirche von Hohen-Sülzen 1953 fertiggestellt und geweiht warMolter, S. 28., wurde das Simultaneum beendet und die historische St.-Mauritiuskirche ist seitdem evangelisch.
Gebäude Das Gebäude ist eine einschiffige Saalkirche, die mit einem Satteldach geschlossen ist. Der Chor weist die volle Breite des Schiffs auf und schließt mit einem Fünfachtelschluss. Die Sakristei ist ein jüngerer Anbau, mittig vor den Chor gesetzt. Das Innere ist weitgehend neu, nur die Orgel stammt von 1898. Das Gemälde im Deckenspiegel stammt von 2001, wurde von Damaris Wurmdobler geschaffen und zeigt Jakobs Traum.Huyer / Krienke, S. 114
Die Kirche ist ein Kulturdenkmal aufgrund des Denkmalschutzgesetzes des Landes Rheinland-Pfalz.Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz: Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler. Kreis Alzey-Worms, S. 54.
siehe auch Liste der Kulturdenkmäler in Hohen-Sülzen
Gemeinde Die Mauritiuskirche wird heute weiter von der evangelischen Kirchengemeinde in Hohen-Sülzen genutzt. Diese gehört zur „Gesamtkirchengemeinde Petrusgemeinde Südlicher Wonnegau“, dem Nachbarschaftsraum 4, im Evangelischen Dekanat Worms-Wonnegau der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN).Homepage des Evangelischen Dekanats Worms-Wonnegau.
Literatur Hans Caspary u. a. (Berab.): Rheinland-Pfalz/Saarland (= Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler). 2. Aufl. München 1984. ISBN 3-422-00382-7 Michael Huyer und Dieter Krienke: Kreis Alzey-Worms. Verbandsgemeinde Alzey-Land (= Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz, Band 20.3). Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 2018. ISBN 978-3-88462-379-4 Julian Molter (Bearb.) / Pastoralraum Worms und Umgebung – Pfarrei St. Nikolaus Worms-Wonnegau (Hg.): St. Nikolaus Worms-Wonnegau. Gründungsmagazin 01.01.2026. Worms 2025.
Weblinks
Stefan Grathoff: Pfarrkirche und Wehrfriedhof in Hohen-Sülzen. In: regionalgeschichte.net (Stand: 21. August 2014); abgerufen am 19. April 2026.
Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Kirchengebäude im Landkreis Alzey-Worms Mauritiuskirche evangelisch Kategorie:Mauritiuskirche Kategorie:Kirchengebäude des Dekanats Worms-Wonnegau Kategorie:Saalkirche in Rheinland-Pfalz Kategorie:Gotische Kirche Kategorie:Gotisches Bauwerk in Rheinhessen Kategorie:Klassizistische Kirche Kategorie:Klassizistisches Bauwerk in Rheinland-Pfalz Kategorie:Erbaut in den 1490er Jahren Kategorie:Ersterwähnung 1141