Otto Holtze (* 16. Januar 1892 in Leipzig; † 1944 in Stettin) war ein deutscher Kunsthistoriker und Museumsdirektor.
Leben Otto Holtze studierte Kunstgeschichte bei Paul Frankl in Halle/Saale, 1921 erfolgte die Promotion in Leipzig. Noch in seiner Studienzeit publizierte er Zeitungstexte zur Modernen Kunst, etwa zu Emil Noldes Ausstellung im Leipziger Kunstverein 1921. Er förderte die junge Hildegard Domizlaff und wurde von ihr porträtiert.Ingrid Leonie Severin: Hildegard Domizlaff: Bildhauerin (1898-1987). Portal Rheinische Geschichte, 20. Mai 2025.
Von 1922 bis Ende 1927 war Holtze als wissenschaftlicher Assistent von Walter Müller-Wulckow am Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg tätig. Holtze kuratierte im Sommer 1927 aushilfsweise in Hameln die Ausstellung „Oberweserkunst“. Ab Oktober 1927 war er Assistent Walter Riezlers am Stadtmuseum Stettin. In Stettin wurde Holtze von Kurt Schwerdtfeger portraitiertAbbildung des Porträts, kurt-schwerdtfeger.de. und förderte den jungen Bernhard Heiliger.Marc Wellmann: Panta Rhei – Alles fließt: Bernhard Heiligers Leben und Werk. Bernhard-Heiliger-Stiftung.
Walter Riezler, der auch Werke des Impressionismus, Expressionismus, Verismus und der Neuen Sachlichkeit ausstellte, wurde 1934 zunächst beurlaubt und dann aus dem Amt entlassen, Holtze übernahm die Museumsleitung.Dariusz Kacprzak: Nicht nur der Kruzifixus von Ludwig Gies … Zur „Entarteten Kunst“ aus dem Bestand des Städtischen Museums Stettin. In: Meike Hoffmann, Andreas Hüneke (Hrsg.): „Entartete Kunst“ in Breslau, Stettin und Königsberg. Wilhelm Fink, Paderborn 2021. ISBN 978-3-7705-6448-4. S. 107–116 In seine Amtszeit fiel die Beschlagnahmung „Entarteter Kunst“, darunter auf Befehl von Adolf Ziegler des Kruzifixus von Ludwig Gies. Mit Unterstützung des Stettiner Oberbürgermeisters Werner Faber kaufte Holtze stattdessen für große Summen Gemälde niederländischer Künstler an.Caroline Flick: Szenen einer Reise: Absichten und Interessen an einem Seestück von Simon de Vlieger. In: Retour, 12. April 2023. Ein Ölgemälde von Hans Hartig aus dem Bestand des Museums wurde Hermann Göring geschenkt.
Holtze erlag im Dezember 1944 in Stettin einem Schlaganfall.
Schriften (Auswahl) Holtze war Mitarbeiter der Bände 20 bis 36 des Allgemeinen Lexikons der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart und verfasste u. a. Beiträge zu Heinrich Klingenberg, Ludwig Klingenberg, Rudolph Kölbel, Ludwig Most, Carl Christian Schmidt, Kurt Schwerdtfeger, Sophie Auguste Tilebein, Joachim Utech, Walter Wadephul, Gustav Wimmer und Edmund Wodick.
Kompositionsgesetze der Wandmalereien Giottos. Dissertation, Leipzig 1921. Das graphische Werk von Felix Meseck. In: Der Cicerone. Band 14 (1922), S. 511–516 (Digitalisat). Die Neuordnung der alten Galerie im Oldenburger Landesmuseum. In: Oldenburger Jahrbuch des Vereins für Altertumskunde und Landesgeschichte. Band 31 (1927), S. 291–301. Malerei und Plastik der Gegenwart. Herrcke & Lebeling, Stettin 1930. Goethes Beziehungen zu Runge und Friedrich. In: Unser Pommerland. Band 17 (1932), Heft 1/2, S. 17–23. Otto Heyden (1820–1897). In: Pommersche Lebensbilder. Band 1. Leon Sauniers Buchhandlung, Stettin 1934, S. 190–196. Das Stadtbild Stettins vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart in Gemälden, Zeichnungen und Bilddrucken der Zeit. Stettiner Museumsverein, Hessenland & Comp., Stettin 1936. Die Kunst Jörg Breus des Älteren. In: Pantheon, Band 25 (1940), Heft 1, S. 5–12.
Literatur Caroline Flick: Szenen einer Reise: Absichten und Interessen an einem Seestück von Simon de Vlieger. In: Retour, 12. April 2023. Dariusz Kacprzak: Nicht nur der Kruzifixus von Ludwig Gies … Zur „Entarteten Kunst“ aus dem Bestand des Städtischen Museums Stettin. In: Meike Hoffmann, Andreas Hüneke (Hrsg.): "Entartete Kunst" in Breslau, Stettin und Königsberg. Wilhelm Fink, Paderborn 2021. ISBN 978-3-7705-6448-4. S. 107–116 Bernfried Lichtnau: Dr. Walter Riezler und Dr. Otto Holtze – zwei Stettiner Museumsdirektoren zwischen 1910 und 1945 / Dr Walter Riezler i dr Otto Holtze – dwaj szczecińscy dyrektorzy Muzeum Miejskiego w latach 1910–1945. In: Kazimierz Kozłowski (Hrsg.): Muzealnicy, archiwiści i bibliotekarze szczecińscy w XX wieku / Stettiner Museumsangestellte, Archivare und Bibliothekare im 20. Jahrhundert. Stettin 2002, ISBN 83-87561-13-4, S. 39–58. Gloria Köpnick, Rainer Stamm: »Eine Frau als Museumsdirektorin«: Hanna Hofmann-Stirnemann (1899–1996). Sandstein Verlag, Dresden 2024. ISBN 978-3-95498-824-2. S. 17 (Digitalisat).
Weblink Nachlass Otto Holtze in der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin.
Einzelnachweise
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