Der Amoklauf an einer Schule in Kahramanmaraş 2026 war ein Amoklauf an einer Schule am 15. April 2026 an der Ayser Çalık Ortaokulu in der Stadtteilsgemeinde Onikişubat der Großstadtgemeinde Kahramanmaraş in der Türkei. Ein 14-jähriger Schüler erschoss neun Menschen und verletzte dreizehn weitere, bevor er selbst unter bislang ungeklärten Umständen zu Tode kam. Das Massaker ereignete sich nur 28 Stunden nach einem anderen Amoklauf an einem Gymnasium in Siverek in der Provinz Şanlıurfa. Es ist der Amoklauf mit den meisten Todesopfern an einer Schule in der Geschichte der Republik Türkei.

Hintergrund Amokläufe an Schulen sind in der Türkei relativ selten. In der Türkei gelten strenge Waffengesetze. Der Besitz einer Schusswaffe ist nur mit Registrierung gestattet. Die Lizenzierung ist von einem Nachweis der psychologischen Eignung und einer Überprüfung auf mögliche Vorstrafen abhängig. Auf illegalen Waffenbesitz stehen strenge Strafen. Nach Schätzungen einer türkischen Stiftung sind in der Türkei dennoch zahlreiche Waffen in Privatbesitz vorhanden, die meisten davon illegal.

Einen Tag vor diesem Vorfall, am 14. April 2026, eröffnete ein 19-Jähriger in einer Berufsschule in Siverek, Provinz Şanlıurfa, das Feuer und verletzte 16 Menschen, bevor er Selbstmord beging. Nach dem Amoklauf in Siverek kündigten viele türkische Lehrerverbände einen landesweiten eintägigen Streik für den 15. April 2026 an, um gegen die mangelnde Sicherheit von Lehrkräften und Schülern zu protestieren.

Minuten vor diesem Amoklauf in Kahramanmaraş wandte sich Bildungsminister Yusuf Tekin vor der Fraktionssitzung der Adalet ve Kalkınma Partisi in der Großen Nationalversammlung der Türkei an die Presse. Bezüglich des Amoklaufs vom Vortag in Siverek erklärte er, dass die Schulen auf Grundlage von gemeinsam mit dem Ministerium für innere Angelegenheiten der Türkei durchgeführten Bewertungen in Risikokategorien eingeteilt wurden und dass diese Sicherheitsfragen weiterhin Priorität auf seiner Agenda hätten.

Tathergang Der Täter wurde als der 14-jährige İsa Aras Mersinli (* ca. 13. Februar 2012, † 15. April 2026) identifiziert, ein Schüler der achten Klasse der örtlichen Schule. Berichten zufolge betrat er die Schule mit Waffen seines Vaters, eines pensionierten Polizeibeamten im Rang eines Polizeichefs 1. Grades, die er in seinem Rucksack versteckt hatte. Der Täter habe, soweit bisher bekannt, in zwei Klassenzimmern mit der Waffe ziellos um sich geschossen.

Tote und Verletzte Bei dem Amoklauf kamen eine Lehrerin und acht Schüler ums Leben. Dreizehn Schüler wurden im Schulgebäude und bei Fluchtversuchen verletzt. Sieben Personen konnten nach ambulanter Behandlung aus dem Krankenhaus entlassen werden, während sechs der Verletzten noch auf der Intensivstation behandelt wurden.

Motive und persönliche Hintergründe des Täters Mersinlis Motiv für den Angriff wird untersucht. Die Polizeidirektion in Ankara teilte als Ergebnis erster Ermittlungen mit, dass der Angriff wohl keinen terroristischen Hintergrund habe. Berichten zufolge bezog sich das WhatsApp-Profilbild des Täters auf den britisch-US-amerikanischen frauenfeindlichen Massenmörder Elliot Rodger, der im Jahr 2014 aus Frauenhass sechs Menschen an der University of California, Santa Barbara in Isla Vista in Kalifornien getötet hatte. Dies führte zum Verdacht, dass es sich beim Vorfall um einen von Incel motivierten Angriff und ein Trittbrettfahrer handele.

Der Vater der Täters sagte der Polizei nach Angaben von lokalen Medien, dass sein Sohn ein großes Interesse an Schusswaffen hatte. Er habe ihn eine Woche vor dem Angriff auf einen Schießstand mitgenommen. Dabei war der 14-Jährige in psychologischer Behandlung gewesen.

Folgen Türkische Behörden bestätigten die Festnahme des Vaters des Täters, ein ehemaliger Inspektors der städtischen Polizei, gegen den am 16. April 2026 Haftbefehl erlassen worden sei. Ihm sollen die Waffen gehört haben, die sein Sohn bei dem Angriff eingesetzt haben soll. Die Mutter des Täters wurde am 15. April 2026 festgenommen. Infolge des Vorfalls teilte das Ministerium für innere Angelegenheiten der Türkei mit, dass Sicherheitsvorkehrungen an Schulen verschärft werden sollen.

Nach dem Amoklauf nahmen türkischen Behörden mehr als 160 Personen fest. Ihnen wird unter anderem vorgeworfen, irreführende Informationen verbreitet und die Amokläufe an Schulen verherrlicht zu haben, so der türkische Justizminister Akin Gürlek auf der Plattform X. Gürlek erklärte, dass 95 Personen in Gewahrsam genommen wurden, weil sie trotz einer verhängten Informationssperre Bilder und Videos zu den Vorfällen verbreitet hätten. Nach weiteren 35 Verdächtigen werde noch gefahndet. Zudem sei der Zugriff auf 1104 Social-Media-Konten gesperrt worden, und die Ermittler hätten Konten identifiziert, die gezielt Schulen ins Visier nahmen und mögliche Angriffe andeuteten. Im Zusammenhang mit entsprechenden Beiträgen seien 67 Nutzer festgenommen worden.

Reaktionen Landesweit löste der Amoklauf Entsetzen aus. Präsident Erdoğan sprach von einem „tragischen Angriff“ und versprach umfassende Aufklärung. Parlamentspräsident Numan Kurtulmuş erklärte: „Unser Herz blutet. Wir sprechen der ganzen Nation unser Beileid aus.“

Innenminister Mustafa Çiftçi, Bildungsminister Yusuf Tekin und Gesundheitsminister Kemal Memişoğlu, erklärten ihre Absicht, nach Kahramanmaraş zu reisen, um die Hilfsmaßnahmen zu koordinieren und Familien zu unterstützen. Schulen in Kahramanmaraş wurden nach dem Amoklauf für zwei Tage geschlossen.

In der Hauptstadt Ankara protestierten die Bildungsgewerkschaften Eğitim-İş und Eğitim-Sen, um auf die zunehmende Gewalt in den Schulen aufmerksam zu machen. Dabei forderten sie auch den Rücktritt des Bildungsministers.

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