mini|hochkant|Kendenicher Madonna, um 1270–1280, Museum Schnütgen, Inv. A 45 Die Kendenicher Madonna ist eine aus Nussbaumholz gefertigte Holzskulptur einer sitzenden Madonna, die sich heute in der Sammlung des Museums Schnütgen in Köln befindet (Inv. A 45). Sie wurde zum Ende des 13. Jahrhunderts um 1270 bis 1280 geschaffen und stammt aus Kendenich, einem heutigen Stadtteil von Hürth südlich von Köln. Der Künstler ist unbekannt.

Beschreibung Die Statue ist aus Nussbaumholz gefertigt. Sie hat eine Höhe von 107 Zentimetern und eine maximale Breite von 46,5 Zentimetern, die Tiefe der Figur beträgt 45 Zentimeter. Die Skulptur ist nicht vollständig, es fehlen beide Arme sowie das ursprünglich vorhandene Jesuskind und die Reifkrone. Zudem gibt es einige Beschädigungen und Fehlstellen beim Drachen sowie Wurmfraß und Verwitterungsspuren. Die Figur ist farbig gefasst und die Bemalung ist vor allem im Bereich des Gesichts gut erhalten, ansonsten fragmentarisch vorhanden.

Die Skulptur zeigt eine weibliche Figur, die heilige Maria, die auf dem Sitzteil eines Thrones mit einer hohen Rückenwand und geschmückten Seitenwangen platziert ist. Die Skulptur ist rückseitig ausgehöhlt und mit einem Brett aus Eichenholz verschlossen, in dem sich die Tür eines Sepulcrums befindet. Die Madonna ist frontal ausgeführt und nur leicht nach links ausgerichtet. Der linke Fuß steht auf einem kleinen Drachen, der unter dem Gewand hervorschaut. Das linke Bein und damit das Knie sind dadurch leicht erhoben, hier befand sich ursprünglich ein stehendes Jesuskind, worauf ein Dübelloch im Oberschenkel hinweist. Das Gewand besteht aus einem langen Mantel, der sich vor dem Körper in horizontale Falten legt, die über den Beinen brechen und nach unten fortgeführt wurden.Der Kopf mit der hohen Stirn ist durch braune Haare gefasst. Das beinahe symmetrische Gesicht wirkt stilisiert und entspricht ähnlichen Darstellungen der Zeit, die Augen blicken den Betrachter direkt an. Auf den eng anliegenden Haaren befand sich früher eine typische Reifkrone, die verloren gegangen ist und heute anhand eines etwa einen Zentimeter breiten Streifens am Hinterkopf nachvollziehbar ist.

Herkunft und Hintergrund mini|hochkant|Kendenicher Madonna, Kopf Die Kendenicher Madonna wurde 1910 von dem Kölner Sammler Alexander Schnütgen in Köln im Kunsthandel erworben und ging als Teil seines Nachlasses in die Sammlung des Museums Schnütgen über. Die Madonnenfigur wurde wahrscheinlich um 1270 bis 1280 von einem unbekannten Künstler geschaffen. Sie stammt dabei wahrscheinlich aus der Pfarrkirche in Kendenich, einer heute zu Hürth gehörenden Ortschaft südlich von Köln.

Vor allem die sehr streng symmetrische Darstellung des Gesichts mit dem dadurch stilisiert wirkenden Gesichtsausdruck entspricht anderen Madonnenfiguren der Zeit, darunter etwa der Ollesheimer Madonna und der Madonna auf dem breiten Thronsitz, die sich ebenfalls im Museum Schnütgen befinden. Gerade zu Letzteren wird eine enge Verwandtschaft angenommen, im Vergleich wirkt die Kendenicher Madonna altertümlicher. Sie ist vor allem durch ihre frontale Darstellung an den romanischen Typus der Sedes sapientiae angelehnt, wurde jedoch ursprünglich in einer stärker seitlich gedrehten Position angelegt und nach Abschluss der Schnitzerei und vor der Bemalung in die frontale Position gerückt. Dabei wird angenommen, dass die Madonna auf dem breiten Thronsitz als Vorbild gedient hat.

Seit dem Erwerb im Jahr 1910 wurde darüber gerätselt, ob sie das Vorbild oder das Abbild der Madonna auf dem breiten Thronsitz sei. Der Kunsthistoriker Robert Suckale plädierte 1979/80 dafür, sie als Abbild zu betrachten, und an dieser Abfolge wird seitdem festgehalten. Beide Figuren entsprachen sich in ihren ursprünglichen Fassungen sowohl in der Haltung wie auch in der Farbgebung. 1988 erfolgte eine dendrochronologische Untersuchung der Figuren, die eine konkretere Altersbestimmung des Holzes aller drei Figuren zuließ.

Belege Kendenicher Madonna. In: Moritz Woelk, Manuela Beer (Hrsg.): Museum Schnütgen – Handbuch zur Sammlung. Hirmer, München 2018, ISBN 978-3-7774-2893-2, S. 158, Nr. 101. Muttergottes mit dem Bergkristall. In: Moritz Woelk, Manuela Beer (Hrsg.): Museum Schnütgen – Handbuch zur Sammlung. Hirmer, München 2018, ISBN 978-3-7774-2893-2, S. 140–141, Nr. 89. Muttergottes auf breitem Thronsitz. In: Moritz Woelk, Manuela Beer (Hrsg.): Museum Schnütgen – Handbuch zur Sammlung. Hirmer, München 2018, ISBN 978-3-7774-2893-2, S. 152, Nr. 98. Ollesheimer Madonna. In: Moritz Woelk, Manuela Beer (Hrsg.): Museum Schnütgen – Handbuch zur Sammlung. Hirmer, München 2018, ISBN 978-3-7774-2893-2, S. 154–155, Nr. 99. Kendenicher Madonna. In: Ulrike Bergmann (Bearb.): Schnütgen Museum Die Holzskulpturen des Mittelalters (1000–1400). Museum Schnütgen, Köln 1989, S. 203–208, Nr. 35.

Literatur Kendenicher Madonna. In: Ulrike Bergmann (Bearb.): Schnütgen Museum – Die Holzskulpturen des Mittelalters (1000–1400). Museum Schnütgen, Köln 1989, S. 203–208, Nr. 35. Kendenicher Madonna. In: Moritz Woelk, Manuela Beer (Hrsg.): Museum Schnütgen – Handbuch zur Sammlung. Hirmer, München 2018, ISBN 978-3-7774-2893-2, S. 158, Nr. 101.

Weblinks

Galerie Maria und Christus in der Sammlung Museum Schnütgen

Kategorie:Holzskulptur Kategorie:Skulptur (13. Jahrhundert) Kategorie:Skulptur (Museum Schnütgen) Kategorie:Werk der Bildschnitzerei (Deutschland) Kategorie:Marienstatue in Deutschland Kategorie:Gotische Skulptur Kategorie:Sitzbild