mini|Leonardo da Vinci (1452–1519): Gewandstudie, Tempera auf grauer Leinwand, zwischen 1470 und 1484. Ex-Sammlung Eberhard Jabach Das Département des arts graphiques du musée du Louvre ist die siebte Fachabteilung des Louvre in Paris. Es wurde 1989 als eigenständige Abteilung gegründet. Zuvor war das Cabinet des dessins (Graphische Sammlung) dem Département des peintures (Gemäldeabteilung) angegliedert. Die Abteilung Département des arts graphiques vereint heute drei institutionell unterschiedliche Sammlungsbereiche: das Cabinet des Dessins, die Chalcographie du Louvre und die Collection Edmond de Rothschild. Mit einem Gesamtbestand von mehr als 150.000 Werken zählt das Département des arts graphiques zu den weltweit bedeutendsten Sammlungen von künstlerischen Arbeiten auf Papier.
Geschichte Das Cabinet des dessins geht auf die ehemalige Sammlung der Könige von Frankreich zurück. Den Ausgangspunkt bildete der Ankauf von 5542 Zeichnungen, die Ludwig XIV. im Jahr 1671 von Eberhard Jabach, dem bedeutendsten Sammler seiner Zeit, erwarb. Jabach erhielt für 101 Gemälde und 5542 Zeichnungen 220.000 Livres vom König. Unter den 5542 Zeichnungen unterschied Jabach zwischen 2631 montierten und vergoldeten „Desseins d'ordonnance“, die am 24. März 1671 im Hôtel de Gramont übergeben wurden, und den übrigen 2911 unmontierten Blättern. Letztere bezeichnete er als Ausschuss seiner Sammlung und sie wurden am 20. April 1671 übergeben. In Jabachs Klassifizierung der „Desseins d'ordonnance“ entfielen 640 Blätter auf die Schule Raffaels, 448 auf die venezianische und lombardische Schule, 517 auf die florentinische Schule, 653 auf die Schule der Carracci und der Modernen sowie 309 auf die deutschen und flämischen Schulen. Hinzu kamen 64 Kopien nach Raffael und Giulio Romano. Die Zeichnungen der Jabach-Sammlung wurden im Hôtel de Gramont auf dem Gelände des Louvre untergebracht. Die Inventare der Zeichnungen des Königs wurden 1690, 1695 und 1710 angefertigt, wobei die Klassifizierung des Fonds Jabach beibehalten wurde.
In der Folgezeit wurde die Sammlung durch die Werkstattnachlässe der Premiers Peintres du Roi ergänzt. Nach dem Tod von Charles Le Brun, Pierre Mignard und Adam François van der Meulen ließ Ludwig XIV. deren Bestände einziehen, da er die Ersten Maler des Königs als in seinem Dienst stehend betrachtete. Laut dem État des Desseins du Roy, den Charles-Antoine Coypel im Jahr 1724 verfasste, belief sich der Bestand auf 8887 Zeichnungen. Seit dem Ankauf der Sammlung Jabach im Jahr 1671 waren somit lediglich 3345 Blätter hinzugekommen.
Erwerb der Sammlung Mariette Die Sammlung wurde durch den Ankauf eines Teils der Sammlung von Pierre-Jean Mariette im Jahr 1775 vergrößert. Insgesamt 1873 Zeichnungen des Louvre stammen aus der Sammlung Mariette und tragen mehrheitlich dessen Sammlerstempel. Einige Zeichnungen aus der Sammlung Crozat erwarb Mariette anlässlich deren Versteigerung.
Zu Beginn der Französischen Revolution ließ der Konvent alle Güter der Emigranten beschlagnahmen. Dadurch verdoppelte sich nahezu die Zahl der im Musée central des arts de la République française bewahrten Zeichnungen. Zu den beschlagnahmten Sammlungen gehörten die des Comte d'Orsay und die des Charles Paul Jean-Baptiste de Bourgevin Vialart, comte de Saint-Morys (1743–1795). Die auf Château d'Hondanville (Schloss Hondainville) bei Beauvais beschlagnahmte Sammlung Saint-Morys umfasste 12.644 Blätter und gehörte zu den bedeutendsten Sammlungen des 18. Jahrhunderts. Durch die Eroberungen der Revolutionsarmeen gelangte zudem die Sammlung der Herzöge von Modena in den Bestand. Im Jahr 1806 erwarb Vivant Denon die gesamte Sammlung von Filippo Baldinucci. Im Jahr 1856 erwarb das Musée du Louvre vom Antiquar Giuseppe Vallardi den Codex Vallardi. Um die Einheit des Bestandes nicht zu unterbrechen und seine Nutzung zu erleichtern, verblieben die Zeichnungsbestände und Ankäufe des Musée d’Orsay – mit Ausnahme der Pastelle, Architekturzeichnungen und Werke der angewandten Künste – im Musée du Louvre. Vor der Gründung des Département des arts graphiques im Jahr 1989 war das Cabinet des dessins dem Département des peintures angegliedert. Die institutionelle Verselbstständigung schuf eine einheitliche Verwaltungsstruktur für die drei bestehenden Sammlungsbereiche.
Drei Sammlungsbereiche
Cabinet des dessins Das Cabinet des dessins ist der älteste und umfangreichste Bestandteil des Départements. Unter Einbeziehung der beschrifteten Rückseiten der Blätter/Bildträger beherbergt es heute mehr als 150.000 Werke. Die Sammlung umfasst Zeichnungen aller europäischen Schulen vom 13. bis zum frühen 19. Jahrhundert. Darunter befinden sich bedeutende Konvolute aus früheren Privatsammlungen, darunter 162 Zeichnungen aus den insgesamt 526 verzeichneten Blättern des „Libro de’ Disegni“ Giorgio Vasaris.
Chalcographie du Louvre mini|Louis-Pierre Baltard (1764–1846) – Le Louvre au temps de Philippe-Auguste (um 1800) Die Chalcographie du Louvre wurde am 23. Floréal des Jahres V (12. Mai 1797) durch den Zusammenschluss mehrerer unter dem Ancien Régime entstandener Grafiksammlungen gegründet. Die beiden bedeutendsten reichten bis ins 17. Jahrhundert zurück: das Cabinet du Roi und der Bestand der Académie royale de peinture et de sculpture. Zielsetzung war es, dem Staat eine neue Einnahmequelle zu erschließen und die Kunst des Kupferstichs zu fördern. Die Institution sollte sowohl Museum als auch Lager der Platten sein. Darüber hinaus sollte sie eine Druckwerkstatt, eine Verkaufsstelle für Abzüge sowie ein Atelier für neue Gravuren umfassen. Erster Conservateur der Chalcographie war Louis-Marie-Joseph Morel d'Arleux, der im Gründungsjahr zum „Garde des dessins, estampes et planches gravées“ ernannt wurde.
Heute verwahrt die Chalcographie rund 14.000 gravierte Kupferplatten, darunter insbesondere die Platten aus dem Cabinet des planches gravées du Roi. Für nahezu 600 Platten können Papierabzüge nach dem originalen Kupfer bestellt werden. Seit der Gründung der Réunion des musées nationaux (RMN) im Jahr 1895 ist diese für den Druck, den Vertrieb und den Verkauf der Abzüge zuständig. Der Erlös aus dem Verkauf fließt in einen zweckgebundenen Fonds für Kunstankäufe zugunsten nationaler Museen. Der Bestand der Matrizen bleibt weiterhin in der Verantwortung des Musée du Louvre.
Collection Edmond de Rothschild Edmond de Rothschild (1845–1934) war der jüngste Sohn von Jacob James de Rothschild (1792–1868) und Betty de Rothschild (1805–1886). Als versierter Kenner, beraten von bedeutenden Experten und Kunsthistorikern, vereinte er fast 4000 Zeichnungen, mehr als 30.000 Druckgraphiken sowie 521 Bücher und Werksammlungen aus den renommiertesten europäischen Kollektionen. Fast ein Jahr nach seinem Tod übertrugen seine Erben am 28. Dezember 1935 gemäß seinem ausdrücklichen Willen die gesamte Sammlung dem Musée du Louvre. Das Dekret vom 12. November 1936 genehmigte die Annahme der Schenkung formell. Die Sammlung, bestehend aus mehr als 40.000 Druckgraphiken und nahezu 3000 Zeichnungen, wurde am 25. Juli 1936 in den Louvre überführt. Als erster Conservateur wurde André Blum von der Familie Rothschild benannt, dessen Gehalt aus den Erträgen eines von der Familie gestifteten Kapitals bestritten wurde. Die Bedingungen der Schenkung verpflichten zu einer separaten Aufbewahrung der „Collection Edmond de Rothschild“. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Sammlung gemeinsam mit den übrigen Louvre-Beständen zunächst in das Schloss Valençay ausgelagert. 1957 wurde sie im ersten Obergeschoss des Pavillon de Flore installiert, wo sie seither verblieben ist.
Bestände und Sammlungsschwerpunkte Das Département des arts graphiques verwahrt Zeichnungen, Pastelle, Miniaturen, Druckgraphiken, Bücher, Manuskripte, Autographen sowie Holzstöcke, Kupferplatten und lithographische Steine. Es stellt 3000 Werke in 13 Sälen nach dem Rotationsprinzip aus. Aufgrund der Menge der Objekte und der Lichtempfindlichkeit des Papiers ist eine dauerhafte Ausstellung des Gesamtbestands nicht möglich. Die Werke sind entweder in Wechselausstellungen, die aufgrund der Fragilität der Objekte nie länger als drei Monate dauern, oder im Studienraum der Abteilung zugänglich. Einige weniger lichtempfindliche Pastelle und Kartons für Tapisserien sind hingegen im Rahmen des Ausstellungsrundgangs des Département des Peintures dauerhaft präsent.
Im internationalen Vergleich rangiert der Bestand laut Angaben des Louvre an vorderster Stelle. Zu den vergleichbaren Sammlungen zählen das Gabinetto Disegni e Stampe der Uffizien in Florenz mit 150.000 Blättern, die Albertina Wien mit 65.000 Zeichnungen (und mehr als einer Million Druckgraphiken), das British Museum mit 50.000 Werken sowie die National Gallery of Art in Washington, D.C. mit 47.000 Blättern.
Werke (Auswahl)
Dokumentation, Digitalisierung und wissenschaftliche Erschließung Der Inventarkatalog des Départements verzeichnet die grafischen Werke des Cabinet des dessins des Musée du Louvre und des Musée d’Orsay, der Chalcographie und der Collection Edmond de Rothschild. Jedes Werk ist darin beschrieben und abgebildet. In den vergangenen Jahren wurde ein umfangreiches Digitalisierungsprogramm durchgeführt, sodass die Datenbank des Départements derzeit mehr als 140.000 Werkkarteien und 4500 Künstlerkarteien umfasst. Das im Jahr 1968 gegründete Service d'étude et de documentation bietet eine möglichst vollständige Dokumentation zu Zeichnungen der europäischen und nordamerikanischen Schulen vom 13. bis zum frühen 19. Jahrhundert.
Unterabteilungen Die Abteilung Département des arts graphiques wird von einem Direktor geleitet. Laut der offiziellen Website des Musée du Louvre ist Xavier Salmon derzeit Direktor des Départements (Stand: 2026). Die wissenschaftliche Bearbeitung der Sammlungen ist nach nationalen Schulen und Epochen auf spezialisierte Konservatoren verteilt. Sie sind jeweils für die französische, italienische, spanische sowie die nördlichen Schulen (flämisch, niederländisch, deutsch) zuständig. Hinzu kommen Zuständigkeitsbereiche für Druckgraphik, Chalcographie und die Collection Edmond de Rothschild. Das Département betreibt systematische Provenienzforschung zu den zwischen 1933 und 1945 in die Sammlung gelangten Werken. Dieser Aufgabenbereich ist einem eigenen Sachgebiet zugeteilt.
Literatur
Paul Joseph Angoulvent, La Chalcographie du Louvre. 4 Bände, Musées nationaux / Union typographique, Paris / Villeneuve-Saint-Georges 1926–1930. Henri de Chennevières, Petit inventaire illustré de la Chalcographie du Musée national du Louvre, Paris 1900. Suzanne Coblentz, La Collection d’estampes Edmond de Rothschild au Musée du Louvre, Éditions des musées nationaux, Paris 1954. Henri Delaborde, La gravure en France au XVe siècle, Paris 1885. Antony Griffiths, Prints and Printmaking. An Introduction to the History and Techniques, British Museum Press, London 1996. Séverine Lepape (Hrsg.), Graver pour le roi. Collections historiques de la Chalcographie du Louvre, Musée du Louvre, Paris 2019. Catherine Loisel, Dessins français du XVIIe siècle au Louvre, Réunion des Musées Nationaux, Paris 2000. Frits Lugt, Les marques de collections de dessins & d’estampes, 4 Bände, Den Haag / Paris 1921–1956. Michel Melot, L’estampe, Skira, Genf 1981. Maxime Préaud, Dictionnaire des éditeurs d’estampes à Paris sous l’Ancien Régime, CNRS Éditions, Paris 1987. Louis-Antoine Prat, Le dessin français au XVIIe siècle, Éditions du Louvre, Paris 1997. Pauline Prévost-Marcilhacy (Hrsg.), Les Rothschild. Une dynastie de mécènes en France, Somogy / Bibliothèque nationale de France, Paris 2016. Pascal Torres, La collection Edmond de Rothschild au musée du Louvre, Éditions du musée du Louvre, Paris 2011. Pascal Torres Guardiola (Hrsg.), Mémoires du visible : cuivres et estampes de la chalcographie du Louvre, Musée du Louvre / Réunion des Musées Nationaux, Paris 2003. Weblinks Département des Arts graphiques du musée du Louvre