Franz Bernhard Schlörr (* 17. Dezember 1849 in Oberreichenau, Sachsen; † 22. Oktober 1875 in Gera, Thüringen) war ein deutscher Serienmörder, der zwischen 1871 und 1874 drei Menschen ermordete.
Leben Frühes Leben Franz Bernhard Schlörr wurde im Dezember 1849 als Sohn des Instrumentenmachers Karl Eduard Schlörr und dessen Ehefrau Wilhelmine im sächsischen Oberreichenau geboren; im Jahr 1853 – Franz Bernhard war zu diesem Zeitpunkt vier Jahre alt – zog die Familie nach Gera. Hier besuchte Franz Bernhard Schlörr die Schule. Da es zwischen den Eltern immer öfter zu Streit und auch körperlichen Auseinandersetzungen kam, litt das Sozialverhalten des jungen Franz Bernhard darunter, dessen Leistungen in der Schule in der Folge immer mehr zu wünschen übrig ließen. Zudem zeigte er seinen Lehrern gegenüber kaum Respekt. Dies wird durch die Bewertung seines Lehrers im Abgangszeugnis deutlich: "Schlörr ist ein leichtfertiger und liederlicher Patron, der keine Spanne breit aus den Augen gelassen werden darf!" 1863 verließ der Vater die Familie.
Schlörr begann nach seinem Schulabgang eine Lehre bei einem Harmonikamacher, die er jedoch nach kurzer Zeit wieder abbrach. Es folgten weitere Lehrstellen in einer Druckerei und wiederum in einer Akkordeonfabrik. Doch hielt er es nie lange beim selben Arbeitgeber aus. Schließlich begann er seinen Lebensunterhalt als Wander- und Gelegenheitsarbeiter quer durch Deutschland zu verdienen. In Wochen, in denen er keine Arbeit finden konnte, ging er auch betteln.
In Haltern am See im heutigen Nordrhein-Westfalen begann er eine Arbeit in einem Kohlen- und Ziegeleiwerk. Bald hatte er das Vertrauen seines Vorgesetzten erworben, so dass er selbstständig Kohlen an Kunden beliefern durfte. Doch eines Tages unterschlägt er eine Summe von 80 Taler und kehrte nie wieder in die Firma zurück. In Plauen meldete er sich zum Militär, doch wurde Schlörr als untauglich abgewiesen. Zuletzt arbeitete er in einem Steinbruch in Tirpersdorf. Schlörr lebte meist unter der Armutsgrenze, da er das wenige Geld, das er besaß, mit beiden Händen in Spelunken ausgab.
Erster Mord Am 23. Oktober 1871 betrat Schlörr gegen 20:45 Uhr das Gasthaus des Mühlenwirts Reichel in Kottengrün. Nachdem er gegessen und getrunken hatte, erkundigte sich Schlörr nach einem Zimmer für die Nacht. Es sei zu spät, jetzt noch nach Hause zu gehen, so war seine Meinung. In Wahrheit war er obdachlos, da sein Vermieter ihm einen Tag zuvor seine Wohnung gekündigt hatte. Der Gastwirt bot ihm sein eigenes Bett an, in welchem Schlörr schlafen könne. Kurz danach betrat ein weiterer Gast die Wirtsstube: Der 68 Jahre alte Johann Hellinger war Jäger von Beruf, der nachdem er Alkohol getrunken hatte, schon einmal vertrauliche Dinge auch Menschen erzählen konnte, die diese ausnutzen könnten. Ob es im Fall von Franz Bernhard Schlörr auch war, darüber gingen die Meinungen auseinander. Tatsache ist, dass Schlörr Hellinger, nachdem dieser zu später Stunde die Gaststube verließ, begleitete. Obwohl Hellinger nur wenige Gehminuten entfernt wohnte, kam Schlörr zunächst nicht, wie mit dem Wirt Reichel vereinbart, zum Gasthaus zurück. Erst eine Stunde später kam er zurück und legte sich ins Bett des Wirten.
Am kommenden Tag wird der Leichnam von Johann Hellinger von zwei Zimmerleuten auf einem kleinen Weg in der Ortschaft Pillmannsgrün entdeckt. Der Leichnam wies schwere Verletzungen auf. So war sein Oberkiefer zertrümmert. Mit einem scharfen Gegenstand wurde er beinahe enthauptet. Da Hellingers Bargeld noch in seiner Geldtasche gefunden werden konnte, wurde von Seiten der Ermittler Raubmord ausgeschlossen.
Der Gastwirt Reichel verließ noch vor Schlörr das Wirtshaus, um einige Besorgungen zu tätigen. Unterwegs erfuhr er von Fußgängern vom Mord an Johann Hellinger. Als er wenig später Schlörr mit der Tatsache konfrontierte, er habe doch Hellinger auf dem Weg nach Hause begleitet und nun sei dieser ermordet aufgefunden worden, zeigte Schlörr keine Reaktion. Kurz nachdem er gefrühstückt hatte, ging Schlörr zu seinem Arbeitsplatz, im Steinbruch nach Tirpersdorf.
Der Wirt Reichel meldete die Ereignisse der letzten Nacht der Polizei. Franz Bernhard Schlörr wurde noch am selben Tag verhaftet und ins königliche Bezirksgefängnis nach Plauen überstellt. Schlörr leugnete "mit der größten Frechheit und unter Hohn und Spott" – wie es in den Akten vermerkt wurde – die Tat. Er bestritt sogar, in der fraglichen Nacht im Gasthaus übernachtet zu haben. Schlörrs ehemaligem Vermieter wurde nur einen Tag vor der Tat ein Beil gestohlen. Dieses, das Tatwerkzeug, wurde in einem nahen Steinbruch gefunden.
Die Untersuchungen im Mordfall Hellinger erstrecken sich über fünf Monate. Am 5. März 1872 wurden die Ermittlungen sehr zur Bestürzung der Bevölkerung eingestellt. Die Indizien, so die Meinung des Bezirksgerichts in Zwickau, wären so wenig belastbar, dass sie eine Aufnahme einer Hauptverhandlung nicht rechtfertigen würden. Auch konnte Schlörr kein Motiv nachgewiesen werden. Er kannte den Jäger Hellinger kaum; auch wurde dem Opfer das Bargeld nicht gestohlen, das dieser bei sich trug. Einen Tag später, am 6. März 1872, wurde Schlörr wieder auf freien Fuß gesetzt. Diese Entscheidung des Gerichts sollte weiteren zwei Menschen das Leben kosten.
Zweiter Mord 1874 lebte die 77 Jahre alte Christiane Anders in der Schloßstraße 12 in Gera, wo sie einen Laden für Lederwaren aller Art betrieb, in dem Schuhmacher und Sattler zu Anders’ Kunden zählten. Mit Ausnahme eines Untermieters, des Handlungsgehilfen Platzmann, lebte sie allein im zweistöckigen Gebäude. Anders galt als vorsichtige Frau, die darauf bedacht war, nachts Fenster und Türen verschlossen zu halten. Am Abend des 3. Oktober 1874 verließ der Untermieter Platzmann das Haus, um noch in ein nahes Wirtshaus ein zu kehren. Gegen 23:00 Uhr kam er in die Schloßstraße 12 zurück; nichts deutete darauf hin, dass etwas seltsames vorgefallen sei. Um 7:00 Uhr am Morgen des 4. Oktober 1874 wacht er auf, überrascht, dass Christiane Anders ihm nicht wie üblich, seinen Morgenkaffee und Brötchen in die Stube gebracht hatte. Um 8:00 Uhr ging er hinunter ins Erdgeschoss; die Eingangstür stand offen. Der Schlüssel steckte im Schloss auf der Innenseite der Tür. Platzmann ging daraufhin in den angrenzenden Laden. Hier bot sich ihm ein Bild der Verwüstung.
Sämtliche Tischläden, Schränke, Beutel und Taschen waren aufgerissen worden, die Stube nach Wertgegenständen und Bargeld durchsucht worden. Die kurz danach benachrichtigte Polizei konnte zudem feststellen, dass auch die Wohnung von Christiane Anders durchsucht und verwüstet worden war. Lediglich eine unverschlossene Truhe, in welcher Anders Aktien und Wertpapiere gelagert hatte, blieb unberührt. Wie viel Geld gestohlen wurde, konnte man nachträglich nicht mehr herausfinden, da mit Ausnahme der zurückgezogen lebenden Witwe niemand über ihre Vermögenswerte Bescheid wusste.
Im Laden lag Christiane Anders tot in einer großen Blutlache. Ihr Mörder musste mit aller größter Brutalität vorgegangen sein. In Kopf und Oberkörper war mindestens 14 mal mit einem Messer eingestochen worden. Das Tatwerkzeug, ein Messer, war bis zu 16 Zentimeter in den Oberkörper eingedrungen und steckte beim Auffinden der Leiche noch im Körper. Wie im Fall des Jägers Johann Hellinger war der Kopf der Witwe vom Hals abgetrennt worden. Auch Christiane Anders war der Hinterkopf zertrümmert worden.
Obwohl von Seiten der Staatsanwaltschaft und Anders’ Stiefsohn je 100 Taler Belohnung ausgelobt wurden, um den Mörder rasch zu finden, blieb die Suche nach ihm zunächst erfolglos.
Drittes Opfer Die dritte und letzte Tat ereignete sich in Zeulenroda-Triebes, einem kleinen Ort im Osten Thüringens. Hier lebte der 66-jährige Christian Heinrich Dietzel und verdiente sich seinen Lebensunterhalt als Weber. Auch hatte er noch genug Zeit, um eine kleine Gastwirtschaft im selben Haus zu betreiben. Am 18. Oktober 1874 wollte Dietzel gegen 23:00 Uhr gerade schließen, als ein Mann die Gastwirtschaft betrat und einen Likör bestellte. Als er kurz danach noch einen marinierten Hering zu essen wünschte, ging Frau Dietzel müde ins Schlafzimmer und zu Bett. Sie schlief kurz darauf ein, doch wurde sie im Verlauf der Nacht wieder wach, als sie seltsame Geräusche aus der Gastwirtschaft vernahm. Sie ging die Treppe hinunter und sah, dass die Haustür offen stand. Sie rief nach ihrem Mann, der jedoch nicht antwortete. Schlörr kam daraufhin aus der Gaststube in den Hausflur, zeigte auf die offene Haustür und meinte, Herr Dietzel sei gerade nach draußen gegangen. Da Frau Dietzel nur mit Nachthemd bekleidet war und barfuß war, ging sie wieder zurück ins Schlafzimmer. Gegen 1:00 Uhr, als ihr Mann immer noch nicht bei ihr im Bett lag, ging sie erneut die Treppe hinunter und traf wiederum auf den fremden jungen Mann. Schlörr rief daraufhin in Richtung von Frau Dietzel: "Bringen Sie mir noch einen Schnaps herein!" Frau Dietzel rief noch einmal nach ihrem Mann, der jedoch nicht antwortete. Frau Dietzel ging daraufhin zurück ins Schlafzimmer und schlug die Tür laut hinter sich zu. Als sie kurze Zeit später vernahm, wie jemand die Haustür ebenfalls geräuschvoll schloss, ging sie erneut hinunter ins Erdgeschoss. Hier fand sie ihren Mann tot in einer riesigen Blutlache auf dem Boden der Weberei, in die Schlörr ihn gezerrt hatte. Er war durch mehrere Beilhiebe getötet worden, zudem hatte man ihn den Kopf wie im Fall der Witwe Christiane Anders vom Hals getrennt.
Obwohl Frau Dietzel den fremden Gast genau beschreiben konnte und eine Fahndung nach ihm in die Wege geleitet wurde, blieb dieser zunächst spurlos verschwunden. Frau Dietzel hatte zudem großes Glück. Schlörr gab nach seiner Festnahme zu Protokoll, er hätte auch sie getötet, wenn sie in die Gaststube gekommen wäre.
Festnahme Franz Bernhard Schlörrs Freiheit endete am 21. Dezember 1874. Er war nach Gräfenbrück, einem heutigen Stadtteil von Weida gekommen und kehrte in ein kleines Gasthaus eint. Hier hielt er sich mehrere Stunden auf, gab vor, eine Zeitung zu lesen und studierte die anwesenden Gäste sorgfältig. Dabei beobachtete er eine alte Händlerin, die an einem Tisch ihre Tageseinnahmen zählte. Dann beging er einen folgenschweren Fehler. Als die Händlerin das Gasthaus verließ, stand auch Schlörr von seinem Tisch auf und verließ ebenfalls die Gaststube, ohne Speis und Trank, welche er konsumiert hatte, auch zu bezahlen. Der Gastwirt Patzer reagierte geistesgegenwärtig und nahm die Verfolgung des mutmaßlichen Zechprellers auf. Mitten auf der Straße stellte er Schlörr zur Rede. In weiterer Folge kam auch der Bürgermeister des Ortes angerannt, der ebenfalls Gast in der Wirtsstube gewesen war. Schlörr entschuldigte sich bei den beiden und bot den beiden seine Weste als Pfand an. Er wolle noch am selben Tag das Geld für die Zeche vorbeibringen. Plötzlich bemerkte der Bürgermeister einen verdächtigen Gegenstand unter Schlörrs Jacke. Er zog diesen heraus, es war ein Handbeil. "Du bist gar ein Mörder!" entkam es dem Bürgermeister. Schlörr gab an, das Beil unterwegs gefunden zu haben. Er wollte so schnell wie möglich der für ihn unangenehmen Situation entkommen, doch vorbeikommende Passanten konnten verhindern, dass sich Schlörr aus der Affäre zog. Er wurde festgenommen.
Prozess und Hinrichtung Franz Bernhard Schlörr wurde am 29. Dezember 1874 in das Gefängnis des Kreisgerichts nach Gera gebracht. In den folgenden vier Monaten wurde belastendes Beweismaterial gegen ihn gesammelt. So soll er bereits in anderen Gaststätten die Zeche geprellt haben und, in dem er die Gäste genau beobachtet hatte, nach Gelegenheiten Ausschau gehalten haben, einen Menschen zu töten. Auch konnten Menschen ausfindig gemacht werden, denen Schlörr Diebesgut aus dem Besitz der Witwe Christiane Anders verkauft hatte. Obwohl er durch falsche Bärte oder verschiedene deutschsprachige Dialekte seine Identität zu tarnen versucht hatte, gelang ihm dies nicht.