Espelkamp (niederdeutsch: Espelkämpe) ist eine ostwestfälische Stadt im nordöstlichen Nordrhein-Westfalen. Sie gehört zum Kreis Minden-Lübbecke im Regierungsbezirk Detmold (Ostwestfalen-Lippe) und hat Einwohner.
Espelkamp wurde 1229 erstmals urkundlich erwähnt und wuchs in der Nachkriegszeit auf den Resten einer ehemaligen Heeresmunitionsanstalt zunächst als Lager für Kriegsflüchtlinge, später als moderne Plansiedlung für Vertriebene zur Stadt heran.
Geographie Geographische Lage Espelkamp liegt im Nordosten Nordrhein-Westfalens, im Norden Ostwestfalen-Lippes und im Nordwesten des Kreises Minden-Lübbecke. Kulturräumlich liegt Espelkamp im Mindener Land bzw. Lübbecker Land. Die nächstgelegenen Großstädte sind Osnabrück (40 km südwestlich) und Bielefeld (40 km südlich) sowie die Kreisstadt Minden (20 km östlich).
Das Stadtgebiet liegt rund 15 km nördlich des Wiehengebirges und vollständig in der Norddeutschen Tiefebene. Das Gebiet ist daher weitgehend eben; markante Berge gibt es nicht. Der nur knapp seine Umgebung überragende Hügel in Fabbenstedt ist mit knapp 70 Metern der höchste Punkt der Stadt. Ansonsten liegt das Stadtgebiet durchschnittlich auf einer Höhe von rund 45 Metern, einzelne Gebiete im Nordwesten der Stadt an der Großen Aue auch nur noch knapp über 40 Meter. Espelkamp liegt weiterhin im Altmoränengebiet Rahden-Diepenauer Geest – einer naturräumlichen Untereinheit der Dümmer-Geestniederung.
Das Stadtgebiet wird im Süden durch den Mittellandkanal begrenzt, der seit 1915 durch das Urstromtal der Weser nördlich der Bastau verläuft. In dieser Niederung finden sich Moore wie das zu Lübbecke gehörende Hochmoor Großes Torfmoor. Hervorzuheben ist im Espelkamper Stadtgebiet das Niedermoor Altes Moor sowie das Freimoor im Südosten des Stadtgebietes. Im nördlichen Stadtgebiet sowie in den Moorniederungen im Osten wird das Gebiet durch zahlreiche Entwässerungskanäle entwässert. Zu den größten „klassischen“ Flüssen im Stadtgebiet zählen die Große Aue, die das Stadtgebiet im Westen von Süd nach Nord durchfließt, sowie deren Nebenfluss Kleine Aue, die bei Espelkamp-Isenstedt entspringt und das Stadtgebiet Richtung Norden durchfließt. Bei Frotheim entspringt außerdem mit der Wiekriede ein weiterer größerer Nebenfluss der Großen Aue, die das Stadtgebiet nach Nordosten Richtung Diepenau verlässt. Das Stadtgebiet gehört damit vollständig zum Einzugsgebiet der Weser. An der Großen Aue westlich des Espelkamper Zentrums liegen zwei aufgestaute Seen: der Große Auesee und der Badesee See am Kleihügel. Im Stadtzentrum liegt der Gabelweiher.
Geologie mini|Geothermische Karte von Espelkamp
Das Gebiet ist geologisch relativ einheitlich aufgebaut. Die meisten Teile bestehen aus Gesteinen aus dem Quartär. Einzelne Hügel sind aus Schichten der obersten Kreide aufgebaut. Die Böden bestehen ganz überwiegend aus Geestböden. Diese sind sandig und nur wenig fruchtbar. In den Moorniederungen ist das Gebiet landwirtschaftlich höchstens extensiv nutzbar.
Espelkamp eignet sich mittelmäßig bis gut, in Einzellagen sehr gut zur Nutzung von geothermischen Wärmequellen mittels Erdwärmesonde und Wärmegewinnung durch Wärmepumpenheizungen (vgl. dazu die nebenstehende Karte). (PDF; 369 kB)
Nachbargemeinden Espelkamp grenzt an folgende Nachbargemeinden
im Norden und Nordosten an Rahden und Uchte im Osten an Hille im Süden an Lübbecke im Westen und Südwesten an Stemwede und Preußisch Oldendorf
Faktisch grenzt Espelkamp beinahe nur an kreisangehörige Kommunen. Die Grenze zur Gemeinde Uchte und damit zu Niedersachsen ist nur 750 m lang. Ausgemessen über Online-Portal Tim-Online NRW
Ausdehnung und Nutzung des Stadtgebiets Die Gemeinde umfasst eine Fläche von 84,1 km². In Nord-Süd-Richtung erstreckt sich das Stadtgebiet rund 10 km. Die West-Ost-Ausdehnung beträgt maximal etwa 13 km.
Wie das gesamte Mindener Land ist auch Espelkamp agrarisch geprägt. Größere Waldgebiete gibt es unmittelbar westlich (Kleihügel) und östlich (Osterwald) der Kernstadt. Der bewaldete Anteil ist zwar im Verhältnis zum Landesdurchschnitt unterrepräsentiert, liegt aber deutlich über dem Kreisdurchschnitt. Dieses, und der Umstand, dass die Kernstadt in einem ehemaligen Waldgebiet gebaut wurde und im innerstädtischen Bereich noch heute größere Baumbestände des ursprünglichen Kiefernwaldbestandes vorhanden sind und die Kernstadt von Wäldern umgeben zu sein scheint, verliehen Espelkamp den Ruf einer „Stadt im Wald“. Auch daher trug früher das Zentrum Espelkamps offiziell die Bezeichnung Espelkamp-Mittwald. Inoffiziell ist diese Bezeichnung auch heute noch gebräuchlich. Im Einzelnen ergibt sich folgende Flächennutzung:
Flächenach Nutzungsart Landwirt-schaftsfläche Wald-fläche Siedlungs-und Verkehrsfläche Wasser-fläche sonstigeNutzung Fläche in ha 5318 1225 1643 384 24 Anteil an Gesamtfläche 63,2 % 14,6 % 19,5 % 2,3 % 0,2 %
Quelle: LDSLandesamt für Datenverarbeitung und Statistik NRW: Kommunalprofil Espelkamp (PDF; 0,2 MB)
Stadtgliederung Seit der Gebietsreform 1973 gliedert sich das Gebiet der Stadt Espelkamp nach § 4 ihrer Hauptsatzung in folgende Ortschaften.
Ortschaft Einwohner30. Juni 2014, inklusive Nebenwohnsitze Stadtgliederung 400px|zentriert|Stadtgliederung Altgemeinde Espelkamp 940 Fabbenstedt 847 Fiestel 1.039 Frotheim 2.664 Gestringen 1.722 Isenstedt 2.624 Schmalge 395 Vehlage 570 Espelkamp Zentrum¹ 15.304
¹Espelkamp Zentrum bildet nach dem Wortlaut der Hauptsatzung einen eigenen Bereich, ist jedoch offiziell keine Ortschaft.
Im Sprachgebrauch werden diese Ortschaften und das Zentrum als Stadtteile bezeichnet, wobei meist kein Unterschied zwischen dem Zentrum und der Altgemeinde gemacht wird. Diesen Ortschaften sowie dem Zentrum kann durch den Rat der Stadt jeweils ein Ortsvorsteher zugeordnet werden.
Klima mini|Klimadiagramm von Rahden
Das Klima in Espelkamp wird durch die Lage im ozeanisch-kontinentalen Übergangsbereich Mitteleuropas und durch seine Lage in der Norddeutschen Tiefebene bestimmt. Das Gebiet liegt überwiegend im Bereich des subatlantischen Seeklimas, weist aber temporäre kontinentale Einflüsse auf. Die Winter sind unter atlantischem Einfluss meist mild, die Sommer mäßig-warm, die Niederschläge relativ gleichmäßig verteilt. Es überwiegen westliche und südwestliche Winde, die Niederschläge mit sich führen. Das Klima für Espelkamp unterscheidet sich insgesamt kaum vom Klima des benachbarten Rahdens, das in identischer naturräumlicher Lage liegt. Die mittlere Jahrestemperatur liegt bei rund 9,3 °C. Die Jahresniederschläge betragen im Mittel etwa 650 mm im Osten der Gemeinde und etwa 700 mm im Westen und Norden der Gemeinde. Damit gehört Espelkamp zu den trockensten und wärmsten Gebieten Ostwestfalens.Klima und Wetter: Espelkamp, abgerufen am 28. Februar 2024
Geschichte mini|links|Die Karte zeigt die Situation im Jahre 1896: Die Bereiche der heutigen Stadt Espelkamp und das heute landwirtschaftlich genutzte Umland waren damals zum Großteil von Wäldern geprägt. Zur besseren Orientierung sind die Grenzen der zentralstädtischen Bebauung Espelkamps (und Lübbeckes) sowie der heutige Mittellandkanal nachgetragen
„Aspelekampe“ wird 1229 erstmals urkundlich vom Bischof von Minden erwähnt. Der Name leitet sich möglicherweise von der adligen Familie Aspelkamp ab, die in der Gegend ansässig war. Espelkamp blieb über Jahrhunderte ein Flecken im Einflussbereich von Großendorf (heute Rahden). Zunächst lag das Gebiet im Einflussbereich der Mindener Bischöfe und war Teil des Hochstifts Minden. Mit diesem fiel es 1648 an Brandenburg-Preußen und wurde Teil des Fürstentums Minden (Amt Rahden). Nach einer Königlich Preußischen Verordnung wurde 1701 „auf dem Espelkamp“ eine Nebenschule eingerichtet. Von 1806 bis 1813 lag Espelkamp im französischen Herrschaftsbereich. Von 1807 bis 1810 gehörte es zum Kanton Rahden im Distrikt Minden des Departement der Weser, das zum französischen Vasallenstaat Königreich Westphalen gehörte. Von 1811 bis 1813 war Espelkamp Bestandteil des Kaiserreichs Frankreich, in dem es zur Mairie Rahden im Arrondissement Minden des Departements der Oberen Ems gehörte.
Nach 1813 erlangte Preußen die Herrschaft über das Gebiet zurück; Espelkamp wurde 1815 Teil der Provinz Westfalen und kam 1816 zum neuen Kreis Rahden, aus dem 1832 der Kreis Lübbecke wurde. Im Kreis Lübbecke gehörte Espelkamp zur Landgemeinde Großendorf im Amt Rahden, zu der auch der Flecken Rahden gehörte.
1832 wurde die Nebenschule in Espelkamp zu einer selbständigen Schule erhoben. 1899 erhielt der Ort einen Bahnhof an der Ravensberger Bahn. Am 1. April 1910 wurde Großendorf in die beiden Gemeinden Espelkamp und Rahden aufgeteilt. Die junge Gemeinde Espelkamp hatte kaum ertragreiche und feuchte Böden, so dass auch um 1930 viele Menschen gezwungen waren, in Holland Arbeit zu suchen (Hollandgänger).
Die Heeres-Munitionsanstalt Lübbecke 1938/39 erfolgte der entscheidende Schritt auf dem Weg zur heutigen Stadt. In der Gemarkung Mittwald, treffenderweise und strategisch günstig versteckt in einem Waldgebiet gelegen, begann das deutsche Heer mit dem Bau einer Munitionsanstalt (Muna). Die offizielle Bezeichnung lautete Heeres-Munitionsanstalt Lübbecke. Auf rund 250 Hektar Waldfläche entstanden 133 massive einstöckige Gebäude, ein rund 20 Kilometer langes Straßennetz, Wasserwerk, Ringleitung, Kläranlage, Hochspannungsanschluss, Trafostation und ein Anschlussgleis an die Eisenbahnstrecke Herford–Bassum–Bremen.
In der Muna wurden Granaten fertiggestellt. Die Munitionsteile wie Zünder und Geschossrohlinge wurden durch die Rüstungsindustrie angeliefert und hier verschussfertig zusammengesetzt und verpackt. Munitionsteile und fertige Munition wurden vor Ort gelagert. Bis Kriegsende wurde an einer nicht fertiggestellten Füllanlage gebaut, mit der Giftgasgranaten mit dem Nervengas Tabun gefüllt werden sollten. Am 4. April 1945 wurde das Gebiet durch alliierte Truppen eingenommen und die Munitionsanstalt fiel weitgehend unzerstört in deren Hände, denn der Kommandant Major Küppers weigerte sich am 28. März, die Anstalt wie befohlen sprengen zu lassen. Die Folgen für Espelkamp wären unabsehbar gewesen.
mini|Siedlungshäuser in Espelkamp
Bereits im Juni 1945 wurden Flüchtlinge und Vertriebene notdürftig in den Baracken in der Kolonie, das heißt der Wohnanlage der ehemaligen Munitionsanstalt, untergebracht. Nach den Bestimmungen des Potsdamer Abkommens sollte die Munitionsanstalt gesprengt werden. Britische Spreng- und Räumkommandos sollten die Sprengungen in Espelkamp durchführen. Der britische Colonel Steege, damals Kommandant im Kreis Lübbecke, gab im Mai 1946 Pfarrer Diehl, dem Verbindungsmann des Evangelischen Hilfswerks Westfalen zur Britischen Militärregierung, den Hinweis, die Gebäude der „Muna“ für Aufgaben des Hilfswerkes zu nutzen.Gerald Schwalbach: Das Evangelische Hilfswerk Westfalen (1945–1950). Die Stunde der Kirchen und der Hilfswerkimpuls der Nachkriegszeit. In: Udo Krolzik (Hrsg.): Zukunft der Diakonie. Zwischen Kontinuität und Neubeginn. Luther-Verlag, Bielefeld 1998, ISBN 3-7858-0402-4, S. 181 ff. Am 20. Juli wurde das ehemalige Arbeitsdienstlager „Hedrichsdorf“ von der Paderborner Gruppe des Britischen Roten Kreuzes geräumt und dort mit Hilfe des Evangelischen Hilfswerks Westfalen ein Kindererholungsheim eingerichtet, in dem beispielsweise Kinder aus dem ausgebombten Ruhrgebiet untergebracht wurden. Bis zum 4. November 1946 wurde die Muna von Munition und Giftgasgranaten beräumt; die Aufgabe der britischen Räumkommandos war damit im Lager beendet.
Umnutzung in eine Flüchtlingsstadt mini|Südtor Espelkamp-Mittwald im Oktober 1958 mini|Festumzug 10 Jahre Espelkamp-Mittwald am 3. Oktober 1959, Fahnenträger der Landsmannschaften