Die Stadtwerke Esslingen am Neckar GmbH & Co. KG (SWE) sind ein mehrheitlich kommunales Versorgungsunternehmen mit Sitz in Esslingen am Neckar. Das Unternehmen versorgt rund 200.000 Menschen in Aichwald, Altbach, Denkendorf, Esslingen am Neckar, Köngen, Ostfildern, Wendlingen am Neckar und Wernau mit Trinkwasser, Erdgas, Wärme sowie Ökostrom und betreibt mehrere Bäder in Esslingen. Zudem bietet es Dienstleistungen wie Contracting und Energieberatung an. Die SWE betreiben außerdem die lokalen Netze für Erdgas, Wasser und Wärme und sind Grund- und Ersatzversorger für Erdgas in mehreren Gemeinden des Großraums Esslingen. Die SWE zählen zu den zehn größten Arbeitgebern der Stadt Esslingen. mini|Stadtwerke Esslingen Unternehmensgebäude

Geschichte Die SWE entstanden 1855 als Gasbeleuchtungsanstalt am Esslinger Bahnhofsvorplatz. Gas wurde damals durch Vergasung von Kohle unter Luftabschluss erzeugt. In den folgenden Jahrzehnten erweiterte sich das Aufgabenfeld des Unternehmens: 1873 folgte ein neues Gaswerk am Schelzwasen, 1875/76 der Bau des Grundwasserwerks Obertorwasen und eines Wasserspeichers auf der Esslinger Burg. Das Thema Trinkwasserversorgung wurde damit immer präsenter. 1916 trat die Stadt Esslingen der Landeswasserversorgung bei, 1917 wurde der Anschluss zum Landeswasserbehälter Rotenberg fertiggestellt. 1928 übernahm die Stadt Esslingen sämtliche Anteile der bisherigen Gasfabrik. 1940 entstand der städtische Eigenbetrieb „Stadtwerke Esslingen“.

Mit der Einstellung der Stadtgasproduktion 1983 und dem Übergang zur Ferngasversorgung wandelten sich die SWE zu einem modernen Energieversorger. 1988/89 entstanden zwei Erdgasheizwerke, die den Ausbau der Nah- und Fernwärme ermöglichten.

Weitere Meilensteine:

2004: Inbetriebnahme des Holzheizkraftwerks Scharnhauser Park. Es versorgt das Wohngebiet mit Nahwärme. 2007: Ausbau der erneuerbaren Energien: Biomasse-Heizwerk in Esslingen-Zollberg, Bau von Photovoltaikanlagen 2008: Einsatz von Geothermie im Wohngebiet „Grüne Höfe“ in Esslingen 2016: Abbau der markanten Gaskugel auf dem SWE-Gelände 2018: Neues Blockheizkraftwerk auf der Flandernhöhe 2019: Beteiligungen an Wind- und Solarparks (Aalen-Waldhausen, Speichersdorf) 2021: Förderzusage für das Projekt „H2-Quartier Neue Weststadt“ 2023: Bezug der neuen Unternehmenszentrale in den Neckarwiesen

Unternehmensstruktur Die SWE sind als GmbH & Co. KG organisiert. Persönlich haftende Gesellschafterin ist die Stadtwerke Esslingen-Verwaltungsgesellschaft mbH. Geschäftsführer ist Jörg Zou; Aufsichtsratsvorsitzender ist Matthias Klopfer, seit 2021 Oberbürgermeister von Esslingen. Gesellschafter sind die Stadt Esslingen mit 50,02 Prozent und die Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) mit 49,98 Prozent.

Unternehmensbereiche

Wärme Die SWE betreiben in der Stadt Esslingen mehrere leitungsgebundene Wärmenetze und bauen diese im Rahmen der kommunalen Wärmewende schrittweise aus. Die Versorgung umfasst sowohl Fernwärme als auch lokal erzeugte Nahwärme in einzelnen Quartieren. Die Planungen sind Teil der kommunalen Wärmeplanung, mit der die Stadt Esslingen eine klimaneutrale Wärmeversorgung bis 2040 anstrebt.

Die SWE bieten im Rahmen des Programms CleverWärme den Anschluss an Fernwärme- und Nahwärmenetze an. Die Angebote umfassen die technischen Komponenten des Netzanschlusses und die Wärmeübergabestation.

Auch für andere Kommunen sind die SWE bei der Wärmeplanung aktiv. 2024 hat die Stadt Wendlingen am Neckar gemeinsam mit den SWE und der Tilia Q GmbH aus Leipzig die Wärmeversorgung Wendlingen am Neckar GmbH gegründet, um eine nachhaltige und klimafreundliche Wärmeversorgung für die Gemeinde aufzubauen. Ziel ist ein modernes Wärmenetz, das auf erneuerbare Energiequellen setzt und langfristige Versorgungssicherheit bietet.

Fernwärme Die Fernwärmeversorgung der SWE ist in den regionalen Fernwärmeverbund Mittlerer Neckar eingebunden. Die Wärme stammt überwiegend aus der Abwärme der Stromproduktion in den Kraftwerken Altbach/Deizisau, Stuttgart-Gaisburg und Stuttgart-Münster. Stuttgart-Gaisburg wurde im Zuge der Modernisierung bereits von Kohle auf Gas umgestellt. In Stuttgart-Münster wird seit vielen Jahren Abfall energetisch genutzt; seit 2024 sorgt zusätzlich eine Großwärmepumpe für die Dekarbonisierung der Fernwärmeversorgung. Das Kraftwerk Altbach/Deizisau soll bis 2026 eine Gas- und Dampfturbinenanlage erhalten, die perspektivisch auch Wasserstoff oder andere klimaneutrale Gase nutzen kann.

Die Stadt Esslingen zählt zu den Kommunen, die ihre kommunale Wärmeplanung bereits abgeschlossen haben. Der Wärmeplan identifiziert Gebiete mit hohem Wärmebedarf und stuft die Esslinger Altstadt, innenstadtnahe Quartiere und mehrgeschossige Wohngebiete als vorrangige Wärmeversorgungsräume ein, in denen der Ausbau leitungsgebundener Wärme wirtschaftlich und energetisch bevorzugt ist.

Im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung plant die Stadt Esslingen den Aufbau eines neuen Wärmenetzes in der historischen Altstadt. Die Maßnahme ist Teil der städtischen Strategie, bis 2040 Klimaneutralität zu erreichen. Seit 2025 bereiten die SWE den Ausbau zwischen dem Esslinger Marktplatz und der Maille-Kreuzung vor. Der Ausbau erfolgt abschnittsweise, da Bauarbeiten in den engen und historischen Straßen der Altstadt besondere logistische Anforderungen stellen. Ziel ist es, Gebäude im Altstadtbereich an das Fernwärmenetz anzuschließen und damit perspektivisch Gas- und Ölheizungen abzulösen. 2024 wurden 3.700 Meter neue Leitungen verlegt, insbesondere in der Esslinger Innenstadt, Richtung Oberesslingen sowie in den Stadtteilen Weil und Hohenkreuz/St. Bernhardt.

Nahwärme mini|Stadtwerke Esslingen Wärmeversorgung Scharnhauser Park Holzheizkraftwerk Neben dem Fernwärmenetz betreiben die SWE mehrere lokale Nahwärmenetze. Das bedeutendste befindet sich im Scharnhauser Park, einem Quartier in der Stadt Ostfildern, das seit den frühen 2000er-Jahren über ein Biomasse-Heizkraftwerk versorgt wird. Die Anlage erzeugt Wärme aus Holzhackschnitzeln und speist sie in ein lokales Nahwärmenetz ein. Das Holzheizkraftwerk deckt rund 70 Prozent des Wärmebedarfs im Wohngebiet „Holzwiesen“ und versorgt damit rund 8.000 Einwohnerinnen und Einwohner mit Wärme. Neben der Wärmeerzeugung wird in der Anlage auch Strom produziert. In einem Kooperationsprojekt mit der Universität Stuttgart wurde im Biomasse-Heizkraftwerk ein System zur verbesserten Rauchgasreinigung entwickelt, um Emissionen weiter zu reduzieren. Die jährlich anfallenden 800 bis 900 Tonnen Rostasche werden nach Aufbereitung als Dünger eingesetzt, was Stoffkreisläufe schließt. Weitere Biomasseanlagen betreiben die SWE unter anderem am Zollberg, in Altbach, im Quartier Neue Wiese (Holzpellets) und in Unterensingen.

Erdgas Die SWE versorgen mehrere Gemeinden mit Erdgas. Die Versorgung basiert seit 1983 vollständig auf Ferngas. In Esslingen am Neckar betreiben sie zudem eine Erdgastankstelle, an der ausschließlich Bioerdgas aus aufbereitetem Biogas abgegeben wird. Die Anlage in der Fleischmannstraße 50 ist durchgehend geöffnet.

Zwischen den 1950er- und 1960er-Jahren entstanden auf dem SWE-Gelände mehrere kugelförmige Gasspeicher, darunter eine große Gaskugel aus dem Jahr 1961. Diese diente zur Zwischenlagerung von Stadtgas und später Propan-/Butan-Gemischen. Insgesamt verfügten die drei Kugelspeicher über ein Fassungsvermögen von mehr als 40.000 Kubikmetern. Die Gaskugel prägte 55 Jahre lang die Silhouette des Stadtgebiets. Seit 2008 wurden die Tanks jedoch nicht mehr genutzt, da unterirdische Großspeicher die Funktion übernommen hatten. 2016 wurden die drei Kugelspeicher demontiert, nachdem eine technische Überprüfung angestanden hätte und der Betrieb wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll war.

Wasserstoff Im Esslinger Quartier Neue Weststadt entsteht im Rahmen eines bundesgeförderten Verbundprojekts ein klimaneutrales Stadtquartier mit einem integrierten Wasserstoffsystem. Herzstück ist eine Energiezentrale, die erneuerbaren Strom aus Photovoltaikanlagen im Quartier sowie aus externen erneuerbaren Quellen mittels Elektrolyse in grünen Wasserstoff umwandelt. Die dabei entstehende Abwärme wird über ein Nahwärmenetz für die Wärmeversorgung der Gebäude genutzt.

Der Elektrolyseur im Quartier produziert rund 400 Kilogramm grünen Wasserstoff pro Tag. Der Wasserstoff kann entweder in das Gasnetz eingespeist oder zur Rückverstromung genutzt werden. Die Anlage wird mit erneuerbarem Strom aus lokalen Photovoltaikanlagen sowie einer Windenergieanlage auf der Schwäbischen Alb versorgt. Das Energiekonzept wurde von der Green Hydrogen Esslingen GmbH, einer gemeinsamen Gesellschaft von den Stadtwerken Esslingen, dem Neckar-Energieverband und dem Energieversorger Polarstern, entwickelt und wird von dieser betrieben.

Der Standort Neue Weststadt ist in ein überregionales Wasserstoffvorhaben eingebettet. Im Projekt H2 GeNeSiS wird das Neckartal als Modellregion für grünen Wasserstoff entwickelt. Zentrales Element ist der Bau eines ersten Abschnitts einer Wasserstoffpipeline zwischen dem Hafen Stuttgart und Esslingen, über die grüner Wasserstoff aus regionaler Erzeugung transportiert werden soll. mini|Stadtwerke Esslingen Ladestation

Strom Die SWE vertreiben Ökostrom, der vollständig aus süddeutscher Wasserkraft stammt. Der Stromvertrieb erfolgt über die Tochtergesellschaft grünES GmbH, die 2012 gegründet wurde. Die SWE investieren pro verkaufter Kilowattstunde Ökostrom 0,5 Cent in regionale ökologische Projekte. Der Städtische Verkehrsbetrieb Esslingen am Neckar nutzt Ökostrom der grünES GmbH für den Betrieb seiner Oberleitungsbusse, die ab 2026 vollständig elektrisch und klimaneutral fahren. Ab 2026 versorgt die grünES GmbH zudem städtische Gebäude und Straßenbeleuchtung der Stadt mit Ökostrom.

2022 haben die SWE die SolarES GmbH gegründet, um ihre Photovoltaik-Aktivitäten zu bündeln. SolarES bietet Planung, Installation und Betrieb von PV-Anlagen sowie Stromspeichersystemen an. Das Angebot richtet sich an private Haushalte, Kommunen, Gewerbe und die Wohnungswirtschaft. Für Unternehmen stehen mehrere Geschäftsmodelle zur Verfügung, darunter Dachvermietung, Pacht, Kauf und Mieterstrom.

Die SWE planen, errichten und betreiben Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge. Das Angebot umfasst Wallboxen und Ladestationen für Tiefgaragen, Mehrfamilienhäuser, Gewerbebetriebe, Kommunen und öffentliche Parkflächen. Bei Bedarf übernehmen die SWE auch die Abrechnung der Ladevorgänge sowie den technischen Betrieb. Die SWE betreiben darüber hinaus öffentliche Ladesäulen im Stadtgebiet.

Contracting Die SWE bieten verschiedene Contracting-Modelle an: Wärme-Contracting für Wärmeerzeugungsanlagen und Wärmelieferung, Energieliefer-Contracting für Kälte-, Strom-, Druckluft- oder Dampflieferungen, Energieeinspar-Contracting sowie Betriebsführungs-Contracting. Als Contractor übernehmen die SWE Planung, Installation und Betrieb der benötigten Anlagen und kümmern sich zusätzlich um Wartung, Instandhaltung, Fördermittelmanagement und die kaufmännische Abwicklung. mini|Historischer Hochbehälter Esslinger Burg

Trinkwasser Esslingen am Neckar erhielt im späten 19. Jahrhundert eine moderne öffentliche Wasserversorgung. Die Stadtwerke übernahmen 1877 den Betrieb des ersten Grundwasserwerks am Obertorwasen und bauten im Zuge dessen einen Hochbehälter auf der Esslinger Burg, der als Speicheranlage diente.

Heute beliefern die SWE rund 15.000 Hausanschlüsse im Stadtgebiet sowie Teile der Nachbarkommunen Denkendorf und Ostfildern. Jährlich werden mehr als sechs Millionen Kubikmeter Trinkwasser in das Netz eingespeist. 2026 feiern die SWE 150 Jahre Trinkwasserversorgung in Esslingen. mini|Moderner Hochbehälter Esslinger Burg