Jemand bringt diese Rosen in Unordnung (Originaltitel: Alguien desordena estas rosas) ist eine erstmals 1952 in El EspectadorGabriel García Márquez: Augen eines blauen Hundes. Frühe Erzählungen. (= KiWi, Band 26.) Kiepenheuer und Witsch, Köln 1982. ISBN 3-462-01554-0. S. 159. veröffentlichte Kurzgeschichte des kolumbianischen Literatur-Nobelpreisträgers Gabriel García Márquez und eine Episode in seinem Erzählband Ojos de perro azul. Kurzbeschreibung Der verstorbene Ich-Erzähler versucht jeden Sonntag, Rosen auf sein Grab auf dem Hügel zu legen, die von einer Frau gezüchtet werden, welche als Fünfjährige seinen Tod miterlebt hat und danach das Haus verließ. Jahre später kehrte sie zurück, blieb aber nicht nur zu Besuch: Sie richtete einen Altar ein und begann, Rosen zu züchten, von deren Verkauf sie lebt, während die übrigen Blumen den Altar schmücken. Der Erzähler wünscht sich, die Altar-Rosen auf seinem Grab zu sehen, versucht sie heimlich zu holen, doch die Frau bewacht die Blumen ängstlich, sodass seine Versuche scheitern. Inhalt Der Ich-Erzähler versucht jeden Sonntag, „Rosen auf mein Grab zu legen“, das Grab, „in dessen Tiefe mein Kinderleib ruht“. Mit dem Verstorbenen zusammen bewohnt eine Frau die Zimmer. Sie war jenes Mädchen, „das mich an jenem stürmischen Augustabend begleitet hatte, um im Stall Nester auszunehmen“, jenem Augustabend vor 40 Jahren, „als man mich im Stroh des Stalls auf dem Rücken liegend fand, den Querbalken der entzweigebrochenen Treppe fest umklammert“, tot. Zum Todeszeitpunkt „vor vierzig Jahren“ war die Frau „fünf Jahre“ alt. „Er war wie ein Bruder von dir“, hat man damals zu dem Mädchen gesagt. Das Mädchen verließ damals das Haus des „kleinen Jungen [...], der mit ihr die Nachmittage der Kindheit geteilt hat“. Andere Bewohner des Hauses waren es, die „die Möbel fortschafften. Alle Möbel mit Ausnahme des Eckstuhls, der mir während dieser ganzen Zeit als Aufenthaltsort gedient hat.“ Die Frau „kehrte viele Jahre später zurück“, genauer: zwanzig Jahre. „Sie war noch ein junges Mädchen. Sie hatte noch nicht begonnen, dick zu werden, noch waren ihre Fußknöchel unter den Strümpfen wie heute geschwollen.“ Der Ich-Erzähler glaubt zunächst, „sie käme nur, um das Zimmer zu sehen, doch sie blieb im Hause wohnen“, baut einen „kleinen Altar wieder auf; genau wie früher“. Die Frau beginnt im Garten Rosen zu züchten: Mit dem Verkauf der einen Rosen-Hälfte bestreitet sie den Lebensunterhalt, mit der anderen schmückt sie den Altar. Der verstorbene Ich-Erzähler möchte die Rosen jedoch lieber auf seinem Grab auf dem Hügel sehen, wartet jeden Sonntag die Gelegenheit ab, „um die Rosen einzusammeln, denn sie [=die Frau] war immer noch wach und blickte auf den Stuhl und hätte neben ihrem Gesicht das Geräusch meiner Hände hören können.“ Teilweise „mit schreckhaftem Eifer“ bewacht die Altar-Schmückerin die Rosen, die es zwar nie zu entwenden gelingt, die aber bei dem bloßen Versuch durcheinandergebracht werden. „Wenn es mir gelingt, werde ich zum Hügel gehen, werde sie auf das Grabmal legen“, bekundet der Ich-Erzähler, malt sich aus, wie die Altar-Schmückerin stirbt: Er werde dann „das Haus verlassen müssen, um jemandem mitzuteilen, dass die Frau mit den Rosen, die allein in dem halbverfallenen Haus wohnt, vier Männer benötigt, die sie zum Hügel bringen. Dann werde ich endgültig allein im Zimmer bleiben. Doch dafür wird sie zufrieden sein. Denn an diesem Tag wird sie wissen, dass es nicht der unsichtbare Wind war, der jeden Sonntag zu ihrem Altar kam und die Rosen in Unordnung brachte.“ Textanalyse Bei Jemand bringt diese Rosen in Unordnung handelt es sich um eine in Ich-Form erzählte Kurzgeschichte. Ort und Zeit der Handlung bleiben offen. Themen der Geschichte sind Erinnerung und Verlust, Ritualisierung von Trauer, Einsamkeit. Von den Figuren ist nur bekannt, dass die rosenzüchtende Altar-Schmückerin 45 Jahre alt ist, „fett und gealtert“ und ihre „Fußknöchel unter den Strümpfen [...] geschwollen“. Bei dem Ich-Erzähler handelt es sich um den Geist eines Verstorbenen, der vor 40 Jahren tödlich verunglückte. Literatur Kristel Echevers Lazcano: El espacio y el tiempo como reveladores de la soledad íntima del ser en „Alguien desordena estas rosas“ de Gabriel García Márquez. (Tesis.) Universidad de Tarapacá, Arica 2019. (pdf) Deutschsprachige Textausgaben (Auswahl) Jemand bringt diese Rosen in Unordnung. In: Gabriel García Márquez: Die Erzählungen. Aus dem kolumbianischen Spanisch von Curt Meyer-Clason. Kiepenheuer und Witsch, Köln 1990. ISBN 3-462-02054-4. S. 87–91. Jemand bringt diese Rosen in Unordnung. In: Gabriel García Márquez: Augen eines blauen Hundes. Frühe Erzählungen. (= KiWi, Band 26.) Kiepenheuer und Witsch, Köln 1982. ISBN 3-462-01554-0. S. 129–136. Weblinks Volltext des Einzelwerks, originalsprachig Volltext des übergeordneten Werks Ojos de perro azul, deutschsprachig Einzelnachweise Gabriel García Márquez: Jemand bringt diese Rosen in Unordnung. In: Gabriel García Márquez: Augen eines blauen Hundes. Frühe Erzählungen. (= KiWi, Band 26.) Kiepenheuer und Witsch, Köln 1982. ISBN 3-462-01554-0. S. 129–136. Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Spanisch) Kategorie:Erzählung Kategorie:Werk von Gabriel García Márquez Kategorie:Kolumbianische Literatur
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