Rango Bohne (* 1932 in Köln; † 2021 in Bergisch Gladbach) war eine deutsche Künstlerin. Ihr Werk umfasst Collagen, Materialarbeiten, Aquarelle sowie grafische Arbeiten (Radierungen und Lithografien). Seit den 1950er Jahren stellte sie ihre Werke kontinuierlich in Einzel- und Gruppenausstellung aus. Gemeinsam mit ihrem Mann, dem Schriftsteller Jürgen Becker, veröffentlichte sie mehrere Bücher.

Leben Rango Bohne wurde 1932 in Köln geboren. Sie war die Tochter des ehemaligen Rektors der Universität Köln, Gotthold Bohne und der Rechtsanwältin Erna Schmidt-Bohne. Ihre Mutter zählte zu den frühen Juristinnen der Weimarer Republik und erlangte Bekanntheit durch öffentliche Auseinandersetzungen um Namensrecht und gesellschaftliche Fragen sowie durch Vorträge zu Rechtsfragen berufstätiger Frauen-darunter 1930 die Vortragsreihe „Praktische Rechtsfälle aus dem Leben der Berufsfrau.“Generalanzeiger für Bonn und Umgebung, 27. Woche 1930

Bohne besucht von 1938 bis 1941 die Volksschule in Odenthal und Bensberg und legte 1951 ihr Abitur am Gymnasium in Bergisch Gladbach ab.

Sie studierte von 1954 bis 1958 Kunstgeschichte und Archäologie in Freiburg, München und Hamburg. Von 1958 bis 1962 studierte sie an der Kunstakademie Düsseldorf bei K.O. Götz und Manfred Sieler sowie an der Hochschule für Bildende Künste Berlin bei Gerhard Fietz und Werner Schrieber.

1955 heiratete sie den Arzt Wolfgang Heusser. Aus der Ehe gingen eine Tochter (* 1956) und ein Sohn (* 1957) hervor. Die Ehe wurde 1959 geschieden.

Im Jahr 1965 heirateten Rango Bohne und der Schriftsteller Jürgen Becker.

Von 1966 bis 1967 hielt sie sich in der Villa Massimo in Rom auf. 1976 folgte ein Aufenthalt in Florenz in der Villa Romana (GEDOK-Stipendium).

Ihre malerischen und grafischen Arbeiten wurden seit 1962 in vielen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt, u. a. 1963 auf Schloss Morsbroich in Leverkusen, 1964 in der Galeria San Fedele in Mailand, 1976 in der Kölner Artothek, 1993 in der Kölner Galerie der Spiegel, 2009 im Kunstverein Wesseling.

In den 1960er Jahren trat sie unter dem Namen Heusser-Bohne auf;Ausstellungskatalog: Gli Araldi galleria d’arte, Novara 1962 (Rango Heusser-Bohne). nach ihrer Heirat mit Jürgen Becker im Jahr 1965 verwendete sie den Namen Rango Bohne.

1962 stellte Rango Heusser-Bohne in der Gli Araldi galleria d’arte (Novara, Italien) in einer Einzelausstellung aus; der Ausstellungstext stammte von dem italienischen Kunstkritiker Raúl Capra.Gli Araldi galleria d’arte, Novara: Einladung/Katalog zur Ausstellung Rango Heusser-Bohne, Januar–Februar 1962; Text: Raúl Capra. 1964 folgte eine Ausstellung in der Galleria San Fedele (Mailand).Centro Culturale San Fedele (Mailand): Archiv und Ausstellungsgeschichte.

In den frühen 1960er Jahren bewegte sich Heusser-Bohne im Umfeld einer zunehmend international ausgerichteten und experimentellen Kunstszene. Die Galerie im Centre in Göttingen,Helwig, Frank; Kolle, Andreas; Schrödter, Frank: Göttingen – ereignisreiche Zeiten. Die 60er Jahre. Göttingen 2000. ISBN 978-3-86134-705-7. in der sie 1965 eine Einzelausstellung zeigte, entwickelte sich aus einer studentischen Initiative zu einem überregional bedeutenden, interdisziplinären Ausstellungsraum, in dem bildende Kunst, Literatur und Performance miteinander verbunden wurden; im Rahmen ihres Programms traten zentrale Positionen der europäischen Avantgarde auf, darunter Joseph Beuys, Günther Uecker, Wolf Vostell sowie Günter Grass, Peter Handke und Hans Magnus Enzensberger.Rango Bohne. In: Centre Göttingen – Chronik und Veranstaltungen. kulturmaps.de. (Einladungskarte (JPG))

Auch die Galleria San Fedele, Teil des Centro Culturale San Fedele in Mailand, entwickelte sich seit den 1950er Jahren zu einem wichtigen Ausstellungsort der italienischen Nachkriegsmoderne und zeigte Arbeiten von Künstlern wie Lucio Fontana, Emilio Vedova, Alberto Burri und Giuseppe Capogrossi; 1964 stellte dort auch Heusser-Bohne aus.

Die Galerie Diogenes,ZERO Foundation: Ausstellungschroniken und Manifest „ZERO – der neue Idealismus“, 1963. 1959 von Günter Meisner in West-Berlin gegründet, gilt als früher Ausstellungsort der ZERO-Bewegung. 1963 war Rango Heusser-Bohne an einer ZERO-Ausstellung in der Galerie beteiligt,Heusser-Bohne. Galerie Diogenes, Berlin – Ausstellung 1963 (ZERO). In: artist-info.com. gemeinsam mit den Vertretern der ZERO-Bewegung Heinz Mack, Otto Piene und Günther Uecker sowie internationalen Künstlern wie Enrico Castellani, Piero Dorazio, Pol Bury, Gianni Colombo, Getulio Alviani und Dadamaino.

Diese Ausstellungsorte verorten Bohnes Werk der 1960er Jahre im Kontext der internationalen Entwicklungen der europäischen Nachkriegsavantgarde.

Bohne lebte mit ihrem Mann Jürgen Becker in Bergisch Gladbach. Sie veröffentlichten gemeinsam vier Bücher im Suhrkamp Verlag. 2012 erschien als letzte gemeinsame Ausgabe der Gedichtband Scheunen im Gelände (Edition Lyrik Kabinett, München) mit Collagen von Rango Bohne.

Rango Bohne starb im September 2021 Alter von 89 Jahren in Bergisch Gladbach.

Werk Das Gesamtwerk Rango Bohnes umfasst über tausend Arbeiten, darunter Collagen, Zeichnungen, Assemblagen, Radierungen und Lithografien. Ein Teil des Nachlasses befindet sich im Kunsthandel, unter anderem in Ahrenshoop.

Künstlerische Praxis Rango Bohnes Werk ist wesentlich durch Collagen und materialbasierte Verfahren geprägt. Es finden sich jedoch auch Gemälde in ihren (frühen) Werken. Hervorzuheben sind ihre Landschafts- und ihre Frauenbilder. Beide Sujets finden Eingang in und Korrespondenz mit dem Werk ihres Mannes Jürgen Becker. Sie haben gemeinsam vier Bücher veröffentlicht, bei denen wesentlich die Bilder Rango Bohnes den Ausgangspunkt für das Schreiben Beckers bilden, wie Jürgen Becker es selbst formuliert: "Es kamen aus diesen Bildern Impulse."

Ausgangspunkt ihrer Arbeiten sind oft vorgefundene Bildmaterialien, darunter Fotografien, Reproduktionen und Druckerzeugnisse aus bereits kulturell geformten Kontexten. Diese Materialien werden ausgeschnitten, fragmentiert, neu kombiniert, überarbeitet und in neue Zusammenhänge überführt. Dabei entstehen Bildgefüge, die nicht auf eine lineare Darstellung zielen, sondern auf strukturelle Verdichtung und Transformation.

Arbeitsweise und Struktur Das Verfahren des Collagierens ist bei Bohne nicht additiv angelegt, sondern folgt einer Struktur der Schichtung, ähnlich einem archäologischen Vorgang. Rango Bohne stellt die einzelnen Bildelemente nicht einfach nebeneinander, sondern lagert sie übereinander und verändert sie in fortlaufenden Bearbeitungsprozessen. Dadurch entsteht ein Bildraum, in dem unterschiedliche Zustände gleichzeitig präsent bleiben.

Bereits in Einzelausstellungen der frühen 1960er Jahre wird Bohnes Arbeitsweise als ein Verfahren beschrieben, das auf der Auswahl, Fragmentierung und erneuten Zusammenfügung von Bildmaterial beruht. So sagte Manon Maren-Griesebach in ihrer Rede zur Ausstellungseröffnung Rango Bohnes in der Galerie im Centre, Göttingen 1964: "[es] werden Teile aus dem Photomaterial ausgeschnitten, Figuren zerschnippelt, Gegenstände zerstört, denn für die Malerin haben primär die ästhetischen Qualitäten Geltung: Interessante Maserungen, plastische Schattenspiele, sperrige Formkontraste."

Rezeption In Bohnes Buchprojekten mit ihrem Mann Jürgen Becker bildet die bildkünstlerische Arbeit den Ausgangspunkt der jeweiligen Publikationen. Ihre Bilder gehen dem Wort Beckers voraus.

Einzelausstellungen (Quelle: Jürgen Becker) 1962: Galerie Gli Arali, Novara 1963: Galerie am Schloßturm, Düsseldorf 1965: Galerie Elmenhorst, Hamburg 1965: Galerie im Centre, Göttingen 1969: Galerie Artepik, Lichtaart 1969: Galerie B, Bensberg 1972: Goethe-Institut, Paris 1972: Forum, Bergisch-Gladbach 1973: Galerie der Spiegel, Köln 1976: Artothek, Köln 1977: Galerie Zander, Köln 1984: Städtische Galerie im Park, Viersen 1989: Kunstraum Klapperhof, Köln 1991: alerie Bayenthalgürtel, Köln 1996: Inselgalerie Rettbergsaue, Wiesbaden 1997: Galerie Brehm, Köln 2000: Bahnhof Rolandseck 2000: Burg Zweiffel, Bergisch - Gladbach 2002: Galerie am Werk, Leverkusen 2007: Galerie Schröder und Dörr, Bergisch - Gladbach 2009: Kunstverein Wesseling

Sowie zahlreiche weitere Ausstellungen und regelmäßige Beteiligungen, unter anderem im Rahmen der GEDOK.

Publikationen Jürgen Becker und Rango Bohne: Fenster und Stimmen. Collagen von Rango Bohne. Gedichte von Jürgen Becker. Suhrkamp-Verlag, Frankfurt am Main 1982. ISBN 978-3518021187 Jürgen Becker und Rango Bohne: Frauen mit dem Rücken zum Betrachter. Collagen von Rango Bohne. Gedichte von Jürgen Becker. Suhrkamp-Verlag, Frankfurt am Main 1989. ISBN 978-3518401828 Jürgen Becker und Rango Bohne: Korrespondenzen mit Landschaft. Collagen von Rango Bohne. Gedichte von Jürgen Becker. Suhrkamp-Verlag, Frankfurt am Main 1996. ISBN 978-3-518-40801-8 Jürgen Becker und Rango Bohne: Häuser und Häuser. Collagen von Rango Bohne. Gedichte von Jürgen Becker. Suhrkamp-Verlag, Frankfurt am Main 2001. ISBN 978-3-518-41307-4 Jürgen Becker: Scheunen im Gelände. Gedichte. Mit Collagen von Rango Bohne. München: Edition Lyrik Kabinett 2012. ISBN 978-3-938776-31-5

Einzelnachweise

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