(3843) OISCA ist ein Asteroid jenseits des äußeren Hauptgürtels, der am 28. Februar 1987 vom japanischen Astronomen Yoshiaki Ōshima am Gekkō-Observatorium in Japan bei einer Helligkeit von 16,5 mag entdeckt wurde. Es war seine erste von insgesamt 61 Asteroidenentdeckungen. Nachträglich konnte festgestellt werden, dass das Objekt bereits am 7. Dezember 1953 und in den Jahren 1955, 1956 und 1980 am Palomar-Observatorium in Kalifornien, 1976 am Krim-Observatorium in Nautschnyj sowie 1980 am Kleť-Observatorium in der Tschechoslowakei fotografiert worden war.
Der Asteroid ist benannt nach der Organisation für industrielle, spirituelle und kulturelle Weiterentwicklung (OISCA), die 1961 von Yonosuke Nakano als Schwesterorganisation der Internationalen Stiftung für kulturelle Harmonie gegründet wurde, zu der auch das Gekkō-Observatorium gehört. OISCA-International unterstützt aktiv die Bemühungen von Menschen in Entwicklungsländern, Armut und Hunger durch Bildungsförderung zu überwinden.
(3843) OISCA wird zwar zu den Hauptgürtelasteroiden gezählt, bewegt sich aber weit außerhalb der Hecuba-Lücke und ist ein Mitglied der Hilda-Gruppe. Diese bewegt sich in einer 3:2-Bahnresonanz mit dem Planeten Jupiter um die Sonne.C. E. Spratt: The Hilda group of minor planets. In: Journal of the Royal Astronomical Society of Canada. Band 83, 1989, S. 393–404, (PDF; 173 kB). Obwohl der gegenseitige Bahnabstand (Minimum orbit intersection distance, MOID) von Jupiter und (3843) OISCA immer wieder zwischen 0,73 und 0,90 AE schwankte, sind sich die beiden Himmelskörper durch die Bahnresonanz in den vergangenen 10.000 Jahren nie näher gekommen als bis auf etwa 1,47 AE (219 Mio. km).
Wissenschaftliche Auswertung Eine Auswertung von Beobachtungen durch das Projekt NEOWISE im nahen Infrarot speziell für Mitglieder der Hilda-Gruppe führte 2012 für (3843) OISCA zu vorläufigen Werten für den Durchmesser und die Albedo im sichtbaren Bereich von 30,8 km bzw. 0,11.T. Grav, A. K. Mainzer, J. Bauer, J. Masiero, T. Spahr, R. S. McMillan, R. Walker, R. Cutri, E. Wright, P. R. Eisenhardt, E. Blauvelt, E. DeBaun, D. Elsbury, T. Gautier IV, S. Gomillion, E. Hand, A. Wilkins: WISE/NEOWISE Observations of the Hilda Population: Preliminary Results. In: The Astrophysical Journal. Band 744, Nr. 2, 2012, S. 1–15, doi:10.1088/0004-637X/744/2/197 (PDF; 3,45 MB).
Eine spektroskopische Untersuchung von 23 Hilda-Asteroiden im September 1992 am La-Silla-Observatorium in Chile und im Oktober/November 1992 am Roque-de-los-Muchachos-Observatorium auf La Palma ergab für (3843) OISCA eine taxonomische Klassifizierung als EMP-Typ (X-Typ).M. Dahlgren, C.-I. Lagerkvist, A. Fitzsimmons, I. P. Williams, M. Gordon: A study of Hilda asteroids. II. Compositional implications from optical spectroscopy. In: Astronomy & Astrophysics. Band 323, 1997, S. 606–619, (PDF; 536 kB).
Photometrische Messungen des Asteroiden fanden statt vom 14. bis 17. Dezember 1993, am 3. Februar 1994 und vom 2. bis 5. Februar 1995 am Roque-de-los-Muchachos-Observatorium sowie am 19. Dezember 1994 am Calar-Alto-Observatorium in Spanien. Aus den während insgesamt neun Nächten aufgezeichneten Lichtkurven wurde eine Rotationsperiode von 19,078 h bestimmt.M. Dahlgren, J. F. Lahulla, C.-I. Lagerkvist, J. Lagerros, S. Mottola, A. Erikson, M. Gonano-Beurer, M. Di Martino: A Study of Hilda Asteroids. V. Lightcurves of 47 Hilda Asteroids. In: Icarus. Band 133, Nr. 2, 1998, S. 247–285, doi:10.1006/icar.1998.5919. Weitere Beobachtungen erfolgten vom 3. bis 12. August 2016 am Center for Solar System Studies (CS3) in Colorado und Kalifornien. Die aus den registrierten Daten abgeleitete Rotationsperiode von 19,089 h bestätigte das frühere Ergebnis.B. D. Warner, R. D. Stephens, D. R. Coley: Lightcurve Analysis of Hilda Asteroids at the Center for Solar System Studies: 2016 June–September. In: The Minor Planet Bulletin. Bulletin of the Minor Planets Section of the Association of Lunar and Planetary Observers, Band 44, Nr. 1, 2017, S. 36–41, (PDF; 5,33 MB).
Eine weitere Beobachtungskampagne am CS3 vom 17. bis 28. April 2019 lieferte dagegen rätselhafte Ergebnisse: Die Auswertung der während elf Nächten aufgezeichneten Daten führte zunächst zu einer längeren Periode von 29,41 h. Eine Anpassung der Daten auf eine Periodizität im Bereich von etwa 19 Stunden ließ sich nur dadurch erreichen, dass die Beobachtungsdaten von zwei Nächten komplett eliminiert wurden. Aus dem reduzierten Datensatz konnte dann eine Periode von 19,137 h abgeleitet werden. Eine Revision der Daten aus 2016 führte nun zu einer geringfügig geänderten Periode von 19,075 h, während ein Versuch, aus den Daten eine Periode im Bereich von 29 Stunden zu ermitteln, fehlschlug. Ohne eine Erklärung für die abweichenden Daten der zwei Beobachtungsnächte liefern zu können, wurde schließlich für die Rotationsperiode ein Wert von 19,075 h angenommen.B. D. Warner, R. D. Stephens: Lightcurve Analysis of Hilda Asteroids at the Center for Solar System Studies: 2019 April–June. In: The Minor Planet Bulletin. Bulletin of the Minor Planets Section of the Association of Lunar and Planetary Observers, Band 46, Nr. 4, 2019, S. 406–412, (PDF; 689 kB).
Aus archivierten Daten des Asteroid Terrestrial-impact Last Alert System (ATLAS) aus dem Zeitraum 2015 bis 2018 konnte in einer Untersuchung von 2022 mit der Methode der konvexen Inversion eine Rotationsperiode von 19,073 h bestimmt werden.J. Ďurech, M. Vávra, R. Vančo, N. Erasmus: Rotation Periods of Asteroids Determined With Bootstrap Convex Inversion From ATLAS Photometry. In: Frontiers in Astronomy and Space Sciences. Band 9, 2022, S. 1–7, doi:10.3389/fspas.2022.809771 (PDF; 1,01 MB).
Siehe auch Liste der Asteroiden
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Hauptgürtelasteroid unter 50 km Durchmesser Kategorie:Hilda-Gruppe