Quintus Publilius Philo war ein römischer Politiker und Feldherr im 4. Jahrhundert v. Chr. Als einer der ersten Plebejer erreichte er die höchsten Ämter der Republik und setzte Reformen durch, die die politische Stellung der Plebs erheblich stärkten. Die Überlieferung zu seiner Person und seinen Taten beruht weitgehend auf Titus Livius, der etwa 300 Jahre später schrieb und die Ereignisse aus der Perspektive der augusteischen Zeit darstellte.
Herkunft und Familie Philo entstammte der gens Publilia, einer plebejischen Familie, die erstmals im frühen 5. Jahrhundert v. Chr. in den Quellen erscheint. Ein früher bekannter Vertreter war Volero Publilius, der als Volkstribun 472 v. Chr. Gesetze zugunsten der Plebejer durchsetzte. Das Cognomen Philo (griechisch für „der Liebende“ oder „Freund“) war charakteristisch für den Zweig der Familie, dem Philo angehörte, ist bei ihm erstmals prominent belegt. Seine unmittelbare Abstammung ist durch die Filiation Q. f. Q. n. (Sohn des Quintus, Enkel des Quintus) belegt. Die gens Publilia gehörte zu den frühen plebejischen Geschlechtern, aus denen mehrere politisch aktive Mitglieder der Plebs hervorgingen.
Ämterlaufbahn Philo bekleidete viermal das Konsulat: 339, 327, 320 und 315 v. Chr.Livius 8,12; 8,22; 9,7; Broughton, The Magistrates of the Roman Republic, Bd. I, S. 137, 145, 152 und 156. Daneben war er 336 v. Chr. der erste namentlich bekannte plebejische PrätorLivius 8,15,9., 335 v. Chr. magister equitum unter dem Diktator Lucius Aemilius Mamercinus PrivernasLivius 8,16,12. und 332 v. Chr. zusammen mit Spurius Postumius Albinus Caudinus Zensor.Livius 8,17,11. In seiner Zensur fielen die Einschreibung von Neubürgern nach den Latinerkriegen sowie die Schaffung zweier neuer Tribus Maecia und Scaptia. Bereits 352 v. Chr. hatte er einer Zehnerkommission zur Schuldenregelung angehört. Sein Aufstieg fiel in die Endphase der Ständekämpfe sowie in die Zeit der Latinerkriege und des Zweiten Samnitenkrieges.
Konsulat und Gesetzgebung von 339 v. Chr. Während seines ersten Konsulats, das er mit Tiberius Aemilius Mamercinus ausübte, führte Philo im Latinerkrieg das Kommando über das römische Heer und besiegte die Latiner in einer Schlacht auf den sogenannten Campi Fenectani („Fenectanische Felder“), die bei Titus Livius als wichtiger Erfolg im letzten Jahr des Latinerkrieges erscheint. Der genaue Ort dieser Schlacht ist nicht sicher lokalisiert; vermutet wird eine Lage im Grenzgebiet zwischen Latium und Kampanien. Für diesen Sieg wurde Philo ein Triumph zuerkannt.Livius 8,12.
Noch im selben Jahr wurde Philo zum Diktator ernannt.Livius 8,12,1. In dieser Funktion brachte er drei Gesetze durch, die als leges Publiliae bekannt sind.Livius 8,12,14–16. Die lex de plebiscitis machte Plebiszite der Plebejerversammlung (concilium plebis) für das gesamte römische Volk bindend. Die endgültige Gleichstellung wird oft erst mit der lex Hortensia verbunden. Die lex de auctoritate patrum verpflichtete die Patrizier, ihre Zustimmung (auctoritas patrum) zu Gesetzen bereits vor der Abstimmung in den Zenturiatskomitien zu erteilen. Die lex de censore plebeio schrieb vor, dass mindestens einer der beiden Zensoren Plebejer sein musste. Diese Gesetze stärkten nach der Darstellung des Livius die politische Stellung der Plebejer.
Weitere Tätigkeit Im zweiten Konsulat 327 v. Chr., zusammen mit Lucius Cornelius Lentulus, leitete Philo die Belagerung von Neapolis (Neapel). Als nach Ablauf des Jahres die Stadt noch nicht erobert war, wurde erstmals in der römischen Geschichte ihm das Kommando über sein Amtsjahr hinaus verlängert (prorogatio imperii), sodass er nach Livius pro consule weiter amtierte.Livius 8,23,11f. Nach der Eroberung schloss er ein Bündnis mit der Stadt, die damit in das römische Bundesgenossensystem eintrat;Livius 8,22–26. dafür ihm ein zweiter Triumph zugestanden wurde.Livius 8,22,8–23,12; 25,5–26,7
Im dritten Konsulat 320 v. Chr., zusammen mit Lucius Papirius Cursor, übernahm er nach der römischen Niederlage in der Schlacht an den Kaudinischen Pässen gegen die Samniten eine führende Rolle bei der Stabilisierung der römischen Position.Livius 9,7.
Sein viertes Konsulat 315 v. Chr., erneut mit Lucius Papirius Cursor, fiel in eine kritische Phase des Samnitenkrieges; seine konkreten Handlungen sind in den Quellen jedoch nur spärlich belegt.Diodorus Siculus 19,66,1.
Im Jahr 314 v. Chr. wurde Philo im Gefolge des Prozesses gegen den Diktator Gaius Maenius ebenfalls angeklagt, jedoch freigesprochen.Livius 9,26,21. Unklar bleibt, ob die bei Gaius (Institutiones) erwähnte lex Publilia de sponsu (eine Regelung zum Bürgschaftsrecht) tatsächlich auf ihn zurückgeht.Gaius Institutiones 3,127; 4,22.
Quintus Publilius Philo gilt als einer der einflussreichsten plebejischen Reformer der mittleren Republik. Durch seine Ämter und insbesondere durch die leges Publiliae trug er dazu bei, dass der plebejische Adel in die Nobilität aufstieg und patrizische Vorrechte weiter zurückgedrängt wurden. Über sein Privatleben und sein Todesdatum ist nichts bekannt.
Literatur
Einzelnachweise
Kategorie:Konsul (Römische Republik) Kategorie:Römer Kategorie:Geboren im 4. Jahrhundert v. Chr. Kategorie:Gestorben im 4. oder 3. Jahrhundert v. Chr. Kategorie:Mann