Die beiden Brüder ist ein tibetisches Märchen.Helmut Hoffmann (Hrsg. und Übert.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Tibet. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf/Köln 1965, S. 138–144, 250.

Handlung Ein König hatte zwei Söhne, Kshemamkara, bei dessen Geburt sich viele Glücksfälle ereigneten, und Pâpamkara, dessen Geburt für viele Unglücksfälle sorgte. Kshemamkara war sehr großzügig und von freundlichem Herzen, also bot ihm der Nachbarkönig seine Tochter an. Vor seiner Hochzeit wollte Kshemamkara aber zu Reichtum gelangen, also ließ er sich von seinem Vater ein Schiff geben und belud es mit Handelswaren. Auch Pâpamkara war mit an Bord, mit der Absicht seinen Bruder umzubringen.

Nachdem sie ihre Waren verkauft hatten, gelangten sie an die Edelsteininsel, wo sie eine Menge Edelsteine einluden. Auf dem Rückweg beschädigte jedoch ein Seeungeheuer ihr Schiff, sodass sie ins Wasser gehen mussten und Kshemamkara seinen Bruder rettete. Erschöpft brach er am Strand zusammen, woraufhin Pâpamkara ihm seine Edelsteine raubte und ihn blendete. Kshemamkara gelangte dann in die Stadt des Königs, der ihm seine Tochter zur Frau geben wollte, die gerade dabei war, sich einen Mann zu erwählen. Als sie sein Lautenspiel hörte, entschied sie sich für den Blinden. Der König war erst missmutig, gab dann aber seine Einwilligung. Da beteuerte die Königstochter ihre Liebe zu Kshemamkara, worauf er eins seiner Augen wiederbekam, und er beteuerte, seinem Bruder nicht zu zürnen, wodurch er auch das andere wiedererhielt. Der König zog daraufhin mit einem großen Heer in die Nachbarstadt, in der seit dem Tod seines Vaters Pâpamkara herrschte, und vertrieb diesen, woraufhin Kshemamkara Herrscher wurde.

Hintergrund Das Märchen stammt aus Anton Schiefners Indische Erzählungen (St. Petersburg 1881, VIII, S. 121 ff.) und erhielt in Helmut Hoffmanns Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Tibet (Düsseldorf / Köln 1965) den Titel Die beiden Brüder. Hoffmann vergleicht I. J. Schmidts Der Weise und der Tor (St. Petersburg 1843, S. 261 ff.). Eine uigurische Version findet sich in dem Werk T’oung Pao (1914, S. 225 ff.); eine chinesische Version ist in dem Werk T’oung Pao Vol. XV (S. 469 ff.) zu finden. Eine weitere chinesische Fassung ist in Edouard Chavannes’ Werk Cinq cent contes et apologues extraits du Tripitaka chinois (Paris 1962, Band IV, S. 190 f.) abgedruckt.

Literatur Helmut Hoffmann (Hrsg. und Übert.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Tibet. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf/Köln 1965, S. 138–144, 250.

Einzelnachweise

Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Tibetisch) Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Märchen