(3577) Putilin ist ein Asteroid jenseits des äußeren Hauptgürtels, der am 7. Oktober 1969 von der sowjetischen Astronomin Ljudmila Iwanowna Tschernych am Krim-Observatoriums in Nautschnyj bei einer Helligkeit von 17,0 mag entdeckt wurde. Nachträglich konnte festgestellt werden, dass er bereits am 10. Oktober 1961 am Goethe-Link-Observatorium in Indiana fotografiert worden war.
Der Asteroid ist benannt nach Iwan Iwanowitsch Putilin (1893–1954), Assistenzprofessor an der Nationalen Taras-Schewtschenko-Universität Kiew, der vor allem für seine Arbeiten über Kleinplaneten bekannt ist. Er beobachtete Asteroiden und berechnete ihre Umlaufbahnen. Sein Buch „Malyje planety“ war viele Jahre lang ein Standardwerk für Beobachter und andere Forscher auf dem Gebiet der Kleinplaneten.
(3577) Putilin wird zwar zu den Hauptgürtelasteroiden gezählt, bewegt sich aber weit außerhalb der Hecuba-Lücke und ist ein Mitglied der Hilda-Gruppe. Diese bewegt sich in einer 3:2-Bahnresonanz mit dem Planeten Jupiter um die Sonne.C. E. Spratt: The Hilda group of minor planets. In: Journal of the Royal Astronomical Society of Canada. Band 83, 1989, S. 393–404, (PDF; 173 kB). Obwohl der gegenseitige Bahnabstand (Minimum orbit intersection distance, MOID) von Jupiter und (3577) Putilin mit einer Periodizität von etwa 1950 Jahren zwischen 0,45 und 0,66 AE schwankte, sind sich die beiden Himmelskörper durch die Bahnresonanz in den vergangenen 10.000 Jahren nie näher gekommen als bis auf etwa 1,87 AE (280 Mio. km).
Wissenschaftliche Auswertung Eine Auswertung von Beobachtungen durch das Projekt NEOWISE im nahen Infrarot speziell für Mitglieder der Hilda-Gruppe führte 2012 für (3577) Putilin zu vorläufigen Werten für den Durchmesser und die Albedo im sichtbaren Bereich von 49,1 km bzw. 0,05.T. Grav, A. K. Mainzer, J. Bauer, J. Masiero, T. Spahr, R. S. McMillan, R. Walker, R. Cutri, E. Wright, P. R. Eisenhardt, E. Blauvelt, E. DeBaun, D. Elsbury, T. Gautier IV, S. Gomillion, E. Hand, A. Wilkins: WISE/NEOWISE Observations of the Hilda Population: Preliminary Results. In: The Astrophysical Journal. Band 744, Nr. 2, 2012, S. 1–15, doi:10.1088/0004-637X/744/2/197 (PDF; 3,45 MB).
Eine spektroskopische Untersuchung von 23 Hilda-Asteroiden im September 1992 am La-Silla-Observatorium in Chile und im Oktober/November 1992 am Roque-de-los-Muchachos-Observatorium auf La Palma ergab für (3577) Putilin eine taxonomische Klassifizierung als D-Typ.M. Dahlgren, C.-I. Lagerkvist, A. Fitzsimmons, I. P. Williams, M. Gordon: A study of Hilda asteroids. II. Compositional implications from optical spectroscopy. In: Astronomy & Astrophysics. Band 323, 1997, S. 606–619, (PDF; 536 kB).
Photometrische Messungen des Asteroiden fanden erstmals statt am 27. Januar 1987 am Mount-Lemmon-Observatorium in Arizona. Die registrierten Daten konnten nicht weiter ausgewertet werden.W. Z. Wisniewski, T. M. Michałowski, A. W. Harris, R. S. McMillan: Photometric Observations of 125 Asteroids. In: Icarus. Band 126, Nr. 2, 1997, S. 395–449, doi:10.1006/icar.1996.5665. Weitere Beobachtungen erfolgten vom 14. bis 22. Dezember 1994 am Calar-Alto-Observatorium in Spanien. Aus der während fünf Nächten aufgezeichneten Lichtkurve wurde zunächst eine Rotationsperiode von 29,0 h abgeleitet.M. Dahlgren, J. F. Lahulla, C.-I. Lagerkvist, J. Lagerros, S. Mottola, A. Erikson, M. Gonano-Beurer, M. Di Martino: A Study of Hilda Asteroids. V. Lightcurves of 47 Hilda Asteroids. In: Icarus. Band 133, Nr. 2, 1998, S. 247–285, doi:10.1006/icar.1998.5919. Weitere Messungen vom 2. Februar bis 14. März 2011 während 13 Nächten am Via Capote Observatory in Kalifornien wurden dagegen zu einer deutlich kürzeren Periode von 18,270 h ausgewertet.J. W. Brinsfield: Asteroid Lightcurve Analysis at the Via Capote Observatory: 1st Quarter 2011. In: The Minor Planet Bulletin. Bulletin of the Minor Planets Section of the Association of Lunar and Planetary Observers, Band 38, Nr. 3, 2011, S. 154–155, (PDF; 351 kB).
Bei neuen Beobachtungen vom 14. Juli bis 1. August 2016 während zehn Nächten am Center for Solar System Studies (CS3) in Colorado und Kalifornien erbrachte die Auswertung der aufgezeichneten Lichtkurve mehrere fast gleich wahrscheinliche Periodizitäten, es wurde davon zunächst eine von 14,30 h angenommen.B. D. Warner, R. D. Stephens, D. R. Coley: Lightcurve Analysis of Hilda Asteroids at the Center for Solar System Studies: 2016 June–September. In: The Minor Planet Bulletin. Bulletin of the Minor Planets Section of the Association of Lunar and Planetary Observers, Band 44, Nr. 1, 2017, S. 36–41, (PDF; 5,33 MB). Bei einer weiteren Beobachtungskampagne am CS3 vom 17. bis 28. April 2019 ließ sich aus den registrierten Daten aber eine adäquatere Rotationsperiode von 18,239 h bestimmen. Eine Revision der Daten aus 2016 konnte darin nun ebenfalls eine ähnliche Periodizität von 18,324 h nachweisen.B. D. Warner, R. D. Stephens: Lightcurve Analysis of Hilda Asteroids at the Center for Solar System Studies: 2019 April–June. In: The Minor Planet Bulletin. Bulletin of the Minor Planets Section of the Association of Lunar and Planetary Observers, Band 46, Nr. 4, 2019, S. 406–412, (PDF; 689 kB).
Siehe auch Liste der Asteroiden
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Hauptgürtelasteroid unter 50 km Durchmesser Kategorie:Hilda-Gruppe