(3561) Devine ist ein Asteroid jenseits des äußeren Hauptgürtels, der am 18. April 1983 vom US-amerikanischen Astronomen Norman G. Thomas an der Anderson Mesa Station des Lowell-Observatoriums in Arizona bei einer Helligkeit von 17,2 mag entdeckt wurde. Nachträglich konnte festgestellt werden, dass er bereits am 20. November 1954 und im Dezember 1955 am Palomar-Observatorium in Kalifornien sowie 1977 am Krim-Observatorium in Nautschnyj fotografiert worden war.

Der Asteroid ist benannt zu Ehren von John Devine Hazelton, Schwiegersohn des Entdeckers und Urenkel von Oberst John Devine, der bei den Truppen unter General Gordon in Khartum diente.

(3561) Devine wird zwar zu den Hauptgürtelasteroiden gezählt, bewegt sich aber weit außerhalb der Hecuba-Lücke und ist ein Mitglied der Hilda-Gruppe. Diese bewegt sich in einer 3:2-Bahnresonanz mit dem Planeten Jupiter um die Sonne.C. E. Spratt: The Hilda group of minor planets. In: Journal of the Royal Astronomical Society of Canada. Band 83, 1989, S. 393–404, (PDF; 173 kB). Obwohl der gegenseitige Bahnabstand (Minimum orbit intersection distance, MOID) von Jupiter und (3561) Devine mit einer Periodizität von etwa 880 Jahren zwischen 0,70 und 1,05 AE schwankte, sind sich die beiden Himmelskörper durch die Bahnresonanz in den vergangenen 10.000 Jahren nie näher gekommen als bis auf etwa 1,73 AE (258 Mio. km).

Wissenschaftliche Auswertung Aus Ergebnissen der IRAS Minor Planet Survey (IMPS) wurden 1992 erstmals Angaben zu Durchmesser und Albedo für zahlreiche Asteroiden abgeleitet, darunter auch (3561) Devine, für den damals Werte von 32,7 km bzw. 0,09 erhalten wurden.E. F. Tedesco, P. V. Noah, M. Noah, S. D. Price: The Supplemental IRAS Minor Planet Survey. In: The Astronomical Journal. Band 123, Nr. 2, 2002, S. 1056–1085, doi:10.1086/338320 (PDF; 398 kB).

Eine spektroskopische Untersuchung von acht Hilda-Asteroiden im Juli 1993 am La-Silla-Observatorium in Chile ergab für (3561) Devine eine taxonomische Klassifizierung als D-Typ.M. Dahlgren, C.-I. Lagerkvist: A study of Hilda asteroids. I. CCD spectroscopy of Hilda asteroids. In: Astronomy & Astrophysics. Band 302, 1995, S. 907–914, (PDF; 175 kB).

Photometrische Messungen des Asteroiden fanden erstmals statt vom 24. bis 27. Oktober 1994 am Calar-Alto-Observatorium in Spanien sowie am 27. und 28. November 1994 am Roque-de-los-Muchachos-Observatorium auf La Palma. Die registrierten Lichtkurven zeigten kaum Helligkeitsänderungen und konnten nicht weiter ausgewertet werden, deuteten aber auf eine längere Rotationsperiode hin.M. Dahlgren, J. F. Lahulla, C.-I. Lagerkvist, J. Lagerros, S. Mottola, A. Erikson, M. Gonano-Beurer, M. Di Martino: A Study of Hilda Asteroids. V. Lightcurves of 47 Hilda Asteroids. In: Icarus. Band 133, Nr. 2, 1998, S. 247–285, doi:10.1006/icar.1998.5919. Aus weiteren Beobachtungen vom 7. bis 15. Juli 2015 am Center for Solar System Studies (CS3) in Kalifornien konnten aus der während fünf Nächten aufgezeichneten Lichtkurve mit geringer Amplitude zwei mögliche Werte für die Rotationsperiode von 4,376 oder 5,354 h abgeleitet werden.R. D. Stephens: Asteroids Observed from CS3: 2015 July–September. In: The Minor Planet Bulletin. Bulletin of the Minor Planets Section of the Association of Lunar and Planetary Observers, Band 43, Nr. 1, 2016, S. 52–56, (PDF; 0,97 MB).

Neue Messungen vom 4. bis 7. Dezember 2017 am CS3 in Colorado und Kalifornien erbrachten stattdessen jedoch eine eindeutige Auswertung zu einer Rotationsperiode von 9,61 h. Eine Revision der Daten aus 2015 ergab, dass sie u. a. auch zu einer Periode von 9,63 h passen könnten. Es wurde auch aus beiden Datensätzen ein dreidimensionales Gestaltmodell des Asteroiden für zwei alternative Rotationsachsen mit retrograder Rotation und einer Periode von 9,61 h berechnet.B. D. Warner, R. D. Stephens, D. R. Coley: Lightcurve Analysis of Hilda Asteroids at the Center for Solar System Studies: 2017 October–December. In: The Minor Planet Bulletin. Bulletin of the Minor Planets Section of the Association of Lunar and Planetary Observers, Band 45, Nr. 2, 2018, S. 147–161, (PDF; 2,21 MB).

Mit dem Weltraumteleskop Transiting Exoplanet Survey Satellite (TESS) konnten während dessen Durchmusterung des Südhimmels 2018 bis 2019 auch Objekte des Sonnensystems beobachtet werden. Dabei wurden auch die Lichtkurven von fast 10.000 Asteroiden aufgezeichnet. Für (3561) Devine wurde aus Messungen etwa vom 18. November bis 11. Dezember 2018 eine Rotationsperiode von 108,068 h erhalten.A. Pál, R. Szakáts, Cs. Kiss, A. Bódi, Zs. Bognár, Cs. Kalup, L. L. Kiss, G. Marton, L. Molnár, E. Plachy, K. Sárneczky, Gy. M. Szabó, R. Szabó: Solar System Objects Observed with TESS – First Data Release: Bright Main-belt and Trojan Asteroids from the Southern Survey. In: The Astrophysical Journal Supplement Series. Band 247, Nr. 1, 2020, S. 1–41, doi:10.3847/1538-4365/ab64f0 (PDF; 1,06 MB).

Photometrische Messungen vom 20. Februar bis 23. März 2021 während 18 Nächten am CS3 erbrachten neben einer primären Periode von 4,7985 h mit geringer Amplitude nun erstmals in der Lichtkurve auch Anzeichen für eine sekundäre Periodizität von 39,20 h. Als wahrscheinlichste Ursache wurde dafür die Umlaufperiode eines länglichen Satelliten angenommen.B. D. Warner, R. D. Stephens, D. R. Coley: On Confirmed and Suspected Binary Asteroids Observed at the Center for Solar System Studies. In: The Minor Planet Bulletin. Bulletin of the Minor Planets Section of the Association of Lunar and Planetary Observers, Band 48, Nr. 3, 2021, S. 274–280, (PDF; 2,17 MB). Weitere Beobachtungen vom 5. bis 28. April 2022 während 13 Nächten am CS3 lieferten Daten, aus denen sich zwei Perioden von 39,16 und 16,038 h ableiten ließen. Eine Erklärung durch eine angenommene Binarität des Asteroiden erschien aufgrund der Form der Lichtkurve nun eher unwahrscheinlich, stattdessen könnte eine Erklärung für die widersprüchlichen Ergebnisse in einer Taumelbewegung des Objekts liegen. Weitere Beobachtungen wurden daher als dringend empfohlen erachtet.B. D. Warner, R. D. Stephens: Lightcurve Analysis of Hilda Asteroids at the Center for Solar System Studies: 2022 March–May. In: The Minor Planet Bulletin. Bulletin of the Minor Planets Section of the Association of Lunar and Planetary Observers, Band 49, Nr. 4, 2022, S. 269–271, (PDF; 908 kB).

Devine-Familie (3561) Devine ist namensgebendes und größtes Mitglied einer Asteroidenfamilie mit ähnlichen Bahneigenschaften, wie eine Große Halbachse von 3,96 AE, eine Exzentrizität von 0,13 und eine Bahnneigung von 8,6°–9,0°. Der Devine-Familie wurden im Jahr 2014 etwa 15 Mitglieder zugerechnet.A. Milani, A. Cellino, Z. Knežević, B. Novaković, F. Spoto, P. Paolicchi: Asteroid families classification: Exploiting very large datasets. In: Icarus. Band 239, 2014, S. 46–73, doi:10.1016/j.icarus.2014.05.039.

Siehe auch Liste der Asteroiden

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Hauptgürtelasteroid unter 50 km Durchmesser Kategorie:Hilda-Gruppe