Als jüdischer Terrorismus wird Terrorismus durch Angehörige des Judentums bezeichnet.

1. Jahrhundert: Zeloten und Sikarier

Die Zeloten werden als eines der frühesten Beispiele für jüdischen Terrorismus beschrieben. Sie versuchten, die Bewohner der römischen Provinz Judäa zu einer Rebellion gegen das Römische Reich anzustiften. Die extremste Gruppe der Zeloten waren die Sikarier. Bei öffentlichen Versammlungen, insbesondere während der Wallfahrtsfeste in Jerusalem, verübten sie Attentate auf Römer, Herodianer und mutmaßliche jüdische Kollaborateure. Sie griffen auch wohlhabende Juden an und entführten deren Diener, um Lösegeld zu erpressen.

Völkerbundsmandat für Palästina (1922–1948)

Am 30. Juni 1924 ermordete der Hagana-Kommandant Avraham Tehomi, der ein Jahr zuvor aus der Ukraine nach Palästina gekommen war, in Jerusalem den Dichter und Journalisten Jacob Israël de Haan. Er galt aufgrund seines großen Einflusses und seiner Ablehnung des Zionismus als Gefahr. Der Mord an De Haan sollte Angst und Schrecken verbreiten und jeden abschrecken, der von der herrschenden ideologischen Linie abwich. Tehomi gab an, im Auftrag des späteren Präsidenten Jizchak Ben Zwi gehandelt zu haben. Der Mord gilt als der erste von drei berüchtigten politischen Morden von Juden an Juden in der Geschichte des Zionismus; der zweite war der Mord an Chaim Arlosoroff, dem Leiter der Jewish Agency in Jerusalem, im Jahr 1933, und der dritte der Mord an Premierminister Jitzchak Rabin im Jahr 1995.Tom Segev: A State at any Cost. ISBN 978-1-4299-5184-5. E-Book: Kapitel 9, "Scandals", Abschnitt “Betrayal and Deception” mini|1947 steckbrieflich von der Palestine Police gesuchte Mitglieder der Irgun und der Lehi, darunter die späteren Ministerpräsidenten Menachem Begin und Jitzchak Schamir. Von 1931 bis 1948, insbesondere seit dem Arabischen Aufstand in Palästina (1936–1939), verübten Irgun Zwai Leumi und Lechi mit dem Ziel, die Briten zu vertreiben und einen jüdischen Staat zu gründen, Terrorakte gegen die britische Mandatsmacht und gegen die arabische Bevölkerung.

Zu den Aktionen der Untergrundbewegungen während der Mandatszeit gehörten Angriffe auf palästinensische Zivilisten, britische Militär- und Polizeieinrichtungen, Attentate sowie Bombenanschläge auf Märkte, Schiffe und Hotels. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Briten sich weigerten, Palästina für eine unbegrenzte jüdische Einwanderung zu öffnen, verbündete die Hagana sich mit Irgun und Lechi im „Jewish Resistance Movement“ (auch „Hebrew Resistance Movement“ genannt)Steven Wagner: British Intelligence and the Jewish Resistance Movement in the Palestine Mandate, 1945–46. In: Intelligence and National Security, Vol.23, No.5, October 2008. doi:10.1080/02684520802449500 und wandte sich zunehmend terroristischen Aktivitäten zu, weshalb die Briten nun auch die Hagana und die Jewish Agency bekämpften. Gemäß Steven Wagner ist dabei unklar, inwieweit die Hagana und die Jewish Agency terroristische Operationen tatsächlich unterstützt haben, da die Jewish Agency in der Frage gespalten war. In der Nacht vom 17. auf den 18. Juni 1946 griffen Einheiten der Hagana elf Brücken an, die Palästina mit den Nachbarländern verbanden; zehn davon wurden bei dieser Aktion gegen die Briten erfolgreich gesprengt. In der Folge dieser Nacht der Brücken beschlossen die Briten, gegen die Jewish Agency und Hagana vorzugehen. Ende Juni 1946 sicherten die Briten in der großangelegten Operation Agatha Dokumente und Waffen und verhafteten mehr als 2700 Personen. Als Reaktion darauf planten Hagana, Irgun und Lechi einen Bombenanschlag auf das King David Hotel, wo die britische Mandatsbehörde und die britische Armee ihr Hauptquartier hatten. Die Durchführung übernahm Irgun. Die Hagana hoffte, dass die Bomben die von den Briten beschlagnahmten hochsensiblen Dokumente vernichten würden, welche eine Zusammenarbeit der Jewish Agency und der Hagana mit Irgun und Lechi belegten. Bei dem Angriff am 22. Juli 1946 starben 91 Personen, die meisten davon Zivilisten.

Im Dezember 1947 griff Palmach, die Elite-Einheit der Hagana, das arabische Dorf Balad Al-Sheikh an, tötete rund 60 Dorfbewohner und zerstörte mehrere Dutzend Häuser. Am 6. Januar 1948 tötete Hagana mit einer Bombe 24 (nach anderen Zahlen 26) Zivilisten im Semiramis-Hotel. Die Explosion löste eine „Panikflucht“ aus dem wohlhabenden arabischen Viertel aus.Benny Morris: 1948 : a history of the first Arab-Israeli war. Yale University Press, New Haven/London 2008. ISBN 978-0-300-12696-9Sumantra Bose: Contested Lands: Israel-Palestine, Kashmir, Bosnia, Cyprus, and Sri Lanka, S. 230 Während Benny Morris schreibt, die Hagana habe „gelegentlich unbeabsichtigt Terror angewandt“, bezeichnet Maher Charif die Hagana als eine der „zionistischen Terrorbanden“ nebst Irgun, Stern und Lechi. In der arabischen und palästinensischen Literatur wird die Hagana zum Teil als reguläre Streitkraft, zum Teil als terroristische Organisation eingestuft.

In den 11 Jahren vor der Staatsgründung 1948 führten zionistische Extremistengruppen über 57 Gewaltakte durch, bei denen mehr als 5.000 Palästinenser und Dutzende von Briten getötet wurden. Ziel war es, britische Behörden zu vertreiben und unter den palästinensischen Bewohnern Massenpanik und Flucht auszulösen. Der jüdische Terrorismus war laut Morris einer der Gründe, weshalb Großbritannien das Mandat über Palästina 1947 an die Vereinten Nationen zurückgab.

Israelische Staatsgründung (1948) Während des arabisch-israelischen Kriegs nach der Staatsgründung Israels vertrieben die israelische Armee und paramilitärische Truppen die palästinensische Bevölkerung. Die Vertreibung erfolgte durch Massaker, Morde und eine Vielzahl von Maßnahmen, die darauf abzielten, die Zivilbevölkerung zu terrorisieren und ihre Flucht zu beschleunigen. Während dieser ethnischen Säuberungen wurden zahlreiche Massaker verübt, darunter das Massaker von Deir Yasin, das Tantura-Massaker und die Massaker in Sa'sa'.

Oslo-Friedensprozess Das Massaker in der Grotte der Patriarchen wurde am 24. Februar 1994 von Baruch Goldstein verübt, einem US-amerikanisch-israelischen Sanitätsoffizier der israelischen Armee. Er eröffnete von hinten das Feuer auf die betenden muslimischen Palästinenser und tötete dabei 29 Menschen und verletzte mindestens 150; unter den Opfern befanden sich zahlreiche Kinder.Mark Juergensmeyer Terror in the Mind of God Fourth Edition The Global Rise of Religious Violence. University of California Press. 4. Auflage 2017. ISBN 978-0-520-29135-5. S. 61–67 Goldstein war ein angesehenes Mitglied der Gemeinde von Kirjat Arba und eine zentrale Persönlichkeit der Kahane-Bewegung. Er lehnte den Oslo-Friedensprozess ab und war frustriert von der damit verbundenen Übergabe wichtiger Städte im Westjordanland an die Palästinensische Autonomiebehörde. Wenige Stunden nach dem Massaker veröffentlichten die Kahanisten eine Erklärung, in welcher sie schrieben, „Die Mitglieder von ‚Kahane Chai‘ trauern um den Märtyrer Baruch Goldstein, der heute Morgen in Hebron bei der Heiligung des Namens Gottes ums Leben kam.“ Kach und Kahane Chai wurden daraufhin von der israelischen Regierung als terroristische Organisation verboten.

Das Oslo-Abkommen, welches am 13. September 1993 unterzeichnet wurde, führte zu einer Krise der religiösen Zionisten und Siedler, welche gegen den Friedensprozess protestierten. Sie sahen den Friedensprozess als Bedrohung ihrer Vision von Großisrael und eines jüdischen Gottesstaats und versuchten mit mehreren Terrorangriffen, die Umsetzung des Abkommens zu verzögern. Einzelne Rabbiner riefen offen zu Gewalt gegen den Staat auf und zahlreiche Pamphlete diskutierten religiöse Rechtfertigungen für die Tötung von Jitzhak Rabin. Am 4. November 1995 wurde Rabin vom religiösen Zionisten Jigal Amir aus nächster Nähe erschossen. Amir hatte vorgängig zahlreiche Studentenproteste gegen den Oslo-Friedensprozess und Rabin organisiert und Ende 1993 damit begonnen, Waffen und Munition zu beschaffen, um eine Untergrundorganisation zu bilden, und gemeinsam mit seinem Bruder den Mord an Rabin geplant.

21. Jahrhundert

Israelische Siedlergewalt

Gemäß Zahlen aus dem Jahr 2025 leben rund 700.000 israelische Siedler im von Israel besetzten Westjordanland. Die Siedlungen sind nach internationalem Recht illegal; durch die israelische Regierung wurden einige von ihnen anerkannt. Das Ausmaß des jüdischen Terrorismus gegen die im Westjordanland lebenden Palästinenser hat sich von vereinzelten, lokal begrenzten Vorfällen zu einem weit verbreiteten Phänomen entwickelt, das im Rahmen des umfassenderen Kampfes um die Kontrolle über das Gebiet und der zunehmenden Bemühungen, die palästinensische Präsenz vor allem aus dem C-Gebiet zu verdrängen, stattfindet. Der zunehmende Terrorismus jüdischer Siedler gegen die palästinensische Bevölkerung wird von verschiedenen Quellen als Bedrohung der Sicherheit Israels bewertet. Israelische Behörden bezeichneten die Siedler-Untergrundbewegungen bereits 2015 als „anarchistisch“ und „antizionistisch“; ihr Ziel sei es, die israelische Regierung zu stürzen und ein neues israelisches „Königreich“ zu errichten, das nach der Halacha (dem jüdischen Gesetz) regiert würde. Nach einem Brandanschlag im Westjordanland im Juli 2015, bei dem ein palästinensisches Kleinkind und sein Vater starben und weitere Personen schwer verletzt wurden, erlaubte das Verteidigungsministerium die Verhängung der Administrativhaft auch gegen jüdische Extremisten, dies wurde vom neuen Verteidungsminister Israel Katz jedoch Anfang 2025 wieder aufgehoben und die 7 noch in Haft befindlichen Siedler wurden entlassen. Shin Bet warnte mehrmals, dass die terroristischen Siedler eine Gefahr für die Staatssicherheit darstellen. Die Siedlungen und Außenposten, von denen viele Angriffe ausgehen, erhalten von der israelischen Regierung finanzielle Unterstützung. Seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel 2023 nahmen die Angriffe israelischer Siedler auf Palästinenser zu. Palästinenserinnen und Palästinenser wurden von Siedlern gefoltert und sexuell missbraucht, ihre Habseligkeiten und ihr Vieh gestohlen, ihnen wurde mit dem Tod gedroht, sollten sie nicht endgültig wegziehen, und ihre Häuser und Schulen wurden zerstört. Viele Palästinenser, darunter ganze Gemeinden, sind aus ihren Häusern und von ihrem Land geflohen. Das israelische Militär schützt die Palästinenser nicht vor Übergriffen, verfolgt die israelischen Täter nicht und garantiert den gewaltsam Vertriebenen auch keine Sicherheit bei einer Rückkehr.

Das Phänomen der Price-Tag-Angriffe begann etwa im Jahr 2008. Dabei handelt es sich um Hassverbrechen, die von extremistischen jüdisch-israelischen Siedlern begangen werden. Sie umfassen unter anderem die Zerstörung von Eigentum, Brandstiftung an Fahrzeugen oder Moscheen und hasserfüllte Graffiti. Die Angriffe richten sich insbesondere gegen Eigentum, das mit Arabern, Christen, säkularen Israelis und israelischen Soldaten in Verbindung gebracht wird. Der Name leitet sich von den Worten „Price tag“ (Preisschild) ab, die am Tatort hinterlassen werden können – mit der Behauptung, der Angriff sei ein „Preis“ für Siedlungen, zu deren Aufgabe die Regierung sie gezwungen habe, sowie eine Vergeltung für palästinensische Angriffe auf Siedler.

Terroristische Gruppen Beispiele religiös motivierter terroristischer Organisationen in Israel (chronologisch nach Gründungsjahr):

1950er