Die Ziege und der Wolf ist ein tadschikisches Tiermärchen (AaTh 122 C).Isidor Levin (Hrsg.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen vom Dach der Welt – Überlieferungen der Pamir-Völker. Eugen Diederichs Verlag, 1986, S. 219–221, 331. Übersetzt von Gisela Schenkowitz.
Handlung Ein Kirgise hatte eine Zuchtziege, die ihm schon etliche Zicklein zur Welt gebracht hatte. Als sie alt wurde, sprach der Kirgise mit einem Freund darüber, sie zu schlachten, was die Ziege hörte. Da wurde sie ganz traurig, ließ den Kopf hängen und merkte dabei nicht, wie sie einen anderen Weg nahm und sich von der Herde trennte. So begegnete sie dem Wolf, doch da sie nichts zu verlieren hatte und nicht im Stande war wegzurennen, ging sie auf diesen zu, sodass dieser erstaunt über ihre Kühnheit war. Die Ziege grüßte den Wolf und erzählte ihm ihre Geschichte sowie dass sie ihn gesucht hatte, um gefressen zu werden, jedoch müsse er dafür singen. Da heulte der Wolf aus voller Kehle, wodurch er von drei kirgisischen Hunden aufgespürt wurde. Zu Tode erschreckt sprang er in Panik einen steilen Abhang hinunter und brach sich den Rücken, bestaunt von der Ziege und den Hunden, am Abhang der Klippe.
Hintergrund Das Märchen erhielt im Deutschen in Isidor Levins Die Märchen der Weltliteratur – Märchen vom Dach der Welt – Überlieferungen der Pamir-Völker (1986) den Titel Die Ziege und der Wolf.
Eine bengalische Variante erzählt von einer alten Frau, die ihre Enkelin besucht, unterwegs aber nacheinander auf Schakal, Tiger und Bär trifft, die sie fressen wollen. Sie sagt diesen, dass sie sich bei ihrer Enkelin dick essen wird, woraufhin sie ziehen gelassen wird. Für die Rückkehr lässt sich die Gelabte in eine Gurke stecken, die heim rollt, womit Bär und Tiger nichts anfangen können. Der Schakal kommt der Alten jedoch auf die Schliche, woraufhin sie ihn bittet mit ihr zu singen, was die beiden Hunde der Alten auf den Schakal aufmerksam macht, der zerrissen wird. Das Märchen stammt aus Upendrakishore Ray Chowdhuris Tuntunir Bai (Calcutta 1911, Nr. 7) und erhielt in Heinz Modes und Arun Rays Bengalische Märchen (Leipzig 1984) den Titel Die alte bucklige Frau.Heinz Mode, Arun Ray (Hrsg.): Bengalische Märchen, Insel-Verlag, Leipzig 1984, S. 183–190, 428–430.
Chowdhuris Variante sehr nahe steht die Variante von F. A. Steel und R. C. Temple aus dem Werk Wide Awake Stories (Bombay / London 1884, S. 69 ff.), die bei Mode und Ray den Titel Das Lämmlein bekam. Nachdem das in einer Trommel zurückrollende Lämmlein mehreren Tieren entkommen kann, frisst der Schakal es. Nach Stith Thompsons und Warren E. Roberts’ Types of Indic Oral Tales (Helsinki 1960) wurde diese Variante Typ 122 J zugeordnet.
Literatur Isidor Levin (Hrsg.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen vom Dach der Welt – Überlieferungen der Pamir-Völker. Eugen Diederichs Verlag, 1986, S. 219–221, 331. Übersetzt von Gisela Schenkowitz. Heinz Mode, Arun Ray (Hrsg.): Bengalische Märchen, Insel-Verlag, Leipzig 1984, S. 183–190, 428–430.
Einzelnachweise
Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Tadschikisch) Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Tiermärchen Kategorie:Ziege in der Kultur Kategorie:Wolf in Kunst und Literatur