Hans-Günter Wagner (* 1957) ist ein deutscher Autor und Übersetzer, der hauptsächlich mit Veröffentlichungen zu den Themen Buddhismus und Daoismus sowie zu beruflicher Bildung und alternativer Ökonomie bekannt wurde.
Biografie Nach einer kaufmännischen Ausbildung und Abitur auf dem zweiten Bildungsweg studierte Wagner Wirtschaftswissenschaften, Wirtschaftspädagogik, Anglistik und chinesische Sprache und wurde 1994 mit einer Arbeit über „Umweltlernen und berufliches Handeln“ zum Dr. rer. pol. an der Universität Kassel promoviert. Neben langjähriger Tätigkeit als Chinesisch- und Englischlehrer sowie Dozent für Betriebswirtschaft war er in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit tätig. Für die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) war von 1995 bis 2003 zunächst Projektmanager in Shanghai und später in Beijing Leiter des Geschäftsbereichs Berufliche Bildung und Qualifizierung in China. Von 2004 bis 2008 war er in Beijing European Director des „EU-China European Studies Centres Programme“ an chinesischen Hochschulen. In dieser Zeit war er auch Dozent an der Ligong-Universität in Beijing. Von 2010 bis 2011 leitete er den von der Bundesregierung geförderten Aufbau einer dualen Berufsakademie an der Aleksandër Moisiu Universität in Durrës (Albanien). Heute ist er Autor und Übersetzer. Er ist ständiger Kolumnist der Zeitschrift „Ursache\Wirkung“, Mitglied des Editorial Board des „International Journal of Green Economics“ sowie Mitbetreiber des „Netzwerks Buddhismus“, das u. a. ein Forum für den Austausch zwischen Wissenschaft und Buddhismus bietet. Hans-Günter Wagner ist seit 1990 mit der Sozialarbeiterin Dagmar Wagner verheiratet.
Arbeitsschwerpunkte Gesamtdarstellungen des Daoismus und des chinesischen Buddhismus. Lyrik des chinesischen Chan-Buddhismus. Kritik an guruistischen Erscheinungsformen des westlichen Buddhismus sowie des Buddhismus als institutionalisierter Religion. Bioökonomie und Green Economics als alternative Paradigmen wirtschaftlichen Handelns. Übersetzungsschwerpunkte: chinesische Chan-Lyrik, Sutren des chinesischen Buddhismus, buddhistische Fabeln und Legenden, altchinesische Volkslyrik, die Dichtung Wang Weis, klassische Texte zur Sexualhygiene und den Schlafkammerkünsten.
Rezensionen Wagners Bücher zum Daoismus und zum chinesischen Buddhismus gelten inzwischen als deutsche Standardwerke zu diesen beiden Religionen. So schreibt der Sinologie Florian C. Reiter u. a. über „Buddhismus in China. Von den Anfängen bis in die Gegenwart“: „... ein wunderbares, informationsgeladenes und einmalig umfassendes Buch zu Buddhismus in China […] welches für jede Bibliothek und für jeden Studenten des Buddhismus nachdrücklich empfohlen sei.“ Carsten Krause konstatiert zu diesem Werk allerdings kritisch, dass ein „unvermittelte[s] Entweder-Oder sich nur begrenzt mit den vorherigen Erklärungen eines wechselhaften, bipolaren Sowohl-als-Auch [verträgt]“. Über „Der Daoismus. Chinas indigene Religion und Philosophie“ stellt Martina Darga fest: „Es gibt derzeit kein anderes deutschsprachiges Werk, das den Daoismus so umfangreich, kenntnisreich und lebendig darstellt.“ Eric Maes schreibt über die Übersetzung des Zapiyu-Sutra: „Es ist ein Schatz an alten Märchen, welche die Lehre für das Volk im Alltag zugänglicher machen sollten. Eine grandiose Arbeit und Übersetzungsleistung!“ Yuki Daniel Wuthenow stellt über das gleiche Werk fest: „… noch beeindruckender ist die Art seiner Übertragung ins Deutsche, die durchgehend einen flüssigen, lebendigen Stil bietet, der Langatmigkeit vermeidet. Die Texte wirken so, als seien sie direkt auf Deutsch geschrieben worden […] nirgendwo entsteht der Eindruck, der deutsche Text biete kein adäquates Äquivalent.“ David Patrick Zwadlo bemerkt über „Wie die Wolken am Himmel – Die Dichtung des Chan-Buddhismus“ jedoch kritisch: „… das Buch [wartet] mit einer komplizierten und teilweise umständlichen Sprache auf, wird durch die Schönheit der Gedichte jedoch immer wieder aufgelockert.“
Werke Buddhismus und Daoismus Wie die Wolken am Himmel – Die Dichtung des Chan-Buddhismus, YinYang Media-Verlag, Frankfurt/Main 2007, ISBN 978-3-935727-13-6. Buddhismus in China – Von den Anfängen bis in die Gegenwart, Verlag Matthes & Seitz Berlin, Berlin 2020, ISBN 978-3957578440. Der Daoismus – Chinas indigene Religion und Philosophie. Lehren. Praktiken. Wirkungen. Origo-Verlag, Bern 2025, ISBN 978- 3-282 00214-6. Buddhismus. Eine Spurensuche in der westlichen Kultur. Origo Verlag. Bern 2026, ISBN 978-3-2820-0217-7. Morgenlicht über dem Abendland. Der Buddhismus im Westen zwischen Vernunftreligion, Wellnesslehre und Guru-Kult. Verlag Matthes & Seitz Berlin, Berlin 2026, ISBN 978-3-7518-0368-7.
Übersetzungen (Auswahl) Altchinesische Volkslyrik (Guofeng) – Aus dem Buch der Lieder und Gedichte. Ins Deutsche übertragen von Hans-Günter Wagner, YinYang Media-Verlag, Frankfurt/Main 2007, ISBN 978-3-93572712-9. Das Kostbarste im Leben – Geschichten und Anekdoten des Chan-Buddhismus, Kristkeitz Verlag, Heidelberg 2009, ISBN 978-3-932337-26-0. Unvollkommen die Worte und alle Rede darüber – Die Lyrik des Chan-Buddhismus – Band 1, Verlag Beyerlein und Steinschulte, Stammbach 2009, ISBN 978-3-931095-81-9. Kommen und Gehen – kein Unterschied – Die Lyrik des Chan-Buddhismus – Band 2, Verlag Beyerlein und Steinschulte, Stammbach 2009, ISBN 978-3-931095-81-9. Hoch wie die Berge, tief wie das Meer – Die Lyrik des Chan-Buddhismus – Band 3, Verlag Beyerlein und Steinschulte, Stammbach 2009, ISBN 978-3-931095-81-9. Doch ewig währt, was aus Liebe geschieht – Buddhistische Legenden, Kristkeitz Verlag, Heidelberg 2010, ISBN 978-3-932337-39-0. Das Sutra der Hundert Gleichnisse – Buddhistische Weisheit für das Alltagsleben, Verlag Beyerlein und Steinschulte, Stammbach 2012, ISBN 978-3-931095-84-0. Still hören ist besser als laut zu beten – Buddhistische Fabeln und Gleichnisse, Reichert Verlag, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-932337-39-0. Maurica Wang: Mein Leben ist es nicht wert erzählt zu werden (我的生活不值的记述). Moderne chinesische Lyrik. Zweisprachige Ausgabe, BoD, Norderstedt 2020, ISBN 978-3-750-4930-18. Das vollständige Zapiyu-Sutra. Sutra der vermischten Gleichnisse (杂譬喻經). Aus dem Chinesischen von Hans-Günter Wagner, Reclam Verlag, Ditzingen 2020, ISBN 978-3-15-011259-5.
Berufsbildung und alternative Ökonomie (Auswahl) Umweltlernen und berufliches Handeln – Eine empirische Untersuchung des Umweltbewußtseins von Speditionskaufleuten und Skizzierung der Grundlinien eines ganzheitlich-integrativen Konzepts ökologischen Lernens für kaufmännische Berufe. Diss. Gesamthochschule Kassel 1994, (Haag und Herchen). Frankfurt/Main 1994, ISBN 3-86137-273-8. Tradition – Ideologie – Funktion. Hochschulleben und Gesellschaft in China, in: Prisma – Wissenschaftliche Zeitschrift der Universität Gesamthochschule Kassel (November 1994), Nr. 49, S. 30–37. Bioökonomie – Die nachhaltige Nischenstrategie des Menschen, (Haag und Herchen), Frankfurt/Main 1997, ISBN 3-86137-585-0; Neuauflage 2020 (Diplomica Verlag), ISBN 978-3-96146-744-0. Deutsch-chinesische „Lern-Konflikte“ – Berufspädagogische Paradigmen im Spannungsfeld unterschiedlicher soziokultureller Orientierungen, in: Zeitschrift für Berufs- und Wirtschaftspädagogik (ZBW), Bd. 95, Heft 3 (1999), S. 344–362. Einige praktische Erfahrungen mit handlungsorientierten Lehr- und Lernformen in der chinesischen Berufsbildung, in: Berufsbildung, Heft 69 (2001), S. 41–43. Buddhist Economics – Ancient Teachings Revisited, in: International Journal of Green Economics, Bd. 1, Nr. 3/4 (2007), S. 326–340. Geld, Arbeit und Natur in der Buddhistischen Ökonomie, in: Zeitschrift für Sozialökonomie, 47. Jg. (Oktober 2012), 174/175. Folge, S. 46–56. Die Wirtschaftsethik der Hindu-Religionen – eine Annährung, in: Zeitschrift für Sozialökonomie, 48. Jg. (April 2013), 175/176. Folge, S. 47–59. Greening or Growing – Conflicting Paradigms in Chinese Business Ethics, in: Nelly Eysholdt / Miriam Kennet: Green Culture, Cultures and Philosophy Green Economics Institute. Reading 2016. S. 103–128. Green Economics and the Hindu Ethics of Economic Action – A Comparison of some Common Features and Striking Similarities, in: K. Prendushki / M. Kennet, M.: Proceedings of the Green Values, Religion and Secularism. Seminar at Oxford University 30th July 2016. Published by the Green Economics Institute. UK 2016. Zwischen Vernunft und Emotion – Wirtschaftsethische Paradigmen im Spannungsfeld von Markthandeln, akademischen Debatten und der Macht sozialer Bewegungen. Erster Teil: Historischer und moderner Diskurs, in: Zeitschrift für Sozialökonomie, 54. Jg. (April 2017), 192/193. Folge, S. 11–20. Zwischen Vernunft und Emotion – Wirtschaftsethische Paradigmen im Spannungsfeld von Markthandeln, akademischen Debatten und der Macht sozialer Bewegungen. Zweiter Teil: Paradigmatische Kontroversen, in: Zeitschrift für Sozialökonomie, 54. Jg. (Oktober 2017), 194/195. Folge, S. 50–58. Economic discourse and global empathy: the philosophical foundations of green and ecological paradigms in economics, in: International Journal of Green Economics, Bd. 19, Nr. 1 (2025), S. 1–19.
Weblinks
Website von Hans-Günter Wagner
Einzelnachweise
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