Der Große Atlantische Sargassum Gürtel, auch Great Atlantic Sargassum Belt (GASB), ist ein großräumiges Vorkommen treibender Braunalgen der Gattung Sargassum (Golftange) im tropischen Atlantik. Das Phänomen tritt seit den frühen 2010er Jahren verstärkt auf und erstreckt sich saisonal von Westafrika bis in die Karibik und den Golf von Mexiko. Es gilt als das größte bekannte zusammenhängende Algenvorkommen im offenen Ozean und beeinflusst sowohl marine Ökosysteme als auch Küstenregionen erheblich.

Entwicklung mini|hochkant=1.35|Die Entwicklung des Gürtels zwischen 2011 und 2018 Ungewöhnlich große Sargassum-Anlandungen wurden erstmals 2011 in der Karibik dokumentiert. In den Folgejahren bestätigten satellitengestützte Analysen die wiederkehrende Ausbildung eines transatlantischen Algenbandes. Eine besonders ausgeprägte Ausdehnung wurde 2018 beobachtet, als sich ein mehrere tausend Kilometer langer Gürtel mit einer geschätzten Biomasse von über 20 Millionen Tonnen bildete. Seither wird das Phänomen als wiederkehrend und strukturell etabliert angesehen.Elizabeth M. Johns, Rick Lumpkin, Nathan F. Putman, Ryan H. Smith, Frank E. Muller-Karger, Digna T. Rueda-Roa, Chuanmin Hu, Mengqiu Wang, Maureen T. Brooks, Lewis J. Gramer, Francisco E. Werner, The establishment of a pelagic Sargassum population in the tropical Atlantic: Biological consequences of a basin-scale long distance dispersal event Progress in Oceanography 182 (102269), 2020, ISSN 0079-6611. (englisch)Scientists Discover the Biggest Seaweed Bloom in the World – NASA Earth Observatory 09.07.2019. (englisch)James Gower, Stephanie King, Seaweed, seaweed everywhere. Floating Sargassum seaweed species are spreading in the Atlantic Ocean, Science, 2019, Bd. 365 (6448), S. 27. (englisch)C. Hu et al (2016), Satellite-based Sargassum Watch System (SaWS). Optical Oceanography Laboratory. College of Marine Science, University of South Florida. (englisch)Größter Algenteppich im Atlantik entdeckt – FAZ, 04.07.2019.

Eigenschaften Sargassum bildet im offenen Ozean schwimmende Matten, die als Lebensraum für zahlreiche Arten dienen. Fische, Krebstiere, Meeresschildkröten und Seevögel nutzen diese Strukturen als Nahrungsquelle, Schutzraum und Aufzuchtgebiet. In moderaten Mengen trägt das Vorkommen zur biologischen Vielfalt pelagischer Ökosysteme bei.Warum Braunalgen gerade karibische Strände überschwemmen – SZ, 09.06.2025.

Ursachen Die Ausbreitung des Great Atlantic Sargassum Belt wird auf ein Zusammenwirken mehrerer Faktoren zurückgeführt. Dazu zählen steigende Meeresoberflächentemperaturen, Veränderungen von Strömungssystemen sowie erhöhte Nährstoffeinträge. Letztere stammen insbesondere aus dem Amazonasgebiet, wo landwirtschaftliche Abwässer große Mengen an Stickstoff und Phosphor in den Atlantik eintragen und das Algenwachstum fördern.M. Wang, C. Hu, BB. Barnes, G. Mitchum, B. Lapointe, JP. Montoya, The great Atlantic Sargassum belt, Science 365 (6448), 2019, S. 83–87. (englisch)D. M. Baker, M. Wang, Climate change fuels the Great Atlantic Sargassum Belt, Nature Geoscience 18, 2025, 1185–1186. (englisch)

Auswirkungen Ökologie In hoher Konzentration wirkt sich Sargassum negativ auf marine Lebensräume aus. Dichte Algenmatten reduzieren die Lichtverfügbarkeit für Korallenriffe. Beim Abbau abgestorbener Biomasse wird Sauerstoff verbraucht und es werden potenziell schädliche Stoffe freigesetzt. Küstennah können angeschwemmte Algen Lebensräume überdecken und die Fortpflanzung von Meeresschildkröten beeinträchtigen.Brigitta Tussenbroeg, Héctor Hernández-Arana, Rosa Rodríguez-Martínez& Julio Espinoza-Avalos, Hazel Canizales, Godoy Gonzalez, Barba-Santos Estrella, María-Guadalupe & Alejandro Vega-Zepeda, Liga Collado-Vides, Severe impacts of brown tides caused by Sargassum spp. on near-shore Caribbean seagrass communities. Marine Pollution Bulletin 122 (10.1016), 2017. (englisch)R. E. Rodríguez-Martínez, E. G. Torres-Conde J. Rosellón-Druker, N. Cabanillas-Terán U. Jáuregui-Haza, The Great Atlantic Sargassum Belt: Impacts on the Central and Western Caribbean – a review, Harmful Algae, 102838, 2025. (englisch)

Tourismus Seit 2011 kommt es in der Karibik und an der Riviera Maya regelmäßig zu massiven Anlandungen. Die Zersetzung setzt Schwefelverbindungen frei, die zu Geruchsbelastung sowie gesundheitlichen Beschwerden führen können. Gleichzeitig beeinträchtigen verschmutzte Strände den Tourismus, der in vielen betroffenen Regionen eine zentrale wirtschaftliche Rolle spielt."Die Natur bäumt sich auf" – Tagesschau, 16.04.2023.Algen belästigen die Karibikküste Mexikos – Planet Mexiko

Bekämpfung und Management Zur Reduktion der Belastung werden mechanische Maßnahmen eingesetzt, darunter das Einsammeln im Meer, schwimmende Barrieren und die Räumung an Stränden. Staatliche Programme, etwa in Mexiko, koordinieren den Einsatz von Personal und Spezialtechnik. Trotz erheblicher Aufwendungen bleibt die Wirksamkeit begrenzt, da die Zufuhr neuer Biomasse anhält.Secretaría de Marina, MARINA informa acciones en el marco de la estrategia para atención al sargazo 2021. Comunicado de prensa núm, 103/2021, 13.11.2021. (spanisch)

Nutzung und wirtschaftliche Ansätze Forschung und Privatwirtschaft untersuchen Möglichkeiten zur Nutzung der Biomasse. Dazu zählen Anwendungen als Dünger, Biotreibstoff, Baustoff oder Ausgangsmaterial für Konsumgüter. Ziel ist es, ökonomische Anreize für die Entfernung der Algen zu schaffen und die Belastung zu mindern.Braunalgen: Plage an den Stränden Mexikos – National Geographic, 29.06.2025.

Zukunftsperspektiven Langfristig wird die Entwicklung des Great Atlantic Sargassum Belt von klimatischen Veränderungen und Nährstoffeinträgen bestimmt. Fachleute sehen in der Reduktion landbasierter Überdüngung sowie im Klimaschutz zentrale Voraussetzungen, um die Intensität der Algenblüten zu begrenzen. Ohne entsprechende Maßnahmen ist von einer anhaltenden oder zunehmenden Dynamik auszugehen.United Nations Environment Programme, Sargassum White Paper: Turning the Crisis into an Opportunity. Ninth Meeting of the Scientific and Technical Advisory Committee (STAC) to the Protocol Concerning Specially Protected Areas and Wildlife (SPAW) in the Wider Caribbean Region. (Kingston, Jamaica 2021). (englisch)

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Einzelnachweise

Kategorie:Meeresbiologie