mini|Die Kirche im Jahr 2017 mini|Im Kreuzgang des Klosters mini|San Giovanni Battista im Plan des Jacopo de’ Barbari, angefertigt um 1500 (Detail) Santi Cosma e Damiano, vereinfacht auch San Cosmo genannt, ist eine ehemalige Kirche nebst Kloster auf der Giudecca, einer Inselkette am Südrand des historischen Zentrums der Stadt Venedig. Ab 1887 wurde der Komplex an der Calle S. Cosmo von den aus Deutschland stammenden Brüdern Herion in eine Strickwaren- und Textilfabrik umgewandelt. Das Benediktinerkloster nebst Kirche entstand auf Initiative der Äbtissin Marina Celsi in den Jahren 1481–1492. Der zu dieser Zeit entstandene Campanile ist 23 m hoch.Cesare Augusto Levi: I campanili di Venezia. Notizie storiche, Ferdinando Ongania, Venedig 1890, S. 27.
Geschichte Das Kloster, der Teil des Komplexes, der zuerst errichtet wurde, entstand gegen Ende des 15. Jahrhunderts auf Veranlassung der Adligen Marina Celsi, einer Benediktinerin und ehemaligen Äbtissin des Klosters San Maffio auf der Insel Murano. Sie wurde zunächst Äbtissin im Kloster Sant’ Eufemia di Mazzorbo. Doch war ihr das dortige Leben zu weltlich, und so wollte sie sich, gemeinsam mit Schwester Donata Trevisana, in das Haus ihres Bruders zurückziehen. Schließlich wollte sie auf der Giudecca den Heiligen Cosmas und Damian ein Kloster stiften, wozu sie eine Frau namens Elena aufsuchen sollte. Diese Elena schenkte ihr nicht nur das von ihr bewohnte Haus, sondern auch die übrigen Häuser, die in ihrem Besitz waren. Über ihren Unterhändler Zaccaria Barbaro erlangte sie die Unterstützung des Dogen Giovanni Mocenigo, der wiederum den Senat von dem Vorhaben eines Klosterbaus überzeugte. So erhielt sie am 7. Mai 1481 von Papst Sixtus IV. die Erlaubnis zur Errichtung eines Klosters für Observantinnen des Benediktinerordens.Marcello Brusegan: La grande guida dei monumenti di Venezia. storia, arte, segreti, leggende, curiosità, Newton & Compton, 2005, S. 340. Am 20. Juli 1481 legte der Patriarch Maffeo Gherardi, wie Corner fortsetzt, den Grundstein. Fertiggestellt am 21. März 1492 blieb Marina Celsi, noch immer Äbtissin des Klosters auf Mazzorbo, noch weiter 27 Jahre lang Äbtissin auf der Giudecca. Doch 1519 sollte sie, schon hoch betagt, auf der Insel San Secondo das dortige Kloster reformieren. So wurde sie 1521 bis zu ihrem Tod auch dort Äbtissin, wenn auch nur zur Unterstützung der dortigen Klosterführung. Nachdem die dortigen Nonnen gestorben waren oder das Kloster aufgegeben hatten, gelangten dessen Pertinenzen an das Kloster auf der Giudecca. Marina Celsi starb am 25. August 1523 im Alter von 91 Jahren. Die an das Kloster angrenzende Kirche war bereits im ersten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts erbaut worden, wurde jedoch erst am 30. Mai 1583 vom Bischof von Caorle Giulio Superchio geweiht.
Flaminio Corner verschweigt, dass sich die Kirche Sant’Eufemia (nicht die auf Mazzorbo, sondern die auf der Giudecca) gegen die Ansiedlung des Klosters in unmittelbarer Nachbarschaft wehrte. Als die Nonnen von San Cosma e Damiano auf ihrem Grund eine neue und größere Kirche errichten wollten (südlich der Kirche), behinderte das Kapitel von Sant’Eufemia den Verkauf der umfangreichen Grundstücke mitsamt den darauf befindlichen Häusern. Erst mit Hilfe des Senats gelang es, diesen Plan 1541 durchzusetzen.Benjamin Paul: Nuns and Reform Art in Early Modern Venice. The Architecture of Santi Cosma e Damiano and its Decoration from Tintoretto to Tiepolo, Routledge, 2017.
Das Kloster wurde mit römischen Reliquien aus den dortigen Katakomben ausgestattet.Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 531–533. Die Zahl der im Kloster lebenden Frauen stieg zunächst stark an. So waren es im Jahr 1500 nur 32 Nonnen, 1508 waren es mehr als 100 und 1519 immerhin noch 75. mini|Giovanni Buonconsiglio: Benedetto, Tecla e Cosma, Gallerie dell'Accademia Das Kloster auf der Giudecca bewohnten junge Adlige, die beträchtliche Erbschaften mitbrachten, und in kurzer Zeit vergrößerte sich der Komplex, der über beträchtliche Mittel verfügte, die auch der Ausstattung der Räumlichkeiten dienten. So wurde die Kirche mit Kunstwerken wie dem Altarretabel von Giovanni Buonconsiglio von 1497 ausgestattet, das die Heiligen Cosmas, Damian, Benedikt, Euphemia, Dorothea und Thecla darstellt. mini|Giambattista Tiepolo: Miracolo del serpente di bronzo mini|Giovanni Battista Pittoni: Moltiplicazione dei pani e dei pesci, 1725, National Gallery of Victoria, Melbourne 1672 freskierte der römische Maler Girolamo Pellegrini († um 1700) die Kuppel mit einer Trinità e Assunta.Eine Abbildung findet sich hier: Steffi Roettgen: Vicende e fortuna della pittura murale nella Serenissima, in: Elisabeth Kieven, Susanna Pasquali (Hrsg.): Storia dell'architettura nel Veneto: il Settecento, Venedig 2012, S. 76–109, hier: S. 79 (online, PDF). Im 18. Jahrhundert war die Kirche mit Werken weiterer bedeutender Künstler wie Jacopo Palma der Jüngere, Tintoretto (Die in Wolken thronende Madonna mit Kind und den Heiligen Caecilia, Georg, Antonius von Padua, Cosmas und DamianHenry Thode: Tintoretto. Kritische Studien über des Meisters Werke, in: Repertorium für Kunstwissenschaft, Berlin/Stuttgart 1901, S. 7–35, hier: S. 10 (online).), Giovanni Battista Tiepolo (Moses und die bronzene Schlange, Fries unter dem Chor platziert, von 1731 bis 1732), Padovanino, Giovanni Battista Pittoni (Brotvermehrung von 1725), Giambattista Crosato, Francesco Polazzo (1682–1752), Antonio Molinari, Angelo Trevisani (Christus vertreibt die Händler aus dem Tempel von 1732), Pietro Liberi, Sebastiano Ricci (Transport der Arche Noah und König Salomon spricht zum Volk von 1697–1698 und Moses lässt Wasser aus dem Felsen hervorsprudeln von 1728) und Girolamo Brusaferro († 1760). Der Altar der Seligen Jungfrau vom Rosenkranz, der später verloren ging, wurde von Antonio Gaspari zwischen 1708 und 1710 erbaut.
Unter Napoleon wurden die meisten Kunstwerke ab 1805 in alle Winde verstreut, darunter Riccis Bilderzyklus, zu dem auch andere Künstler beigetragen hatten, und der zerlegt und verkauft wurde, so dass sich die einzelnen Bilder an verschiedenen Orten befinden.Raffaella Poltronieri: Ricci, Sebastiano. in: Dizionario Biografico degli Italiani, Bd. 87, 2016. Nur ein Dutzend davon werden in Museen oder anderen Kirchen aufbewahrt. Die Leinwand, die David beim Tanzen vor der heiligen Arche von Sebastiano Ricci zeigt, sowie das Altarbild mit der Vertreibung der Kaufleute aus dem Tempel durch Angelo Trevisani wurden 1806 beschlagnahmt und 1809 nach Mailand überführt.
Das leerstehende Gebäude wurde zur Kaserne umgebaut, dann zum Krankenhaus, schließlich ab 1887 zu einer Fabrik zur Herstellung von Garnen und Textilprodukten der Firma Maglierie Herion, die seit zehn Jahren in Venedig ansässig war. Unter der Kuppel der Kirche wurde ein separater Raum für Büros oder Wohnzwecke geschaffen.
Mitte der 1990er Jahre ging das ehemalige Kloster an die Gemeinde Venedig über, die nach einer aufwändigen Restaurierung neben Sozialwohnungen zwölf Kunsthandwerkstätten auch vier große Räume von etwa 400 m² anlegen ließ. Außerdem wurde der Kreuzgang aus dem 15. Jahrhundert und ein Garten von etwa 4.000 m² Fläche für die gemeinsame Nutzung wiederhergestellt. Im Kirchenschiff blieb die Verteilung auf drei Ebenen aus dem 19. Jahrhundert erhalten. Heute siedeln sich dort in einem Gründerzentrum Start-up-Unternehmen an, Ziel ist es, junge Unternehmer in der Stadt zu halten.La Fabbrica delle Startup. Dalla tecnologia nuovi lavori per Venezia, in: metropolitano.it, 19. Juni 2019. Bereits 2006 zog das Archivio Luigi Nono in das ehemalige Kloster und wurde in eine Stiftung umgewandelt.
Literatur Benjamin Paul: Nuns and Reform Art in Early Modern Venice. The Architecture of Santi Cosma e Damiano and its Decoration from Tintoretto to Tiepolo, Ashgate, London / New York 2012, Routledge, 2016, S. 103–120 (Kapitel und Abschnitt Santi Cosma e Damiano’s Sister Churches and their Design, The Models: Santa Croce and Ognissanti). Claudio Spagnol (Hrsg.): La chiesa dei Santi Cosma e Damiano a Venezia. Un tempio benedettino "ritrovato" alla Giudecca. Storia, trasformazioni e conservazione, Marsilio, Venedig 2008. darin Amalia Donatella Basso: I dipinti e le opere d’arte nella chiesa dei Santi Cosma e Damiano, S. 183–190. Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 531–533. (Digitalisat) Johann C. Maier: Beschreibung von Venedig, Teil III,1, Gottlieb Hertel, Frankfurt/Leipzig 1791, S. 9–11 („St. Cosmo, Nonnen-Kloster“). (Digitalisat).
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Anmerkungen
Kategorie:Weltkulturerbe Venedig und seine Lagune Cosma e Damiano Kategorie:Kirchengebäude im Patriarchat von Venedig Kategorie:Giudecca Venedig