mini|200px|Ítalo Luder (1975) Ítalo Argentino Luder Colombo (* 31. Dezember 1916 in Rafaela, Provinz Santa Fe; † 25. Mai 2008 in Buenos Aires) war ein argentinischer Politiker der Radikalen Bürgerunion (UCR) sowie der Justizialistischen Partei (PJ), der unter anderem zwischen 1975 und 1976 Interimspräsident des Senats, 1975 kommissarischer Staatspräsident sowie von 1989 bis 1990 Verteidigungsminister war. Bei der Präsidentschaftswahl 1983 war er Kandidat der Justizialistischen Partei für das Amt des Staatspräsidenten.

Leben Ítalo Argentino Luder Colombo, Sohn von Carlos Luis Luder und Ada Colombo sowie Enkel des Musikers und Chorleiters Rodolfo Luder (1846–1930), begann nach dem Schulbesuch ein Studium der Rechtswissenschaften an der Nationalen Universität des Küstenraums UNL (Universidad Nacional del Litoral) und nahm nach dessen Abschluss 1938 eine Tätigkeit als Rechtsanwalt auf. Lúder war ein früher Unterstützer der peronistischen Bewegung und vom 24. Januar bis zum 16. März 1949 Vertreter der Provinz Buenos Aires Mitglied des Verfassungskonvents (Convencional Constituyente), der die von Staatspräsident Juan Perón entworfene neue Verfassung Argentiniens verabschiedete, die die Verfassung von 1853 ersetzte. Nach Peróns Sturz am 21. September 1955 wurde die Originalverfassung jedoch wieder in Kraft gesetzt, und der im Exil lebende Perón beauftragte Lúder mit seiner Verteidigung in Abwesenheit angesichts umfangreicher Korruptionsvorwürfe.

Am 25. Mai 1973 wurde Luder als Kandidat der peronistischen Justizialistischen Partei PJ (Partido Justicialista) für die Provinz Santa Fe zum Mitglied des Senats der Nation (Senado de la Nación Argentina), dem er bis zur Auflösung des Nationalkongresses (Congreso de la Nación) am 24. März 1976 angehörte. Nach dem Rücktritt von José Antonio Allende am 25. April 1975 wurde er als dessen Nachfolger Interimspräsident des Senats und bekleidete dieses Amt bis zur Auflösung der Legislative durch die Militärjunta am 24. März 1976.

mini|200px|Plakat des Kandidatenteams Luder/Bittel zur Präsidentschaftswahl 1983. Nach dem Tod von Präsident Juan Perón am 1. Juli 1974 übernahm dessen zweite Ehefrau Isabel Martínez de Perón das Amt der Staatspräsidentin. Aufgrund zunehmender Instabilität kündigte sie jedoch im September 1975 einen einmonatigen Krankenurlaub an. Da Argentinien zu dieser Zeit keinen Vizepräsidenten hatte, fiel das Amt des amtierenden Präsidenten vom 13. September bis zum 16. Oktober 1975 an Senatspräsident Luder. Seine kurze Amtszeit ist später vor allem für die Unterzeichnung der Dekrete 2770–2772 in Erinnerung geblieben, mit denen als Reaktion auf die „Operation Primicia“, ein Angriff der Stadtguerilla Montoneros auf eine Militärkaserne in der Provinz Formosa, ein Rat für Innere Sicherheit (Consejo de Seguridad Interna) geschaffen wurde.Ceferino Reato: Operación Primicia. El ataque de Montoneros que provocó el golpe de 1976, 2. Auflage, Editorial Sudamericana 2010, S. 8, 304 ff. Diese Maßnahme, zusammen mit früheren, trug erfolgreich zur Niederschlagung eines Aufstands der linken Revolutionären Volksarmee ERP (Ejército Revolucionario del Pueblo) in der Provinz Tucumán bei, führte aber faktisch zu einem landesweiten Ausnahmezustand, der schließlich zur Machtübernahme der Militärjunta unter General Jorge Rafael Videla am 24. März 1976 führte.Argentina & Peron, 1970–75, Facts on File, 1975, S. 152–156Lewis, Paul H.: Guerrillas and generals. The „Dirty War“ in Argentina, Praeger, 2002, S. 119–120, 194–195Deborah L. Norden: Military rebellion in Argentina. Between coups and consolidation, University of Nebraska Press, 1996, 139–141Liliana de Riz: La política en suspenso, 1966-1976, 1. Auflage, Paidós, 2000, S. 173 ff.

Während der Militärdiktatur war Luder weiter politisch aktiv und beteiligte sich an der multipartidaria, einem überparteilichen Gremium, welches ab 1981 die Rückkehr zur Demokratie begleiten sollte.

Nach der Rückkehr zur Demokratie war Ítalo Luder Kandidat der Justizialistischen Partei bei der ersten Präsidentschaftswahl am 10. Dezember 1983, unterlag dabei allerdings mit seinem „Running Mate“ für das Amt des Vizepräsidenten, Deolindo Felipe Bittel, mit 5.995.402 Stimmen (40,16 Prozent und 259 Stimmen im Wahlmännerkollegium) mit rund 12 Prozentpunkten dem UCR-Kandidaten Raúl Alfonsín, auf den 7.724.559 Stimmen (51,75 Prozent, 317 Wahlmänner) entfielen.Gary W. Wynia: Argentina. Illusions and Realities, 2. Auflage, Holmes & Meier Publishers, 1992, S. 129 f.James W. McGuire: Peronism without Perón. Unions, parties, and democracy in Argentina, Stanford University Press, 1997, S. 20, 167 ff., 182 ff. Er wurde am 10. Dezember 1987 für die Provinz Buenos Aires Mitglied der Abgeordnetenkammer (Cámara de Diputados de la Nación Argentina) und gehörte dieser bis zum 19. Juli 1989 an, woraufhin Franco Caviglia neuer Abgeordneter wurde.

Am 8. Juli 1989 ernannte ihn der neu gewählte Präsident Carlos Menem zum Verteidigungsminister (Ministro de Defensa). Eine Kabinettsumbildung infolge einer Krise Ende des Jahres führte jedoch zu seiner Ablösung durch Humberto Romero am 26. Januar 1990. 1991 wurde er als Nachfolger von Carlos Ortiz de Rozas zum Botschafter in Frankreich ernannt und verblieb auf diesem diplomatischen Posten in Paris bis 1994, ehe Juan Archibaldo Lanús 1995 zum neuen Botschafter berufen wurde. Er war mit Isolda Fabris verheiratet und starb am 25. Mai 2008 im Alter von 91 Jahren in Buenos Aires an den Folgen der Alzheimer-Krankheit.

Veröffentlichungen Introducción al estudio de los partidos politicos, 1945 La política social de la Constitución en la reforma constitucional, La Plata, 1951 El Sistema jurídico de la ejecución penal, 1959 Los estudios criminológicos, 1962 La Argentina y sus claves geopolíticas, Buenos Aires, 1974 Argentina en Latinoamérica y en el mundo, 1976 El proceso argentino, 1977 Luder, ideas y propuestas, 1983 El justicialismo en la oposición, 1984 Dichos de Luder, 1989 La Argentina de hoy, 1989

Literatur Germinal Nogués: Diccionario biográfico de políticos argentinos, Grupo Editorial Planeta, Buenos Aires 1989, S. 146 f., ISBN 950-9216-11-9 (Onlineversion (Auszug))

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