König Schelomos Badehaus ist ein israelisches Märchen der Gattung Legende (AaTh 922 A, 980* – *A).Heda Jason (Hrsg.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Israel. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1976, S. 98–109, 298–299; übersetzt von Schoschana Gassmann.

Handlung Einst gab es in Istanbul einen Sultan namens Abd’l-Asis, der mehrere Minister hatte, zu denen gehörten der Jude David Abu-Darham, der einen guten Ruf hatte und der Armenier Pedro Mukiloff, der ersteren beneidete. Pedro ersann eine List, um den Kontrahenten loszuwerden, also schlug er dem Sultan vor in der Stadt ein Badehaus errichten zu lassen, das jenem ähneln sollte, das einst König Schelomo in Jeruscholajim besessen hatte. Dieses hatte die Kraft, jedwede Krankheit zu heilen und da Davids Vater Baumeister war, wäre es wohl das Klügste, wenn David selbst es errichten würde. Angetan von dem Gedanken ließ der Sultan David zu sich rufen und befahl ihm, innerhalb eines Jahres dieses Badehaus zu bauen oder sein Leben sei verwirkt.

Traurig begab sich David heim, wo ihm seine Mutter riet, die Unterlagen seines Vaters zu durchsuchen, da dieser einst davon gesprochen hatte und so fand er die Baupläne sowie auch die Beschreibung des Materials, das solch ein Wunder vollbringen kann. Als das Badehaus vollendet war, suchte der König mit seinen Ministern dieses auf und fand, dass es bemalt werden sollte, wozu niemand anderes als Pedro in Frage kam, der ein erstklassiger Malermeister war. Pedro begab sich sogleich an die Arbeit, doch die Farbe blätterte immer wieder von dem geheimnisvollen Material ab, also suchte er David auf, fiel vor diesem auf die Knie und gestand ihm seine Tat, bat um Verzeihung sowie um einen Rat. David riet ihm, mit Gold gewirkte silberne Teppiche mit silbernen oder goldenen Nägeln an den Wänden zu befestigen, wodurch Pedro sein Werk vollenden konnte.

Immer noch neidisch, ersann Pedro eine weitere List, um David loszuwerden. Also ließ er von einem Schuster heimlich Schmähpapiere, die den Sultan, den Islam und den Propheten beleidigten, unter Davids Schuhsohlen legen und berichtete dem Sultan davon. Als David dann im Meer ertränkt werden sollte, rettete ihn sein Freund Rabbi Mosche, Sohn des Maimon, indem er ihn in sein Haus brachte, dort ein Kalb schlachtete und der Menge vorgab ihn getötet zu haben. Dieser überreichte er dann einen blutdurchtränkten Sack, der im Meer versenkt wurde.

Später begab es sich, dass der Sultan einen wertvollen Ring am Meeresstrand verlor, den David später in einem Fisch fand, woraufhin Rabbi Mosche zum Sultan ging und ihm von einem Traum erzählte, dem zufolge der Ring am nächsten Morgen ans Ufer des Meeres gebracht würde. Am nächsten Morgen versammelten sich der König und seine Minister am Meeresufer und David kam herangeschwommen, mitsamt dem Ring. David erzählte, dass ihn große Fische zu ihrem König, dem Leviathan, gebracht hätten, dem er ebenfalls ein Badehaus bauen sollte und dass dieser nun die Dienste Pedros benötige, um es bemalen zu lassen. Als Zeichen der Freundschaft habe er David den verlorenen Ring mitgegeben und so kam es, dass Pedro gefesselt und an einer tiefen Stelle ins Meer geworfen wurde.

Hintergrund Das Märchen stammt von dem Manuskript 3977 aus den Israel Folktale Archives, Ethnological Museum and Folklore Archives in Haifa und wurde von dem Rabbi und Lehrer Avraham Farhi nach einer Geschichte aus seiner Jugend in Smyrna aufgezeichnet. In Heda Jasons Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Israel (Düsseldorf / Köln 1976) erhielt es den Titel König Schelomos Badehaus. In muslimischen Ländern waren die Minister oft Nichtmuslime, sodass den Herrschenden dadurch keine Thronanwärter entstanden. Diesen Ministern waren dabei viele Mittel recht, denn an ihrem Erfolg hing oft auch der Erfolg oder die Niederlage ihrer ganzen ethnischen Gruppe. Von einem wunderwirkenden Badehaus Schelomos ist nichts weiter bekannt. Sultan Abd-Al-Asis war ein ottomanischer Herrscher, der von 1861 bis 1876 lebte. Ein David Abu Darham schrieb 1340 einen Kommentar zum jüdischen Gebetbuch, der noch heute genutzt wird. Im 13. und 14. Jahrhundert existierte in Spanien eine Familie mit dem arabischen Namen Abu Darham, auf Deutsch: „Vater der Münze“. Die Familie befasste sich mit Münzprägung.

Literatur Heda Jason (Hrsg.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Israel. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1976, S. 98–109, 298–299; übersetzt von Schoschana Gassmann.

Einzelnachweise

Kategorie:Märchen Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Jiddisch) Kategorie:Literarisches Werk