Robert Gehling (* 30. September 1936; † 10. August 2010) war ein deutscher Fußballspieler. Der Allrounder hat für den 1. FC Schweinfurt 05 von 1955 bis 1963 in der damals erstklassigen Fußball-Oberliga Süd 199 Ligaspiele absolviert und 19 Tore erzielt. Von 1963 bis 1968 kamen in der zweitklassigen Fußball-Regionalliga Süd noch weitere 134 Ligaspiele mit 16 Toren hinzu.Lorenz Knieriem, Hardy Grüne: Spielerlexikon 1890 bis 1963. Agon Sportverlag. Kassel. ISBN 978-3-89784-148-2. S. 102
Karriere Oberliga Süd, 1955 bis 1963 Der vom TSV Hausen zum FC Schweinfurt 05 gekommene Amateurspieler Robert Gehling debütierte in der Saison 1955/56 bei den „Kugellagerstädtern“ in der Oberliga Süd. Er lief unter Trainer Fritz Teufel erstmals am 2. Oktober 1955 bei einem 3:1-Heimerfolg gegen die SpVgg Fürth auf Halbrechts im damaligen WM-System in der Oberliga auf und brachte die „Grün-Schwarzen“ in der siebten Minute mit einem Treffer zur 1:0-Führung. Im Angriff war Schweinfurt mit Heinz Rath, Gehling, Helmut Albert, Alfred Burkhardt und Erwin Aumeier formiert gewesen. Das Team um die Leistungsträger Fritz Käser und Ludwig Merz belegte am Rundenende den 8. Rang und Neuling Gehling hatte sieben Oberligaeinsätze zu verzeichnen gehabt. Ab seinem zweiten Oberligajahr 1956/57 bis zur letzten Saison der erstklassigen Oberligaära, 1962/63, gehörte der vielseitig einsetzbare Spieler der Stammbesetzung von Schweinfurt 05 in der Oberliga Süd an. Das Plus der Nullfünfer war über die Jahre die konstante Qualität der Defensive, in der Torausbeute haperte es dagegen und der Klassenerhalt stand im Vordergrund. Trotzdem brachte es Gehling zu Auswahlehren. Höhepunkt war seine Teilnahme am Sichtungsspiel von Bundestrainer Sepp Herberger am 20. Juni 1957 im heimischen Willy-Sachs-Stadion in Reihen einer deutschen A-Auswahl gegen eine B-Auswahl (9:2) im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaft 1958 in Schweden. Gehling wurde in der 2. Halbzeit für Erich Juskowiak in der A-Auswahl als Verteidiger eingewechselt und Vereinskollege Erwin Aumeier in der B-Auswahl für Linksaußen Heinz Vollmar.
Am 29. Juni folgte sein Einsatz in der Auswahl von Süddeutschland beim Repräsentativspiel in Karlsruhe gegen Norddeutschland. Beim 2:2-Remis bildete er mit Hermann Höfer von Eintracht Frankfurt vor Torhüter Günter Sawitzki das Verteidigerpaar. Zwei Jahre später, am 12. April 1959, lief Gehling nochmals für Süddeutschland bei einem Auswahlspiel in Hannover gegen Norddeutschland (2:1) auf; wiederum bildete er mit Höfer und Sawitzki das Schlussdreieck der erfolgreichen Südauswahl.Karl-Heinz Jens: Der allwissende Fußball. Olympia-Verlag. Nürnberg 1962. S. 178/179
Am 7. November 1959 bildete der Schweinfurter Verteidiger vor Torhüter Fritz Ewert zusammen mit Friedel Rausch, Günter Graetsch, Ferdinand Wenauer und Heinz Lowin die Abwehr der deutschen U 23 bei einem 2:2 in Miskolc gegen die Juniorenauswahl von Ungarn.Karl-Heinz Heimann, Karl-Heinz Jens: Kicker-Almanach 1989. Copress-Verlag. München 1988. ISBN 3-7679-0245-1. S. 141
Mit dem Einsatz am 31. März 1963, einem 4:1-Heimerfolg gegen die SpVgg Fürth, beendete Gehling die Ära Oberliga Süd. Vor Torhüter Günter Bernard hatte er zusammen mit Werner Rumpel, Gert Brunnhuber, Heinz Krämer und Rolf Kupfer die Abwehr der Nullfünfer gebildet. Von 1955 bis 1963 hatte er 199 Oberligaspiele absolviert und 19 Tore für Schweinfurt erzielt.
Regionalliga Süd, 1963 bis 1968 Die Regionalligaära eröffneten die Nullfünfer unter Trainer Fritz Käser am 4. August 1963 mit einer 1:2-Heimniederlage gegen den späteren Südmeister KSV Hessen Kassel. Vor Torhüter Ernst Scheurer bildete Gehling dabei mit Karl-Jürgen Lang das Verteidigerpaar der Nachfolger des legendären Außenläuferpaares Kupfer/Kitzinger aus der unterfränkischen Industriestadt. Gehling agierte auf der rechten Verteidigerposition und hatte es in den Zweikämpfen überwiegend mit dem Kasseler Linksaußen Gerd Becker zu tun gehabt. In den zwei Rundenspielen gegen den FC Bayern München erlebte er bei der 2:7-Auswärtsniederlage in München die Torgefährlichkeit des fünffachen Torschützen Rainer Ohlhauser, aber auch am 15. März 1964 den 4:1-Heimerfolg gegen das Team von Trainer Zlatko Cajkovski, wo er als Halblinks im Mittelfeld die Fäden zog und sich mit den Bayern-Läufern Wodarzik, Borutta und Ertel Erhardt auseinanderzusetzen hatte. Mit 43:33 Punkten belegte Schweinfurt den 7. Rang und Gehling hatte in 24 Ligaeinsätzen drei Treffer erzielt.
Das zweite Regionalligajahr, 1964/65, geriet für die „Schnüdel“ fast vollkommen außer Kontrolle und am Rundenende belegten die Nullfünfer mit 32:40 Punkten den enttäuschenden 15. Rang. Gehling war in 35 Ligaspielen am Ball gewesen und hatte sieben Tore erzielt. Beim 2:1-Heimerfolg in der Hinrunde gegen Ulm 1846 zeichnete er sich als zweifacher Torschütze aus.
In die Runde 1965/66 startete Schweinfurt mit dem neuen Trainer Gunther Baumann und im Spielerkader mit den Neuzugängen Manfred Berz, Kurt Dachlauer und Hans Bernrieder. Schnell hatte sich Trainer Baumann auf eine Stammbesetzung festgelegt, baute auf die Geschlossenheit der Defensive und die Torgefährlichkeit des Angriffs, welcher ja mit Berz und Dachlauer klare Verstärkung erfahren hatte. Die Defensive mit den Torhütern Winfried Böhm und Ernst Scheurer, sowie den Feldspielern Karl-Jürgen Lang, Robert Gehling, Rolf Kupfer, Heinz Krämer und Werner Rumpel erwies sich im Rundenverlauf als der stabilste Abwehrverbund der Regionalliga Süd und ließ in 34 Rundenspielen lediglich 39 Gegentreffer zu. Da aber auch der Angriff mit Dachlauer (19 Tore), Berz und Schweighöfer (je 12 Tore), Rühr (11 Tore) und Masurek (10 Tore) zu den besten im Süden gehörte, gewann Schweinfurt überraschend 1966 die Meisterschaft in der Regionalliga Süd. Mit 33:1 Punkten und 45:10 Toren wurden in den 17 Heimspielen die Grundlage zum Meisterschaftserfolg gelegt. Gehling hatte 33 Ligaspiele von 34 bestritten und fünf Treffer zum Rundenerfolg beigesteuert.
In der folgenden Bundesligaaufstiegsrunde lief es dann zwar nicht mehr so gut, aber trotzdem waren die Aufstiegsspiele gegen Rot-Weiss Essen (0:3/1:2), FC St. Pauli (2:1/1:3) und den 1. FC Saarbrücken (2:4/0:0) Höhepunkte in der Laufbahn von Robert Gehling.Ulrich Merk, Andre Schulin, Heinz Fricke: Bundesliga Chronik 1965/66. Agon Sportverlag. Kassel 2005. ISBN 3-89784-085-5. S. 194/195
Als Titelverteidiger kam Schweinfurt 1966/67 bei weitem nicht mehr an die Vorjahresleistung heran und landete am Ende auf dem enttäuschenden 10. Rang. Gehling hatte nochmals mit 30 Rundeneinsätzen (1 Tor) der Stammbesetzung der Nullfünfer angehört. Als es unter Trainer Jenö Vincze 1967/68 wieder besser lief und Schweinfurt den 5. Rang erreichte, war der langjährige Leistungsträger nur noch in 12 Spielen zum Einsatz gekommen. Den letzten Regionalligaeinsatz bestritt Gehling am 21. April 1968 bei einer 0:3-Heimniederlage gegen den SV Darmstadt 98, wobei er in der 60. Minute für Mittelläufer Heinz Krämer eingewechselt wurde. Nach 134 Ligaeinsätzen (16 Tore) endete im Sommer 1968 die Vertragsspielerära von Robert Gehling. Er ging zurück in das Amateurlager und schloss sich dem FV 04 Würzburg an.
Literatur Werner Skrentny (Hrsg.): Als Morlock noch den Mondschein traf. Die Geschichte der Oberliga Süd 1945 bis 1963. Klartext Verlag. Essen 1993. ISBN 3-88474-055-5. Hardy Grüne, Lorenz Knieriem: Spielerlexikon 1890 bis 1963. Agon Sportverlag. Kassel 2006. ISBN 978-3-89784-148-2. S. 102. Hardy Grüne, Christian Karn: Das große Buch der deutschen Fußballvereine. Agon Sportverlag. Kassel 2009. ISBN 978-3-89784-362-2. S. 426/427.
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