mini|Pierre Robert de Saint Vincent Louis Albert Pierre Robert de Saint Vincent (* am 30. November 1882 in Saint-Léger-en-Bray, Frankreich; † am 28. Juli 1954 in Forges-les-Bains, Frankreich) war ein französischer General, der 1942 die Teilnahme an der Deportation von Juden verweigerte. Er amtierte unter anderem als Kommandeur der 14. französischen Division und Militärgouverneur von Lyon.
Biografie Familie und Herkunft Saint Vincent entstammte einer alten französischen Adelsfamilie: Pierre-Augustin Robert de Saint Vincent (1725–1799), ein Jansenist und Mitglied des Parlement de Paris, verfasste 1787 eine Petition im Namen der Protestanten FrankreichsRobert de Saint-Vincent: Réclamation du Parlement en faveur des protestants de France. 1787. und wandte sich gegen die von Ludwig XVI. beantragten Kredite. Er wurde am 21. November 1788 verhaftet und emigrierte während der Französischen Revolution.Alphonse de Beauchamp & Étienne Psaume: Biographie moderne. Oder: Galerie historique, civile, militaire…. Band III. Paris. 1816.Amar: Biographie universelle classique, ou dictionnaire historique portatif…. Charles Gosselin (Hrsg.).Paris. 1829. Sein Sohn, Pierre-Antoine Robert de Saint Vincent (1756–1826), ebenfalls Parlamentsmitglied, folgte seinem Vater ins Exil. Unter Napoleon war er zwei Jahre lang Rektor des Gymnasiums in Caen und anschließend des Gymnasiums in Versailles. Während der Restauration wurde er am 21. Februar 1815 wieder als Ratgeber am Kassationsgerichtshof eingesetzt und 1817 von Ludwig XVIII. zum Vicomte ernannt.Biographie nouvelle des Contemporains. Band XVIII.
Militärkarriere Pierre Robert de Saint Vincent studierte an der École polytechnique (Abschlussjahrgang 1903) und trat in die Artillerie ein. Im Ersten Weltkrieg kommandierte er eine Batterie im 15. Divisionsartillerieregiment.
1933 wurde er dem 72. Artillerieregiment zugeteilt und übernahm dessen Kommando. 1935 wurde er dem Stab des Obersten Kriegsrates zugeteilt. 1936 wurde er im Zuge einer Reorganisation zum Stabschef des Generalinspekteurs der Luftverteidigung ernannt.
1937 wurde er zum Brigadegeneral (: Général de brigade) befördert und übernahm zu Beginn des Zweiten Weltkriegs das Kommando über die 64. Infanteriedivision an der Alpenfront, das er bis Kriegsende innehatte. Nach dem Waffenstillstand vom 22. Juni 1940 blieb er in der Vichy-Armee und übernahm das Kommando über die 7. Militärdivision.Die Dienstakte von General de Saint-Vincent, die sich in seiner Akte beim französischen Verteidigungshistorischen Dienst unter der Referenznummer GR 13 Yd 1042 befindet, enthält folgende Einträge: 10. Juli 1940, Kommandeur des Départements Vaucluse; 17. August 1940, Kommandeur der 7. Infanteriedivision in Grenoble; 8. November 1940, Stellvertreter des Generals, der die 14. Militärdivision befehligte; 13. Juli 1941, Kommandeur der 14. Militärdivision.
Im Juli 1941 wurde er als Nachfolger von General Frère Kommandeur der 14. Militärdivision und Militärgouverneur von Lyon. Er bekleidete zuletzt den Rang eines Generalleutnants (: général de corps d'armée).
Verweigerung der Teilnahme an den Verhaftungen von Juden Am 29. August 1942, nach der großangelegten Razzia gegen Juden in der unbesetzten Zone, erhielt er den Befehl, dem Polizeisuperintendent Émile MarchaisMartial Andrieu: Émile Marchais (1899-1958), autopsie d'un préfet de l'Aude sous Vichy. Auf: Musique et patrimoine de Carcassonne. 2018. Link. Abgerufen am 5. April 2026. Gendarmen zur Verfügung zu stellen, um 650 Juden aus der Südzone in die Nordzone zu transportieren. Er erklärte damals: „Ich werde meine Truppen niemals für eine solche Operation abstellen.“ Mit dieser Aktion endete die Karriere Saint-Vincents, der aufgrund dieser herausragenden Tat von seinem Kommando enthoben und in die Reserve versetzt wurde.Service historique de la Défense, Etats des services de L.A.P. Robert de Saint-Vincent, Seite GR 13 Yd 1042. Dies befeuerte umgehend die von der Freien Französischen Presse (Fighting French Press Service) und der angelsächsischen Presse kolportierten Gerüchte eines Staatsstreichs gegen das Vichy-RegimeMartin Gilbert & Élie Robert-Nicoud: Les Justes: les héros méconnus de la Shoah. Calmann-Lévy. 2004. ISBN 978-2-7021-3508-2., die mitunter auch von Historikern wiederholt wurden.Martin Gilbert & Élie Robert-Nicoud: Les Justes: les héros méconnus de la Shoah. Calmann-Lévy. 2004. ISBN 978-2-7021-3508-2. S. 256.Robert O. Paxton: L'Armée de Vichy, Tallandier, Sammlung « Points histoire ». S. 200Fred Kupferman: Pierre Laval, Tallandier Sammlung « Texto ». 2016. S. 419–420. Einige Autoren schrieben die Entlassung dem Kriegsminister General Eugène Marie Louis Bridoux zu, um dessen Antisemitismus hervorzuheben, der in dessen Prozess nur unzureichend thematisiert worden war.Artikel: Le Général Bridoux condamné à mort par contumace. In: Le Monde. Ausgabe vom 18. Dezember 1948.
mini|Gedenktafel an der Esplanade Général Pierre Robert de Saint-Vincent im Berthelot-Zentrum in Lyon. Als Gründungsmitglied der Christlichen Freundschaftsvereinigung in Lyon (: Amitié chrétienne à Lyon) unter der Schirmherrschaft von Kardinal Gerlier, Pfarrer Boegner und Georges Villiers, dem Bürgermeister von Lyon, und als Mitglied der Widerstandsgruppe „Armée secrète“ (: Geheime Armee) um General Frère weigerte sich Pierre Robert de Saint Vincent, das Versteck von General Giraud vor dessen Abreise nach Nordafrika preiszugeben.Jérôme Cordelier: L'espérance est un risque à courir: sur les traces des résistants chrétiens 1939-1945. Calmann-Lévy. 2021.
Nach dem deutschen Einmarsch in die unbesetzte Zone am 11. November 1942 musste er untertauchen.
Nach der Befreiung Frankreichs wurde er am 29. August 1944 in den aktiven Dienst zurückgerufen und blieb bis nach Kriegsende in der Armee.
Ehrungen 1947 wurde er zum Großoffizier der Ehrenlegion ernannt.
1993 verlieh ihm der Staat Israel den Titel „Gerechter unter den Völkern“ für seinen Einsatz bei der Rettung von Juden im Jahr 1942.Dossier n°3547 - Juste(s) - Pierre Robert De Saint Vincent - Le Comité français pour Yad Vashem. Link. Abgerufen am 5. April 2026.
2017 wurde der Innenhof des Berthelot-Zentrums (ehemals Militärmedizinische Schule) ihm zu Ehren in „General Pierre Robert de Saint Vincent Esplanade“ umbenannt.Artikel: Le Général Pierre Robert de Saint-Vincent, "Juste parmi les Nations " donne son nom à l'esplanade du CHRD. In: Le Progrès,. Ausgabe vom 16. Juli 2017.
Auszeichnungen 60px Großoffizier der Ehrenlegion 60px Grand Croix de Guerre (1914–1918) 60px Croix de Guerre (1939–1945)
Literatur Jean Estèbe: Les Juifs à Toulouse et au Midi toulousain au temps de Vichy. Presses Universitaires du Mirail PUM. Toulouse. 1996. Martin Gilbert: Les Justes: les héros méconnus de la Shoah. Übersetzt aus dem Englischen von Elie Robert-Nicoud. Calmann-Lévy (Hrsg.). Paris. 2004. Fred Kupferman: Pierre Laval. Tallandier. Sammlung « Texto ». 2016. S. 419–420. Robert O. Paxton: L'armée de Vichy: le corps des officiers français, 1940-1944. Tallandier. Paris. Sammlung « Points-Histoire ». 2005. ISBN 978-2-020-67988-6. Les Justes de France. Mémorial de la Shoah. 2007. ISBN 2-9524409-4-8. S. 190. Israel Gutman (Hrsg.): Dictionnaire des Justes de France. Yad Vashem. Fayard. 2003. S. 494.
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Einzelnachweise
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