Felix M. Berndt (* 1992 in Hagen) ist ein deutscher Medfluencer, Unternehmer und Sachbuchautor. Als doc felix teilt er Inhalte zu Medizin, Ernährung, Sport und Lebensstil auf Social-Media-Plattformen wie Instagram, TikTok und YouTube, darunter auch auf den Social-Media-Kanälen der AOK.
Seine Rolle im Geschäftsmodell von Influencern im medizinischen Bereich, das im Allgemeinen sowohl von medienjournalistischen als auch von fachärztlichen Beobachtern als problematisch angesehen wird, wird häufig thematisiert. Dabei geht es um Fragen der Kompetenz, der journalistischen Sorgfalt und der inhaltlichen Unabhängigkeit gegenüber Sponsoren.
Familie und Ausbildung Felix Berndt ist der Bruder des Interview-Podcasters Ben Berndt (Ungeskriptet). Er studierte Medizin an der Universität Heidelberg und der Universität Düsseldorf und beendete sein Studium 2019. Berndt ist approbierter Arzt, praktiziert aber nicht. Nach eigenen Angaben entschied er sich am Ende seines Medizinstudiums 2019 bewusst gegen eine klassische Doktorarbeit:
Unternehmer 2020 nahm Berndts Account erfolgreich an einem Förderwettbewerb von TikTok teil, der #TeileDeinWissen-Challenge. Ab Dezember 2020 war Berndt Teil einer TikTok-Kampagne der AOK Plus. Nach Darstellung in Healthcare Marketing produzierten die beteiligten Creators Videos für den Kanal @aokplus.AOK Plus schafft Präsenz auf TikTok und kooperiert mit Creatoren. In: Healthcare Marketing, 7/2021, S. 18–19.
Berndt ist seit Frühjahr 2021 alleiniger Geschäftsführer der Viethe Holding GmbH und der Viethe GmbH. Letztere hat als Geschäftszwecke laut Handelsregister Unternehmensberatung im Bereich Gesundheit und Kommunikation, Video- und Audioproduktionen sowie den Vertrieb entsprechender Medien und steht auch im Impressum der doc.felix-Homepage.
Das zusammen mit der Journalistin Kira Brück verfasste Buch Doc Felix – Feel good aus dem Jahr 2023 wurde im Mai desselben Jahres Spiegel-Bestseller in der Rubrik Ratgeber Gesundheit und erreichte Platz 6 in der Rubrik Paperback-Sachbuch.
Nach Recherchen des Medizinjournalisten Marius Penzel für MedWatch verdient Berndt neben seiner Arbeit für Krankenkassen seinen Lebensunterhalt seit mehreren Jahren auch durch Kooperationen mit Unternehmen, darunter Lebensmittelhändler und Pharmaunternehmen.Marius Penzel: Wie gefährlich sind Disease-Awareness-Kampagnen? In: MedWatch, 29. Juli 2022. MedWatch berichtete, Berndt sei bislang an drei Disease-Awareness-Kampagnen beteiligt gewesen, darunter eine HIV-Kampagne sowie eine Zecken-Kampagne, für die er nach eigenen Angaben Geld von Pfizer erhielt. Weitere Einnahmequellen sind kostenpflichtige Online-Kurse und E-Books bzw. Hörbücher zum Thema Ernährung sowie Auftritte als Speaker und Experte in den Bereichen Medizin und Ernährung sowie Social-Media-Kommunikation.
Rezeption und Kritik Im Jahr 2025 hielt die F.A.Z. Berndt für ein „wichtiges Gesicht“ in den Social-Media-Angeboten des AOK-Bundesverbands und der AOK Bayern. Berndt übernahm auf den Instagram- und Youtube-Kanälen der AOK eine Video-Kolumne, die bis heute (Stand September 2026) läuft.
Das Rheinische Ärzteblatt, das offizielle Mitteilungsblatt der Ärztekammer Nordrhein und der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, widmete dem Medfluencer-Phänomen im März 2024 einen eigenen Artikel, der die besondere Verantwortung von Ärzten als Influencern anspricht.Thomas Gerst: Medizin aus dem Netz. Ärzte tragen als Influencer besondere Verantwortung. In: Rheinisches Ärzteblatt, Heft 3/2024, S. 14–17.
MedWatch veröffentlichte 2022 einen Artikel zum Thema Disease-Awareness-Kampagnen. Interviewt wurden Thomas Lempert, Mitglied des Fachausschusses für Transparenz und Unabhängigkeit bei der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ), und Berndt, der an solchen Kampagnen teilgenommen hatte. Berndt meinte, seine Posts für Disease-Awareness-Kampagnen würden sich kaum von seinem nicht-werblichen Content unterscheiden. Lempert widersprach und nahm eine ablehnende Haltung ein: „Heilmittel sollten nicht von kommerziellen Anbietern beworben werden – auch nicht indirekt, wie durch Influencer bei Disease-Awareness-Kampagnen.“ Wer Geld eines Herstellers angenommen habe, werde dessen Präparat nicht öffentlich kritisieren. Influencer wie Berndt seien wirtschaftlich darauf angewiesen, dass weitere Kooperationen zustande kommen. „Arzneimittel sind Risikotechnologien und kein Parfum. Nebenwirkungen können teilweise lebensbedrohlich sein.“ Lempert diagnostizierte ein „Kontrolldefizit“ und mahnte gesetzgeberisches Handeln an: „Der Patient bleibt dabei auf der Strecke.“ Die AkdÄ sprach sich für ein generelles Werbeverbot für Arzneimittelhersteller aus.
Auf eine Frage nach seiner Fähigkeit zur eigenständigen Bewertung wissenschaftlicher Literatur antwortete Berndt im MedWatch-Interview: „Ich bin nicht so gut darin, Studien zu lesen. Aber ich bekomme Unterstützung durch eine freie Mitarbeiterin.“ Berndt wurde dafür kritisiert, als Medfluencer zu beraten, „ohne je einen Patienten eigenverantwortlich behandelt zu haben“.Sebastian Alsleben: Ist die Kritik an „Medfluencern“ berechtigt? In: medical-tribune.de, 20. Juni 2023, abgerufen am 29. Mai 2026.
In einem Beitrag zum Phänomen der Medfluencer stellt das Magazin forum des Medizinischen Dienstes Berndts Motto („Ich zeige Dir, wie geil ein gesundes Leben ist!“) der Einordnung gegenüber, seine Inhalte seien „weit mehr als medizinische Aufklärung“, und verweist als Beispiel auf ein Video zur feuchten Wundheilung mit dem werblichen Hashtag #hansaplast. Hansaplast ist eine Marke, für die Berndt laut F.A.Z. wirbt, ebenso wie für Abnehm-Apps. Kathrin Karsay, eine Assistenzprofessorin an der Universität Wien, die die Wirkung von Gesundheits-Influencern auf ihr Publikum untersucht, schätzt die Mischung aus Gesundheitskampagnen und werblicher Arbeit bei Influencern als potenziell problematisch ein: „Wenn diese Dinge parallel existieren – in einem Post eine Gesundheitskampagne und Aufklärung und im nächsten Post Werbung für das Produkt – dann würde ich stark bezweifeln, dass der User das unterscheiden kann“, erklärte sie gegenüber der F.A.Z. „Es ist naheliegend, dass die Glaubwürdigkeit eines Influencers, wenn er mit Krankenkassen zusammenarbeitet, Auswirkungen auf die Glaubwürdigkeit der anderen beworbenen Produkte hat – und umgekehrt.“ Die AOK überprüfte 2025 auf Anfrage der F.A.Z. alle ihre langfristigen Influencer-Partner, darunter auch Berndt, und erklärte, die Werbekooperationen mit Gesundheitsunternehmen, die „doc.felix“ parallel zur Arbeit für Krankenkassen eingehe, seien aus ihrer Sicht „in Ordnung“.
Ernährungsradar, ein Verbundprojekt der Universität Bayreuth, des Kompetenzzentrums für Ernährung an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft und der Akademie für Neue Medien, kam basierend auf einer stichprobenhaften wissenschaftlichen Überprüfung zu dem Schluss, dass seine Ernährungstipps eine Mischung aus persönlichen Empfehlungen und aktuellen Trends darstellen, die nicht immer durch wissenschaftliche Studien gestützt seien.
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