Die Vermont, auch USS Vermont (Kennung: BB-20), war ein Schlachtschiff der United States Navy. Das kurz vor dem Ersten Weltkrieg in Dienst gestellte Schiff gehörte der aus insgesamt sechs Schiffen bestehenden Connecticut-Klasse an und wurde als dritte Einheit dieser Klasse in Dienst genommen. Namensgeber des Schiffes war der US-Bundesstaat Vermont, wobei das Schlachtschiff das zweite Schiff in der Geschichte der US-Marine war, das diesen Namen erhielt. Die Schiffe der Connecticut-Klasse waren die letzten amerikanischen Schlachtschiffe, die noch der sogenannten „Vor-Dreadnought-Phase“ zugerechnet werden, weswegen die Vermont, trotz einer sehr starken Mittel- und halbschweren Artillerie, noch dem Schema der Einheitslinienschiffe entsprach. Das Schlachtschiff wurde am 21. Mai 1904 auf der Fore River Shipyard in Quincy (US-Bundesstaat Massachusetts) auf Kiel gelegt und lief am 31. August 1905 von Stapel. Die Schiffstaufe erfolgte durch Jennie Bell, die Tochter des damaligen Gouverneurs von Vermont, Charles J. Bell. Die Indienststellung erfolgte am 4. März 1907. Erster Kommandant des Schiffes war Captain William P. Potter.

Technische Aspekte Die Vermont besaß eine maximale Länge von 139,11 Metern, die größte Breite des Rumpfes lag bei 23,22 Metern. Der Tiefgang betrug rund 7,50 Meter. Die Wasserverdrängung gemäß der Konstruktionsplanungen lag bei rund 16.500 ts, im voll ausgerüsteten Zustand betrug sie rund 18.000 ts.Breyer: Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer, S. 212. Die Maschinenanlage, bestehend aus zwölf kohlenbefeuerten Babcock & Wilcox-Kesseln und zwei 4-Zylinder-Dreifach-Expansionsmaschinen, leistete maximal 16.500 PSi und ermöglichte dem Schiff eine Höchstgeschwindigkeit von rund 18,8 Knoten (ca. 35 km/h). Mit einem maximalen Kohlenvorrat von etwa 2600 Tonnen und bei einer sparsameren Marschfahrt von 10 Knoten besaß die Vermont eine Reichweite von circa 7600 Seemeilen.Herder, Brian L.: US Navy Battleships 1895–1908. The Great White Fleet and the Beginning of US Global Naval Power. Osprey Publishing. Oxford, New York 2020, S. 28.

Artilleristisch betrachtet war die Vermont noch den Einheitslinienschiffen jener Zeit zuzurechnen, wenngleich auch die Mittelartillerie vergleichsweise stark ausfiel und zudem noch eine sogenannte halbschwere Artillerie zwischen Mittel- und Hauptartillerie eingeschoben wurde. Manche Publikationen betrachten die Schiffe dieses Typs auch als eine der konsequentesten und leistungsstärksten Umsetzungen des Konzeptes des „Vor-Dreadnought-Linienschiffes“.

Die Hauptartillerie setzte sich aus vier 30,5-cm-Geschützen Mark 5 L/45 in zwei je 434 Tonnen schweren Doppeltürmen zusammen, wobei je ein Turm vor und hinter den Aufbauten in Mittschiffslinien stand. Daneben befanden sich als halbschwere Artillerie acht 20,3-cm-Geschütze Mark 6 L/45 in vier Doppeltürmen an Bord. Diese je 151 Tonnen wiegenden Türme waren zu beiden Seiten der Aufbauten angeordnet, so dass bei einer Breitseite je vier Kanonen zum Tragen gebracht werden konnten. Zudem verfügte die New Hampshire über zwölf 17,8-cm-Geschütze Mark 1 L/44 in Kasematten (je sechs auf beiden Rumpfseiten). Gleichwohl brachte diese Vielfalt an Geschützkalibern auch Probleme mit sich, da die Schießergebnisse infolge der Ähnlichkeit der Aufschlagbilder der 20,3-cm- und der 17,8-cm-Geschütze und damit der Verwechslungswahrscheinlichkeit eher mäßig waren. Dieses Manko war allerdings fast allen Kriegsschiffen beschieden, die mit halbschweren Kalibern ausgerüstet waren und die als Zwischenstufe zwischen dem Einheitslinienschiff und den späteren Dreadnought-Typen fungierten.

Zur Abwehr von Torpedobooten befanden sich außerdem noch 20 7,6-cm-Geschütze in Kasematten oder in offener Lafettenaufstellung an Bord. Im Jahr 1909 wurden ferner vier Torpedorohre im Kaliber 53,3 cm nachgerüstet, wobei je zwei Rohre nach Steuerbord und nach Backbord ausgerichtet waren.

Geschichte des Schiffes Nach der Indienstnahme wurde die Vermont dem 1. Schlachtschiff-Geschwader (1st Battleship Division) der United States Atlantic Fleet zugeteilt und nahm ab dem 30. November 1907 und zusammen mit 16 weiteren US-Kriegsschiffen an der Erdumfahrung der Great White Fleet teil. Diese Reise, die zugleich auch als maritime Machtdemonstration zu verstehen war, dauerte bis Februar 1909, wobei die Schiffe des Verbandes beinahe 47.000 Seemeilen zurücklegten und unter anderem die Häfen von Port of Spain, Punta Arenas, Manila und Yokohama ansteuerten. mini|links|Die Vermont im Sturm im Nordatlantik (Dezember 1913). Es handelt sich um ein nachretuschiertes Bild, das von Bord des Schlachtschiffes Wyoming aufgenommen wurde.

Nachdem die Vermont im Sommer 1909 einer Modernisierung unterzogen worden war, dabei kamen auch sogenannte Gittermasten an Bord, diente das Schlachtschiff in den nachfolgenden Jahren vorzugsweise in der Ausbildung und war ab 1910 dem 3. Schlachtschiff-Geschwader (3rd Battleship Division) zugeteilt. Im November 1910 folgte eine Besuchsreise nach Europa, hierbei lief das Schlachtschiff unter anderem Gravesend und Brest an. Eine weitere Fahrt nach Europa folgte im Herbst 1913, wobei die Reise dieses Mal ins Mittelmeer führte. In der Folge wurden Marseille und Toulon angelaufen und Manöver mit französischen Schiffen abgehalten. Auf der Rückreise von diesem Flottenbesuch geriet die Vermont jedoch im Nordatlantik im Dezember 1913 in einen sehr schweren Sturm. Das Schiff konnte diesen zwar abreiten, erlitt jedoch beträchtliche Beschädigungen, als während des Sturmes etwa 500 Seemeilen östlich von Virginia Beach die Steuerbord-Propellerwelle brach. Das Schiff konnte nur mit Mühen und unter Begleitung des Schlachtschiffes Delaware und des Schleppers Sonoma nach der Norfolk Naval Shipyard eingebracht werden.

Im Frühjahr 1914 beteiligte sich das Schlachtschiff an der US-Intervention in Veracruz. Die Vermont setzte dabei eine 320 Mann starke Landungsgruppe ab, die bei späteren Gefechten einen Gefallenen zu verzeichnen hatte. Zwei Angehörige der Landungsmannschaft, Julius C. Townsend (der befehlshabende Offizier) und Gary D. Lanehornes (der begleitende Arzt), wurden später mit der Medal of Honor ausgezeichnet. Die Vermont verblieb zunächst bis Oktober 1914 zu Sicherungsaufgaben in den Gewässern vor Veracruz. Zwischen Oktober 1916 und Februar 1917 operierte das Schiff zeitweilig vor der Küste von Haiti und unterstützte die dortigen US-Marinetruppen (siehe Amerikanische Besetzung Haitis).

Nach dem Eintritt der Vereinigten Staaten in den Ersten Weltkrieg im April 1917 wurde das Schiff vor der Ostküste der Vereinigten Staaten zu Ausbildungsaufgaben herangezogen, im Schwerpunkt zur Ausbildung von Maschinenpersonal. Zu Kriegseinsätzen während des Weltkrieges kam es indessen nicht. Nach dem Ende des Krieges im November 1918 unternahm die Vermont zwischen Januar und Juni 1919 vier Fahrten über den Atlantik und transportierte insgesamt rund 5000 US-Soldaten aus Europa in die Heimat zurück. Im Juli 1919 folgte eine kurze Verlegung zur US-Pazifikflotte, wobei das Schlachtschiff am 26. Juli 1919 den Panamakanal durchfuhr.

Verbleib Da die Vermont beziehungsweise das Konzept des Schiffstyps bereits überaltert war, trotz der Dienstzeit von nur rund 13 Jahren, wurde das Schiff am 30. Juni 1920 auf der Mare Island Naval Shipyard außer Dienst gestellt und vorläufig in den Reservestatus versetzt. Im Kontext der Bemühungen um Rüstungsbegrenzungen nach dem Ende des Ersten Weltkrieges (siehe Washingtoner Flottenabkommen) wurde die Vermont nicht mehr reaktiviert und schließlich am 10. November 1923 zum Abbruch verkauft.

Literatur Breyer, Siegfried: Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer 1905–1970. Verlag J. F. Lehmanns. München 1970. Friedman, Norman: US Battleships: An Illustrated Design History. U. S. Naval Institute Press. Annapolis (MD) 1985. Herder, Brian L.: US Navy Battleships 1895–1908. The Great White Fleet and the Beginning of US Global Naval Power. Osprey Publishing. Oxford, New York 2020.

Weblinks Die Vermont beim Naval History and Heritage Command (englisch)

Einzelnachweise

Kategorie:Connecticut-Klasse Kategorie:Schiff im Ersten Weltkrieg