Sant’Andrea del Lido, auch La Certosa genannt, war eine Kirche nebst Kloster auf der Insel La Certosa in der Lagune von Venedig, nahe dem Ostrand des historischen Zentrums Venedigs. Zeitweise trug sie auch den Namen San Bruno.

1199 übereignete Marco Nicola, Bischof von Castello, dem Pfarrer von Santa Sofia, Domenico Franco († 1204), der ein Kloster und eine Kirche zu Ehren des Apostels Andreas errichten sollte, die Insel. Dabei sollte das neue Domizil die Heimat der Mönche von Sant’Andrea di Ammiana werden, da das dortige Kloster aufgegeben werden musste. Ihre Ordensregel war die der Augustiner. 1219 weihte Nicola die Kirche.

Am 15. Juni 1424 wandte sich Papst Martin V. an den Abt des Benediktinerklosters San Giorgio Maggiore, um ihn dazu zu veranlassen, die wenigen verbliebenen Mönche auf andere Klöster zu verteilen. Der Senat hatte bereits 1382 die Übergabe des Klosters an die Kartäuser von Florenz verfügt. Das Kloster erhielt nunmehr den Namen San Bruno. Entsprechend ihrer Ordensregel bauten die neuen Bewohner fünfzehn separate Mönchszellen mit je eigenem Gärtchen und einem Brunnen.

Mariano da Volterra, der erste Prior der neuen Kartause, sorgte für einige Ausbesserungen, doch bereits 1430 wurden die Baulichkeiten als stark verfallen beschrieben. Erst von 1490 bis 1505 wurde das Kloster renoviert. 1492 wurde die neue Kirche nach Plänen von Pietro Lombardo fertiggestellt. Maler wie Tizian, Vivarini und Tintoretto arbeiteten in ihr. Einige dieser Kunstwerke befinden sich heute in der Accademia. Die Insel wurde zur Grablege für zahlreiche venezianische Adlige und für den Dogen Alvise Pisani.

1576 traf die Pest die Insel und einige Gebäude mussten aufgegeben werden. Im Laufe des 17. Jahrhunderts wurden die Gebäude, wie der Campanile oder die Kirche, beständig renoviert, 1721 nach umfassenden Arbeiten neu geweiht.

Im Dezember 1807 mussten die Mönche auf Befehl der Franzosen unter Napoleon ihre 15 Zellen aufgeben und die Insel verlassen, der Komplex ging an das Militär. 1812 wurde das Munitionslager von 1632 durch ein neues ergänzt, die Kirche zum Depot umfunktioniert. Von den älteren Gebäuden blieb nur das casello delle polveri von 1632 erhalten, das am Südrand der Insel gegenüber von Sant’Elena stand. Nach und nach wurden die Gebäude zerstört, so dass Emmanuele Antonio Cicogna bereits in den 1820er Jahren nichts mehr vorfand, außer den 37 Inschriften, die er überliefert hat.Emmanuele Antonio Cicogna: Delle Inscrizioni Veneziane, Bd. 2, Giuseppe Picotti, Venedig 1827, S. 53–98.

Literatur Davide Busato, Paola Sfameni: L’isola della Certosa di Venezia, Centro Studi Riviera Brenta, 2009. Pompeo Molmenti, Dino Mantovani: Le isole della laguna veneta, Bergamo 1904, S. 36–46 (Digitalisat). Emmanuele Antonio Cicogna: Delle Inscrizioni Veneziane, Bd. 2, Giuseppe Picotti, Venedig 1827, S. 49–101. (Digitalisat) Alessandro Gaggiato: Le chiese distrutte a Venezia e nelle isole della Laguna, Supernova, Venedig 2019.

Weblinks

Anmerkungen

Andrea del Lido Andrea del Lido Kategorie:Abgegangenes Bauwerk in Venetien Kategorie:Kirchengebäude in Europa Kategorie:Andreaskirche Kategorie:Profaniertes Kirchengebäude in Italien Kategorie:Klosterkirche in Italien Kategorie:Ehemaliges Kartäuserkloster in Italien Kategorie:Erbaut 1219 Kategorie:Klostergründung 1382 Kategorie:Aufgelöst 1807 Kategorie:Zerstört im 19. Jahrhundert