mini|200px|José Francisco de Moura Cavalcanti (1975) José Francisco de Moura Cavalcânti (* 20. Oktober 1925 auf der Plantage Cipó Branco, heute: Gemeinde São Vicente Férrer, Pernambuco; † 28. November 1994 in Recife, Pernambuco) war ein brasilianischer Jurist und Politiker, der unter anderem 1961 Gouverneur des damaligen Bundesterritoriums Amapá, zwischen 1973 und 1974 Landwirtschaftsminister sowie von 1975 bis 1979 Gouverneur des Bundesstaates Pernambuco war.
Leben José Francisco de Moura Cavalcânti wurde als Sohn von Landbesitzern geboren und wuchs nach dem frühen Verlust seiner Eltern bei seinem Großvater auf. 1945 begann er seine politische Karriere und wurde von 1946 bis 1948 zum Bürgermeister von Macaparana gewählt. Er begann ein Studium der Rechtswissenschaften an der juristischen Fakultät der Universidade Federal de Pernambuco (UFPE) ein, unterbrach sein Studium jedoch, um die von seinen Eltern geerbten Besitztümer zu verwalten, die er nach Erreichen der Volljährigkeit in Besitz genommen hatte. Nach seiner Rückkehr an die Universität schloss er sein Studium 1954 ab. Im selben Jahr fanden die Wahlen zum Gouverneur von Pernambuco statt, bei der er sich als ein politischer Führer seiner Heimatregion, aktiv im Wahlkampf für Marschall Oswaldo Cordeiro de Farias engagierte, der schließlich gewählt wurde. Beruflich war er als Staatsanwalt, später Rechtsassistent, stellvertretender Generalstaatsanwalt und schließlich als Anwalt des Instituts für Soziale Sicherheit der Staatsangestellten von Pernambuco IPSEP (Instituto de Previdência dos Servidores do Estado de Pernambuco) tätig, während er gleichzeitig seine Ländereien und Zuckerfabriken in Pernambuco und Paraíba verwaltete.
mini|200px|Staatspräsident Jânio Quadros ernannte Moura Cavalcanti 1961 zum Gouverneur des damaligen Bundesterritoriums Amapá. Bei der Aufstellung der Präsidentschaftskandidaten 1960 unterstützte er Cordeiro de Farias und dessen Wahlkampf für Jânio Quadros, indem er sich intensiv in Pernambuco für dessen Kampagne einsetzte. Nach der Wahl wurde er von Jânio Quadros am 2. März 1961 als Nachfolger von Pauxy Nunes zum Gouverneur des damaligen Bundesterritoriums Amapá ernannt und berief ein Team junger Mitarbeiter aus Pernambuco in sein Kabinett. Er bekleidete das Amt des Gouverneurs bis zum 2. September 1961, woraufhin Mário de Medeiros Barbosa das Amt zunächst kommissarisch übernahm und Raul Monteiro Valdez am 12. Oktober 1961 neuer Gouverneur wurde. Während seiner Amtszeit legte er Wert auf die Rationalisierung des Mineralienabbaus (hauptsächlich Mangan) auf Grundlage eingehender Feldstudien und photogrammetrischer Luftbildvermessungen der Region. Er setzte den Bau eines Wasserkraftwerks fort und begann mit dem Bau der Straße, die Macapá mit Französisch-Guayana verbindet.
Nach seiner Rückkehr in seinen Heimatstaat Pernambuco war Moura Cavalcânti von 1964 bis 1967 als Staatssekretär für Verwaltung und Koordination (Secretário da Administração e da Coordenação Política) in der Regierung von Gouverneur Paulo Pessoa Guerra tätig. 1966 vertrat er ferner Pernambuco in der Superintendenz für die Entwicklung des Nordostens SUDENE (Superintendência do Desenvolvimento do Nordeste) und fungierte während der Amtszeit von Gouverneur Nilo Coelho von 1967 bis 1970 als Superintendent der Entwicklungsgesellschaft für das Sirijital (Companhia de Desenvolvimento do Vale do Siriji).
mini|200px|In der Regierung General Emílio Garrastazu Médici war Moura Cavalcanti zwischen 1973 und 1974 Landwirtschaftsminister. Am 9. Juli 1970 unterzeichnete Präsident General Emílio Garrastazu Médici, ein Dekret zur Auflösung des Brasilianischen Instituts für Agrarreform IBRA (Instituto Brasileiro de Reforma Agrária), des Nationalen Instituts für Landwirtschaftliche Entwicklung INDA (Instituto Nacional de Desenvolvimento Agrário) und der Exekutivgruppe für Agrarreform GERA (Grupo Executivo da Reforma Agrária), an deren Stelle wurde das Nationale Institut für Kolonisierung und Agrarreform INCRA (Instituto Nacional de Colonização e Reforma Agrária) gegründet wurde. Moura Cavalcânti wurde zum ersten Präsidenten des INCRA ernannt und leitete damit die Kolonisierung des Amazonasgebiets ein, die ein integraler Bestandteil der Politik der „nationalen Integration“ war, deren Hauptpfeiler der Bau der Transamazônica und die Besetzung der Randgebiete waren. Die Strategie der Regierung bestand darin, den Bevölkerungsüberschuss aus dem Nordosten in den Norden zu verlagern und so die sozialen Spannungen im Zusammenhang mit der Landbesitz- und Nutzungsfrage in dieser und anderen Regionen abzubauen. Dem Nationalen Institut für Kolonisation und Agrarreform kam eine bedeutende Rolle bei der Umsetzung des Programms zur Landumverteilung und Entwicklung der Agrarindustrie für den Norden und Nordosten Brasiliens PROTERRA (Programa de Redistribuição de Terras e de Estímulo à Agroindústria do Norte e do Nordeste) zu, das im Juli 1971 per Dekret ins Leben gerufen wurde. Er bekleidete gleichzeitig den Vorsitz des INCRA sowie des Nationalen Genossenschaftsrates (Conselho Nacional de Cooperativismo) und der Exekutivgruppe für die ländliche Elektrifizierung (Grupo Executivo de Eletrificação Rural).
Am 10. Mai 1973 wurde Moura Cavalcânti zum Landwirtschaftsminister (Ministro da Agricultura) ernannt und löste damit Luís Fernando Cirne Lima ab, der am Vortag aufgrund von Meinungsverschiedenheiten mit der Wirtschaftspolitik der Regierung, insbesondere mit den von Finanzminister Delfim Netto festgelegten Methoden zur Inflationsbekämpfung, zurückgetreten war. Im Ministerium förderte er die Umsetzung großangelegter Agrarprojekte im Amazonasgebiet, die er als einzigen Weg zur Entwicklung der Region ansah, und setzte die von Cirne Lima begonnene Gründung der Agrarforschungsgesellschaft EMBRAPA (Empresa Brasileira de Pesquisa Agropecuária) fort, ein Forschungsinstitut, das Technologien für die brasilianische Landwirtschaft entwickelt, welche Produktionskosten senken, die Nahrungsmittelproduktion erhöhen, Ressourcen und Umwelt schonen sowie die Abhängigkeit von externen Technologien, Produkten und genetischem Material reduzieren sollen. Er entwarf den Fischereientwicklungsplan (Plano de Desenvolvimento da Pesca) und trieb die Verabschiedung des nationalen Getränkegesetzes (Código Nacional de Bebidas) voran, das später als Saftgesetz (Lei dos Sucos) bekannt werden sollte. Am 15. März 1974, mit dem Ende der Regierung Médici, verließ er das Landwirtschaftsministerium.
Daraufhin kandidierte Moura Cavalcânti für das Amt des Gouverneurs seines Heimatstaates und erhielt in einer Anhörung unter Abgeordneten und Mitgliedern des Landesvorstands der Nationalen Erneuerungsallianz ARENA (Aliança Renovadora Nacional) zur Nachfolge in Pernambuco erhielt 46 Stimmen, Paulo Frederico do Rego Maciel 22 Stimmen und Marco Maciel 20 Stimmen. Mit der Unterstützung des bisherigen Gouverneurs Eraldo Gueiros Leite und Marschall Cordeiro de Farias wurde er vom neuen Staatspräsidenten General Ernesto Geisel zum offiziellen Kandidaten ernannt. Am 15. März 1975 übernahm er daraufhin von Eraldo Gueiros Leite den Posten des Gouverneurs des Bundesstaates Pernambuco und bekleidete diesen bis zum 15. März 1979, woraufhin Marco Maciel seine dortige Nachfolge antrat.
Sein Neffe Joaquim Francisco de Freitas Cavalcanti (1948–2021) war 1987 Innenminister von Brasilien und zwischen 1991 und 1995 ebenfalls Gouverneur von Pernambuco.
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