Johann Heinrich Reinhart, zumeist nur Heinrich Reinhart genannt, († 9. November 1629) war ein Metall- und Glockengießer.
Leben Heinrich Reinhart war der Sohn des Webers Johann Reinhart in Mühlau bei Innsbruck. Den Glockenguss erlernte er bei Wolfgang Neidhart in Ulm und danach in Rom, wie auch bei den Innsbrucker Hofbüchsenmeistern Hans Neisch und Nikolaus Neisch. Seit 1593 arbeitete er für den Hof in Innsbruck. Danach arbeitete er für den Kaiser in Prag und kehrte 1595 nach Innsbruck zurück. Seit 1601 arbeitete er in der landesfürstlichen Gußhütte in Mühlau. Im Jahr 1605 wurde ihm die Löfflerische Gußhütte, siehe Gießerei Büchsenhausen, gegen einen Zins überlassen. Mit dem 8. Mai 1614 konnte er um 600 fl die Gußstätte käuflich erwerben, allerdings ohne das Schloss Büchsenhausen. Damit wurde die Gießerei in Büchsenhausen ein Privatbetrieb.
Heinrich Reinhart war zweimal verheiratet. Er hatte drei Kinder, einen Sohn und zwei Töchter, welche jedoch alle als Kinder starben. Heinrich Reinhart starb laut Matriken von St. Jakob am 9. November 1629 als gewester Glockengießer. Sein Geschäft übernahm in Folge sein Neffe Friedrich Reinhart.
Werk Heinrich Reinhart arbeitete mehr im Bild- und Glockenguss, weniger im Geschützguss. Neben zahlreichen Glocken entstanden auch viele Bildwerke. Seine Glocken, es sind ca. 60 Glockengüsse nachweisbar, sind schön, sowohl im Klang wie auch in der Ausführung. Tirol war von den Wirren der Reformation kaum betroffen, und aufgrund des neuerlichen Erstarken des katholischen Lebens mit der Gegenreformation stiegen die Aufträge für Glocken, was Reinhart zugutekam.
Seine Glocken haben eine elegante manieristische Rippe mit mittlerer bis schwerer Rippenstärke, welche deutlich das Vorbild der „Löffler-Rippe“ erkennen lässt. Oft reine Oktavglocken, ansonst Oktavglocken mit vertiefter Prim. Der Klang ist gut bis erstklassig, weshalb Reinharts Glocken den klangschönsten historischen Glocken Österreichs zugeschrieben wurden. Das Äußere der Glocken gleicht den Löfflerglocken und ist ebenfalls einfach gehalten. Als Zierelemente findet man zarte spätgotische Friese, die von Wolfgang Neidhart aus Ulm stammen. Die große Glocke für die Burg in Wiener Neustadt zeigt schöne frühbarocke Zier. Reinharts Henkel besitzen eine charakteristische kantige Gestalt und sind teils mit Zopfmuster geschmückt. Da er manchmal sogar noch gotische Minuskeln für die Inschriften verwendet, wirken Reinharts Glocken viel mittelalterlicher als die Glocken von Löffler. Dieses eher rückständige Äußere sollte bis ins 19. Jahrhundert typisch für alle in Innsbruck gegossenen Glocken bleiben.
Reinhart war der erste Gließer in Österreich, welcher Glocken gezielt vor dem Guss aufeinander abstimmen konnte (Proportionalitätsgesetz). Er könnte das bei Neidhart gelernt haben, da dessen Sohn Wolfgang Neidhart der Jüngere das Proportionalitätsgesetz ebenfalls kannte und beim Geläute für den Salzburger Dom verwendete.
Meisterwerk 1610 Große Sudpfanne (ca. 6400 kg) für die Saline in Hall in Tirol, die er als sein Meisterwerk bezeichnete, wofür er die große Sudpfanne in Parma vor Ort studierte
Bildwerke Grabmal zu Erzherzog Maximilian III. (der Deutschmeister) im Innsbrucker Dom Figuren des Leopoldsbrunnens
Glocken 1594: Weyerburgkapelle in Innsbruck 1601: Pfarrkirche Alpbach 1603: Pfarrkirche Pill: (Dm 104,5 cm) 1603: Tienzenz 1603: Antoniuskapelle in Trins 1604: St. Pankratius (Fügenberg) 1604: Friedhofskirche in Griffen, Kärnten 1605: St.-Anton-Kirche in Kaltern in Südtirol (Dm 121 cm) 1606: Pfarrkirche Ried im Oberinntal (Dm 102,5 cm) 1606: Schlosskirche in Thaur 1608: Filialkirche Walchen in Piesendorf, Land Salzburg 1609: Rißkapelle im Widum Flaurling 1609: Jesuitenkirche in Hall in Tirol 1609: Sammlung Graßmayr, Tirol 1611: Pfarrkirche Pettneu, 2 Glocken (Dm 113 und 93 cm) 1614: Pfarrkirche Eben am Achensee 1615: Pfarrkirche Krimml, Salzburg 1617: Burg in Wiener Neustadt: Im Auftrag von Erzherzog Maximilian das gewaltige vierstimmige Geläute. Von diesem ist noch die kleine und die große H-Glocke (Dm 180 cm, ca. 3850 kg) erhalten. Die große H-Glocke hat eine herausragend gute Klangqualität (reine Oktavglocke, weicher voller Ton, sehr große Klangfülle), eine anspruchsvolle Zier und eine sehr saubere Gußausführung, weshalb der Glocke die schönste Glocke Österreichs zugeschrieben wurde. 1617: Herz-Mariä-Kirche in der Döttelbachsiedlung, Wiener Neustadt 1618: und 1621: Geisselkapelle in Biberwier 1624: Pfarrkirche Galtür (Dm 124 cm) 1626: Pfarrkirche Tarrenz 1629: Pfarrkirche St. Georgen unter Straßburg, Kärnten
Literatur Tirol. Innsbruck. Die Gußstätte auf dem Gänsbühel, genannt „Büchsenhausen“. Die Reinhart. Johann Heinrich Reinhart (1594–1629). In: Jörg Wernisch: Glockenkunde von Österreich. Journal Verlag, Lienz in Osttirol 2006, ISBN 3-902128-10-0, S. 194–195.
Kategorie:Glockengießer (Österreich) Kategorie:Person (Habsburgermonarchie vor 1804) Kategorie:Geboren im 16. Jahrhundert Kategorie:Gestorben 1629 Kategorie:Mann