miniatur|Die Reste der Villa des Tiberius bei Sperlonga von der Straße nach Itri aus Die Villa di Tiberio ist eine große römische Villa auf dem Gebiet der Gemeinde Sperlonga in der italienischen Region Latium (dem antiken „Latium adiectum“). Sie gehörte im 1. Jahrhundert v. Chr. dem römischen Kaiser Tiberius. Seit 1963 ist die Villa in den Besucherrundgang des Museo archeologico nazionale di Sperlonga integriert.

Seit dem Dezember 2014 zählt italienische Kulturministerium die Ausgrabungsstätte und das Museum zum Polo museale del Lazio; im Dezember 2019 wurden sie zum Museo Nazionale. 2015 wurden dort 42.625 Besucher gezählt.

Ausgrabungen Beim Bau der Küstenstraße von Terracina nach Gaeta im Jahre 1957 wurde eine große Menge von Fragmenten von Marmorstatuen entdeckt, die wegen der Qualität der Bildhauerarbeit und den Ausmaßen der Blöcke außergewöhnlich war. Zur Aufbewahrung dieser Skulpturen wurde 1963 das Museo archeologico nazionale di Sperlonga gegründet.

Die Skulpturen der Grotte des Tiberius Die Skulpturen waren in Tausende von Fragmenten zerbrochen, vielleicht von den Mönchen, die sich im Hochmittelalter auf den Resten der kaiserlichen Villa angesiedelt hatten. Diese wurdne mit viel Geduld wieder zusammengefügt.

Schon im Moment der Entdeckung erkannte man die bemerkenswerte Ähnlichkeit der gefundenen, fragmentierten Statuen mit der berühmten Laokoon-Gruppe, die 1506 in den Titusthermen in Rom gefunden und von Pliniuen beschrieben worden war. Die Fragmente einer in Sperlonga gefundenen Inschrift trugen die Namen der Bildhauer Hagesandros, Athanodoros und Polydoros, die auch die Laokoon-Gruppe geschaffen hatten.

Beschreibung der Villa miniatur|Grundriss der Villa mit Darstellung der einzelnen Bauphasen Die Villa bestand aus verschiedenen Gebäuden, die auf Terrassen zum Meer hin errichtet wurden. Der erste Bauabschnitt wird auf die Zeit der späten römischen Republik datiert; die Villa gehörte damals vielleicht Aufidio Lurco, dem Großvater mütterlicherseits von Livia Drusilla. In der eigentlichen Villa sind die Spuren einer Reihe von Räumlichkeiten erhalten, die um einen Innenhof mit Vorhallen abgeordnet waren; darunter sind Räume für die Dienstboten enthalten, mehrere Male umgebaut, ein Herd und ein Backofen für Brot.

Anfang des 1. Jahrhunderts v. Chr. wurde eine lange, zweischiffige Vorhalle angebaut und die natürliche Grotte, die in der Nähe der Villa lag, am Eingang einer architektonisch gestalteten Fassade eingerahmt und teilweise durch Einbauten aus Mauerwerk und dort aufgestellte Skulpturen verändert.

Die Grotte bestand aus einer weitläufigen Haupthöhle, vor der ein breites, rechteckiges Becken mit Meerwasser lag (Fischteich), in dessen Mitte eine künstliche Insel realisiert wurde, auf der sommerliche „Caenatio“ (Speiseraum) untergebracht war. Das rechteckige Becken war mit einem runden Becken (Durchmesser: 12 Meter) verbunden, das im Inneren der Grotte lag und in dem die Skyllagruppe aufgestellt war.

Von der Haupthöhle aus gelangte man in zwei Nebenräume: Links lag ein hufeisenförmiger Raum, der im hinteren Bereich eine Speisesofa beherbergte, und rechts ein Nymphäum mit Kaskaden und Wasserspielen und im hinteren Bereich einer Nische, in der die Polyphemgruppe stand. Zwischen dem runden und dem rechteckigen Becken standen zwei kleinere Figurengruppen: Der „Raub des Palladiums“ und die Gruppe „Odysseus, der den Körper des Achilles schleift“ (eine Kopie davon, verstümmelt und bruchstückhaft, ist die Statue des sogenannten Pasquino in Rom). Eine Skulptur „Ganymed vom Adler des Zeus entführt“ stand oben über der Öffnung der Grotte.

Geschichte In dieser Höhle spielte sich vermutlich die Episode ab, von der Sueton und Tacitus berichtenSueton, Tiberius 39; Tacitus, annales 4, 50.: Im Jahre 26 v. Chr. rettete Seianus dem Kaiser das Leben, indem er ihn mit seinem Körper beschützte, als während eines Bankettes einige Felsen zusammenstürzten, denen einige Diener zum Opfer fielen. Später wurde die Villa mit weiteren Skulpturen geschmückt.

Im 18. Jahrhundert diente eine kleine Schlucht im Norden als Kapelle (Reste einer Inschrift: Ave Crux Sancta [dt.: Gegrüßt seist Du, Heiliges Kreuz]).

In der Literatur In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts schrieb Don Lorenzo Costa das Drama La grotta del re Tiberio - dramma leggendario in 3 atti [...] con alcuni preliminari storici sulla grotta. Dieses Werk bezog sich allerdings nicht auf die Grotte des Tiberius bei Sperlonga, sondern auf eine gleichnamige Grotte bei Borgo Rivola, einem Ortsteil von Riolo Terme in der Provinz Ravenna, die sich heute im Parco Regionale della Vena dei Gessi Romagnoli (dt.: Regionalpark der Gipsader in der Romagna) befindet.

Literatur Furio Fasolo: La villa romana di Sperlonga detta di Tiberio. In: Quaderni dell'Istituto di Storia dell'Architettura 14, 1956, S. 1–6. Giulio Jacopi: L'antro di Tiberio e il Museo Archeologico Nazionale di Sperlonga. Rom 1965. Richard Neudecker: Die Skulpturenausstattung römischer Villen in Italien. Zabern, Mainz 1988, S. 220 ff. Nr. 62 (mit der gesamten älteren Literatur).

Einzelnachweise Strabon: Geographika V 3, 6.

Weblinks und Quellen

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