mini|Buntglasfenster von Waldhausen und Ellenbeck mini|Buntglasfenster mit Weinstock über dem Westportal Die Friedhofskapelle ist eine ehemals evangelische Friedhofskirche in der Großen Kreisstadt Backnang im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis. Das unter Denkmalschutz stehende Kirchlein entstand 1884 im Stile der Neugotik nach Plänen des Oberamtsbaumeisters Christian Hämmerle. Sie steht im Eigentum der Stadt Backnang und dient vor allem als Gedenkstätte für die Toten der beiden Weltkriege.

Geschichte Der Backnanger Stadtfriedhof befand sich ursprünglich in der Sulzbacher Vorstadt. Als Friedhofskapelle diente die 1452 erbaute Liebfrauenkirche (Unsere Liebe Frau am Eckertsbach), die deshalb auch den Namen Totenkirche erhielt. Im 19. Jahrhundert kam es zu einem enormen Bevölkerungswachstum, sodass der Friedhof bald zu klein wurde. Eine Erweiterung des Gottesackers kam nicht mehr in Frage, da das Grundstück inzwischen von Wohnhäusern umgeben war. 1837 verkaufte die Stadt das Totenkirchle an einen Backnanger Gerbermeister, der das Gotteshaus in ein Wohnhaus umbaute; der Friedhof wurde geschlossen. 1841 entstand ein neuer Stadtfriedhof südlich der Altstadt. Schon kurz danach entstanden Pläne für eine neue Friedhofskirche, die jedoch wegen fehlender Mittel nicht verwirklicht wurden. In den 1880er Jahren wurde eine neue Friedhofskapelle geplant. Oberamtsbaumeister Christian Hämmerle entwarf eine Kapelle im Stil der Neugotik. Die Pläne wurden von dem Verein für Christliche Kunst geprüft und von Oberbaurat Christian Friedrich von Leins überarbeitet. Am 4. Dezember 1885 wurde sie eingeweiht.

Der Bau wurde durch Mittel der Bezirksstiftungspflege und der Stadtstiftungspflege finanziert. Apotheker Monn hatte in den 1840er Jahren bereits 500 Gulden für den Bau eines Bethauses auf dem Kirchhof gespendet. Von dem Gemeinderat Jacob Breuninger und seiner Frau Anna Maria kamen 1869 und 1872 1000 Gulden. 1879 hatte der Kaufmann Winter 500 Mark gespendet.

Die Friedhofskapelle war der erste neugotische Sakralbau in Backnang. 1893/94 entstand noch die Johanneskirche im neogotischen Stil.

1926 wurde eine neue, größere Aussegnungshalle gebaut. Dadurch verlor die Friedhofskapelle ihre einstige Bedeutung. In den 1990er Jahren wurde sie nur noch als Lagerraum von den Friedhofsgärtnern genutzt. In den 2010er Jahren bildete sich ein Verein zur Erhaltung der Kapelle. Diese wurde sukzessive restauriert.

Architektur und Ausstattung Der neugotische Sakralbau aus Sandsteinquadern erinnert mit seinen Strebepfeilern und dem achteckigen Türmchen (Dachreiter) an die Lutherkirche in Lippoldsweiler-Hohnweiler, die 1878 ebenfalls von Hämmerle entworfen wurde. Das rechteckige Kirchenschiff wird von einem kleinen Chorraum abgeschlossen.

Von der ursprünglichen Innenausstattung sind nur die Buntglasfenster erhalten. Das Chorfenster zeigt die Auferstehung Jesu Christi und wurde von Waldhausen & Ellenbeck (Stuttgart) geschaffen. Das Fenster über dem Westportal zeigt einen Weinstock. Dieser weist auf die Ich-bin-Worte Jesu im Johannesevangelium hin.

Ein Relief der Grablegung Christi von Karl Schnabel (Stuttgart) ist verloren gegangen und wurde 2011 durch eine Kopie ersetzt. Die Nachbildung fertigte der finnische Künstler Matt Auvinen.

Weiterhin befanden sich in dem Türmchen zwei Glocken.

Literatur Klaus J. Loderer: Christian Gottfried Hämmerle, Leben und Werke eines Backnanger Baumeisters des ausgehenden 19. Jahrhunderts. In: Mitteilungen und Berichte Backnanger Stadtarchiv, 1987, S. 2f. Bernd Lenzner: Christian Hämmerle. Ein Backnanger, der in seinen Bauten weiterlebt. Fr. Stroh Verlag, Backnang 1993, ISBN 3-927713-02-3, S. 83f. Heinrich Kuttler: Das Relief Grablegung Christi in der Backnanger Friedhofskapelle. Backnanger Jahrbuch, Band 20, 2012, S. 149–156.

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Einzelnachweise

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