mini|300px|right|Teutsch-Redender Euclides, Wien 1694 Anton Ernst Burkhard von Birckenstein (* 1. Juli 1655 in Wien;Wien, St. Stephan, Taufbuch 1654–1657, 168r; unter den Taufpaten: „Reverendissimus Dominus Benedictus, Abbas Altenburgensis“. † 20. August 1721 in WienWien, Schottenpfarre, Sterbebuch 1719–1726, fol. 100v, „alt 66 Jahr“; Wien, Totenbeschaubuch 1720–1722, 330v, 20. August 1721.) war Hofkriegsrat des römisch-deutschen Kaisers und Obrist-Landingenieur im Königreich Böhmen.
Namensvarianten A. E. B. von Birckenstein wird mit einigen Namensvarianten zitiert: Anton und Anthoni sowie Burkhard, Burckhard, Burckhardt etc. sowie Birckenstein, Bürckenstein, Bürkhenstain, Pirckenstein, Pirkhenstain, Pürckenstein etc. sowie abgekürzt A. E. B. v. P. etc.Deutsche Nationalbibliothek.
Birckensteins ursprünglicher Familienname war wohl Burkart, wie aus dem Trauungseintrag seiner Eltern und seinem eigenen Taufeintrag hervorgeht. Die ersten Belege für den Namenszusatz „von Birckenstein“ finden sich im August 1685 auf seinem Aufmarschplan zur Belagerung der Festung Neuhäusl, 1686 in seinem Geometriebuch Ertz-Hertzogliche Handgriffe und am 7. November 1685 bei der Taufe des Sohnes Franz Anton seines Bruders Johann Adam.
Bei Birckensteins einzigem Sohn Franz Ferdinand erscheint „Burkhard“ gar nicht: Er wird in seinen beiden identischen TrauungseinträgenWien, Schottenpfarre, Trauungsbuch 1721–1725, fol. 91v, und identisch Wien, St. Stephan, Trauungsbuch 1720–1723, S. 726 (Eltern der Braut verstorben)., im Testament seines Vaters und in seinem Bestattungseintrag nur „Franz Ferdinand Freiherr von Bürkhenstain“ genannt. Nach der Eröffnung des Testaments seines Vaters unterschrieb er ebenso (mit den üblichen orthographischen Varianten).Testament des A. E. B. v. Birckenstein im Österreichischen Staatsarchiv unter der Signatur AT-OeSTA/HHStA HA OMaA 630-49.
Ganz allgemein nennt die einschlägige Sekundärliteratur als Familienname in diesem Kontext entweder nur „von Birckenstein“ oder auch „Burkhard von Birckenstein“.Adalbert Král von Dobrá Voda: Der Adel von Böhmen, Mähren und Schlesien. Prag 1904, bringt einen Eintrag mit „Burkhard“ („Burkhard v. Birkenstein (Pirckenstein), Anton Ernst“, Herrenstand 5. November 1696) und zwei ohne „Burkhard“ („Birkenstein, Anton Freiherr v.“, Freiherrenstand 1704; „Pürkenstein, Anton v.: böhm. Gutsbesitzer“, Freiherrenstand 1623). Die verschiedenen Schreibungen sind von A. E. B. von Birkenstein bekannt, und so gehörten möglicherweise alle drei Personen zur gleichen Familie (auch angesichts des gleichen Vornamens Anton). Die Nobilitationsdaten bei Dobrá Voda sind aus dem Vorgängerwerk von Anton Schimon (1859) übernommen, wo sie ohne Quelle angegeben sind. Sie sind bis jetzt nicht nachvollziehbar.
Leben und Werk
Beruf Birckenstein schrieb sich am 31. Oktober 1665 zum Studium an der Benediktiner-Universität Salzburg einRedlich 1933, Nr. 4290. und wird wohl in deren Umfeld seine Ausbildung in Kriegswissenschaften und Militärtechnik erhalten haben.
Er war 1676–1679 Leutnant im Niederländisch-Französischen Krieg und 1682–1685 Feldingenieur in den Türkenkriegen, zunächst unter dem Festungsbauer Georg Rimpler. Birckensteins erfolgreicher Aufmarschplan zur Belagerung der Festung Neuhäusl (slowakisch Nové Zámky, ungarisch Érsekújvár), die türkisch besetzt war, ist erhalten; die Eroberung erfolgte am 19. August 1685.
1685/86 war er − bestellt von Kaiser Leopold I. – Lehrer (Professor) des österreichischen Kronprinzen und Erzherzogs Joseph (des späteren Kaisers Joseph I.) in Kriegswissenschaften.Widmung in Ertz-Hertzogliche Handgriffe Deß Zirckels vnd Linials.
Auf der Basis dieses Unterrichts verfasste er 1686 sein Geometriebuch Ertz-Hertzogliche Handgriffe Deß Zirckels vnd Linials, das er Joseph I. widmete.Welche Quellen er dafür verwendete, ist bis jetzt noch nicht untersucht. Mit mindestens acht Auflagen war es sehr erfolgreich. Es ist aber weniger wegen seines geometrischen Inhalts bekannt als vielmehr wegen der 142 ganzseitigen Radierungen von Justus van der Nypoort; dessen Signatur befindet sich links unten auf der Ansicht der Burg Ugod nach S. 62.Rózsa 1957, S. 11; Rózsa 2001, S. 11. Jede Radierung ist zweigeteilt: Oben befindet sich eine geometrische Graphik zur Veranschaulichung des Textes und unten eine kulturhistorische Darstellung; 122 davon sind Veduten von Städten, Festungen und Schlössern des damaligen Königreichs Ungarn, der Rest Bilder aus Alltag und Krieg. Mit Nypoorts Veduten wurde auch Der ungarische Kriegsroman von Eberhard Werner Happel illustriert.Tibenský 1968.
Birckensteins Lehrbuch war die Vorlage des ersten russischen Geometriebuchs, das 1708 unter dem Titel Геометрiа славенскi sемлемѣрiе − Прıемы цıркуля ı лıнеıкı im Auftrag von Zar Peter dem Großen in Moskau gedruckt wurde. Die Radierungen von Nypoort wurden nur in der ersten Auflage übernommen. Der Übersetzer ist nicht bekannt.Juškevič 1968, S. 71–73; Roussanova 2026. Eine vollständige Umgestaltung der Ertz-Hertzoglichen Handgriffe legte der Augsburger Christoph Andreas Nilson Anfang des 19. Jahrhunderts mit seiner Anleitung zur mathematischen Zeichnungs-Kunst vor. Nilson war Lizentiat beider Rechte, hoher Verwaltungsbeamter im Bauwesen und Mathematiklehrer am Gymnasium;Titelseite seiner Anleitung 1803. er stammte aus der Künstlerfamilie Nilson und war ein Sohn von Johannes Esaias Nilson.
1694 veröffentlichte Birckenstein unter seinen Initialen seine deutsche Übersetzung von acht Büchern (I–VI, XI, XII) von Euklids Elementa unter dem Titel Teutsch-Redender Euclides. Das Werk erlebte mindestens zwei weitere Auflagen.
Familie Birckenstein wurde getauft als Anton Ernst Burkhart; unter den Taufpaten waren Johann Ernst I. von Hätzenberg und Cronberg und dessen Ehefrau Juliana Katharina Matuschkin (die Eltern von Johann Ernst II. von Hätzenberg und Cronberg) sowie Benedikt Leiß, der damalige Abt der Benediktinerabtei Altenburg. Birckensteins Eltern – deren Herkunft ist nicht bekannt – waren Anton Burkhart, „Hofmusikus“ der verwitweten Kaiserin Eleonora, und Maria Ursula Wall.Heirat am 3. Oktober 1651 (Wien, St. Stephan, Trauungsbuch 1648–1652, S. 303). Eltern der Braut waren Jörg Abraham Wall, kurbayerischer Obrist, und Maria Magdalena. Er selbst nennt in seinem Nobilitationsgesuch jedoch Antoni Burcardt von Pürkenstain, Ritter des goldenen Kreuzes, und eine von Wahl (ohne Vorname). Auf dem Abdruck des großen Wappensiegels des Vaters ist ein achtspitziges Kreuz (Malteserkreuz) klar erkennbar. Es liegt auf den Vierungslinien des Wappenschilds hinter dem Herzschild.
Nach dem Tod von Eleonora zogen Birckensteins Eltern 1655/56 nach Salzburg, wo der Vater als Kammerdiener („cubicularius“) in die Dienste des Fürsterzbischofs trat. Dort kamen von 1657 bis 1668 sieben Geschwister von Birckenstein zur Welt.Salzburg, Dompfarre, Taufbuch 1633–1657, fol. 569v, 26. Februar 1657; Taufbuch 1658–1672, S. 28, 16. August 1658; S. 108, 22. März 1660; S. 224, 14. März 1662; S. 320, 01. April 1664; S. 382, 20. September 1665; S. 554, 12. Juli 1668; welche von diesen Kindern das Erwachsenenalter erreichten, ist nicht bekannt.
Am 13. Juli 1687 heiratete Birckenstein in Wien-Penzing die sechzehnjährigeEintrag im Sterbebuch im Dezember 1720 (nächste Fußnote) gibt „alt 49 Jahr“ an.Wien, Schottenpfarre, Sterbebuch 1719–1726, fol. 76v; Wien, Totenbeschaubuch 1720–1722, 137r, 24. Dezember 1720. Anna Maria Theresia von Maynstetter (auch: Maystetter), Tochter von Johann Hermann von Maynstetter, kaiserlicher Reichshofrat, und Maria Theresia geb. Ebermann.Wien, St. Stephan, Trauungsbuch 1684–1688, S. 694 (Mutter der Braut verstorben).
1709 ist die Familie in Prag nachweisbar, wo Anna Maria Theresia am 20. Juni ihr Testament schrieb.Testament der A. M. Th. von Birckenstein im Österreichischen Staatsarchiv unter der Signatur AT-OeSTA/HHStA HA OMaA 630-39.
Später besaßen Birckenstein und seine Ehefrau ein Haus mit Garten in der Alser Straße (Alstergassen) in Wien westlich des Schottentors, wo sie beide auch starben. Sie wurden in der Krypta der Wiener Alserkirche bestattet:Koblizek 2000. Anna Maria Theresia im Dezember 1720 und er selbst im August 1721.
Aus Birckensteins Ehe ging nur ein Kind hervor, das das Erwachsenenalter erreichte, nämlich der Sohn Franz Ferdinand.Genau dieser wird mit der Jahresangabe 1738 unter dem Stichwort „Pirckenstein“ in Zedlers Universallexikon aufgeführt. Er wurde am 6. April 1689 in Wien geboren; Taufpate war Franz Ferdinand von Rummel, Religionslehrer von Joseph I.Wien, St. Stephan, Taufbuch 1688–1689, S. 558. Franz Ferdinand schrieb sich am 6. Dezember 1708 als „L[iber] B[aro] Burckhard de Birckenstein“ an der Universität Salzburg ein.Redlich 1933, Nr. 13663. Er heiratete am 23. August 1722 Maria Anna Edle von Ludwigstorff, Tochter von Johann Rudolph Edler von Ludwigstorff, kaiserlicher Rat und Regent „des Regiments deren niederösterreichischen Landen“, und Barbara geb. von Ludwig. Er starb am 24. Januar 1740 in Běstvina/Bestwin in Ostböhmen.Běstvina/Bestwin, Mischkirchenbuch 1726–1766, fol. 139r, „50 Jahre“.Bei der Überstellung des Vermögens von Franz Ferdinand an seine Erben in Böhmen über die Böhmische Hofkanzlei gab es diverse Schwierigkeiten, wie aus Briefen der Wiener Hofkanzlei an die Regierung von Niederösterreich hervorgeht, die im Landesarchiv Niederösterreich erhalten sind (Signaturen Ther. Verw., Hofres. in Publ. K 002/08/1741 Mai 15 und Ther. Verw., Hofres. in Publ. K 002/10/84/1743 April 25).
Birckenstein setzte seinen Sohn (unter dem Namen „Franz Ferdinand Freiherr von Bürkhenstein“) am 17. August 1721 in seinem Testament als Universalerben ein. Dort sind auch Birckensteins verstorbener† 4. April 1704. Beschreibungen des schweren Explosions- und Brandunglücks im Labor der Münchner Artillerie-Schule und seiner Folgen finden sich bei Bestattungseinträgen in zwei Kirchenbüchern: München, Zu Unserer Lieben Frau, Sterbebuch 1687–1732, fol. 57r, 5. April 1704 (18 Feuerwerker); München, St. Peter, Sterbebuch 1698–1705, S. 507, Herzogspital, 5. April 1704 (ein kurzzeitig überlebender Constabler). Bruder Hans Adam, Oberstuckhauptmann in kurbayerischen Diensten, 1685–1689 und 1699–1704 Leiter und Oberfeuerwerkmeister der neugegründeten Artillerie-Schule in München,Würdinger 1885. und dessen Sohn Franz Antoni Burckhard von Bürckhenstein (* 7. November 1685München, Zu Unserer Lieben Frau, Taufbuch 1684–1698, S. 36.) als Ersatzerbe erwähnt. Seinem „geistlichen Herrn Bruder“ Pater Bonifatius von Bürckenstein OSB hinterließ er ein Vermächtnis von 500 Gulden. Pater Bonifatius wurde am 14. März 1662 als Joseph Nikolaus Burkhard in Salzburg geboren.Salzburg, Dompfarre, Taufen 1658–1672, S. 224. Er schrieb sich am 29. Oktober 1675 an der Uni Salzburg ein.Redlich 1933, Nr. 5924. 1681 wurde er Professe der Benediktinerabtei Irsee, 1685 bekam er die Priesterweihe, 1712 wurde er Professe der Benediktinerabtei Gleink. Er starb 1725.Freundliche Auskunft des Archivs der Erzabtei St. Peter, Salzburg, 10. April 2026: Burkhard, P. Bonifaz, gest. 1725, Professe von Gleink bei Steyr, Rotel ASP, Hs. A 573, 408, mit Nachruf: „P. Bonifacius Burkhardt Salisburgensis antehoc Professus Vrsinensis iam verò ab Anno 1712 Glunicensis. Postquam Mundum hunc immundum adijt 1662 jam abijt, dum obijt. Annô aetatis 63, Professionis 44, Sacerdotij 40.“ Auf Deutsch zusammengefasst: „Pater Bonifacius Burkhardt stammte aus Salzburg, war zunächst Professe von Irsee, dann ab 1712 Professe von Gleink. Er wurde 1662 geboren und starb im Alter von 63 Jahren (d. h. 1725), 44 Jahre nach seiner Profess (d. h. Profess in Irsee 1681) und 40 Jahre nach seiner Priesterweihe (d. h. Priesterweihe 1685).“
Mögliche genealogische Verbindungen