Giulio Cesare Pallazuolo (* 1649 wahrscheinlich in Mailand; † 8. August 1722 in Wien) war kaiserlicher Reichshofrat.

Leben

Giulio Cesare Baron Pallazuolo (Palazzolo, Pallazolo) war ein Sohn des 1698 in den Reichsfreiherrnstand erhobenen Generalfiskals im Herzogtum Mailand, Francesco Palazzuolo. Da er kein Deutscher war, sondern Mailänder, stand seine Ernennung im Widerspruch zur Bestimmung der Reichshofratsordnung, nach der die Reichshofräte in Deutschland geboren und erzogen sein mussten.

Das ausnahmsweise in lateinischer Sprache verfasste Ernennungsdekret vom 25. Oktober 1701 hebt die vortrefflichen Eigenschaften hervor, die Pallazuolo im Dienst des Königs von Spanien und anderer Fürsten – von 1693 bis 1699 weilte er als Geschäftsträger von Modena am kaiserlichen Hof – sowie beim Friedensvertrag von Rijswijk an den Tag gelegt habe.

Am 20. Juni 1702 installiert – auf eigenen Wunsch nicht auf der Herren-, sondern auf der Gelehrtenbank –, nahm er bis Ende Februar 1706 an den Sitzungen teil. Kaiser Josef I. übernahm ihn anscheinend nicht in seinen Reichshofrat, bewilligte ihm aber am 27. März 1706 eine Erhöhung seiner Bezüge von 2000 auf 3000 Gulden.

Nach dem Regierungsantritt Kaiser Karls VI. bat Pallazuolo um neuerliche Zulassung zum Reichshofrat. Den Einwand, dass er kein Deutscher sei, entkräftete er mit dem Hinweis, dass der Kaiser von der betreffenden Vorschrift dispensieren könne, was frühere Herrscher auch mehrmals getan hätten, zuletzt Kaiser Leopold zu seinen eigenen Gunsten. Er habe sich im Reichshofrat der in diesem zugelassenen lateinischen Sprache bedient, verstehe aber auch die deutsche Sprache und habe in dieser in den deutschen Rechtssachen seine Stimme abgegeben.

Von Kaiser Karl VI. daraufhin als Reichshofrat bestätigt, wurde er am 26. April 1713 provisorisch und am 15. Januar 1714 endgültig neuerdings eingeführt und vereidigt und nahm bis Ende 1721 an den Sitzungen teil. Er starb am 8. August 1722.

Literatur Oswald von Gschließer: Der Reichshofrat. Bedeutung und Verfassung, Schicksal und Besetzung einer obersten Reichsbehörde von 1559–1806 (= Kommission für neuere Geschichte des ehemaligen Österreich ; 33), Wien 1942, S. 349f.

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