Pule ist eine historische Wüstung im Bereich des heutigen Sernow im südlichen Brandenburg. Die Siedlung erscheint seit dem Spätmittelalter in schriftlichen Quellen und blieb spätestens seit dem 15. Jahrhundert dauerhaft verlassen. Die zugehörige Feldmark wurde über Jahrhunderte von den Einwohnern Sernows bewirtschaftet und verwaltet.Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg Teil X Jüterbog-Luckenwalde. Erstauflage erschienen im Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992, Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam, 2011, ISBN 978-3-941919-87-7, S. 416.
Geografische Lage Die Wüstung wurde in den Messtischblättern mit der Lageangabe am ehemaligen Dorfpfuhl nordwestlich von Sernow verzeichnet. An dieser Stelle wurden spätslawische und frühdeutsche Funde geborgen, die Günter Mangelsdorf dokumentierte. Bereits 1843 wurde die Wüstung auf der nordwestlichen Seite der Feldmark von Sernow erwähnt. Weitere kartographische Nachweise finden sich im Urmesstischblatt 2247 Riesdorf (1847) sowie im Messtischblatt 2247 Schlenzer. Im Jahr 1698 grenzte die Wüstung bzw. ihre Feldmark an Lichterfelde, Werbig, die Wüstung Zippelsdorf, Riesdorf und Sernow.
Geschichte und Etymologie Etymologie Die Wüstung erschien erstmals um 1325 als Io fule. Sie wurde 1446 als wuste marck zcu pule bezeichnet. Weitere Namen sind Eyne wüste fel tmarcke zcüm pfule gnant im Jahr 1480 sowie Eine wust feiltmargke zum pfule gnanth im Jahr 1494. Die Feldmark erschien weiterhin im Jahr 1696 als der wuesten felt Marcke Puhl genant und im bereits genannten Urmesstischblatt von 1847 als Die wueste Mark Puhle. Der Name bedeutet so viel wie „Dorf bei einem Pfuhl, einem kleinen See“Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin, Band 13 der Brandenburgischen Historischen Studien im Auftrag der Brandenburgischen Historischen Kommission, be.bra wissenschaft verlag, Berlin-Brandenburg 2005, S. 135 ISBN 3-937233-17-2..
Herrschaftliche Zugehörigkeit Bis 1566 gehörte die Wüstung zum Erzstift Magdeburg, anschließend bis 1680 zum Administrator des Erzstifts. Von 1680 bis 1701 lag sie im Besitz des Kurfürsten von Brandenburg, danach bis 1815 beim König in bzw. von Preußen, bis 1773 weiterhin als Teil des Herzogtums Magdeburg.
Die grundherrlichen Verhältnisse waren komplex. Bis 1478 gehörte das Gebiet den Herren von Torgau zu Zossen. Zwischen 1478 und 1494 stand es im unmittelbaren Besitz des Erzbischofs von Magdeburg. Verlehnt wurde es vor 1446 bis nach 1472 an die Jüterboger Familie von Zeuden, sowie vor 1480 bis 1494 an die Familie Kamentz. Von 1494 bis 1553 war das Kloster Zinna im Besitz der Wüstung, anschließend bis 1872 das Amt Zinna. Auf der Wüstung befanden sich über lange Zeit rund 20 Hufen, deren Abgaben (vier Scheffel Roggen und 4 Scheffel Hafer je Hufe) möglicherweise nur als Hebungen weiterverliehen wurden. Im Jahr 1480 wurde die Wüstung mit 21 Hufen und den zugehörigen Hebungen genannt. Es ist möglich, dass das Kloster Zinna die Wüstung ursprünglich usurpiert hatte.Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg Teil X Jüterbog-Luckenwalde. Erstauflage erschienen im Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992, Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam, 2011, ISBN 978-3-941919-87-7, S. 417.
15. und 16. Jahrhundert Die Bewirtschaftung der Wüstung Puhle lässt sich über mehrere Jahrhunderte hinweg detailliert nachvollziehen. Bereits 1446 wurde die Wüstung mit 20 Hufen erwähnt. Für das Jahr 1480 ist eine differenzierte Aufteilung überliefert: In Sernow besaßen der Schulze und der Krüger jeweils zwei wüste Hufen zu Puhle. Sieben Dreidorfhufner verfügten ebenfalls über je zwei wüste Hufen, ein weiterer Dreidorfhufner über anderthalb Hufen. Hinzu kamen ein Kossät mit einer wüsten Hufe sowie der Pfarrer, der ebenfalls eine wüste Hufe innehatte. Insgesamt umfasste die Wüstung damit 21½ Hufen.
Im Jahr 1562 entzog die Gemeinde dem Pfarrer den Zehnten auf der Wüstung; der Amtmann erhielt den Auftrag, diesen Konflikt zu schlichten. Auch im Jahr 1568 ist die Nutzung genau dokumentiert. Schulze und Krüger hielten weiterhin je zwei wüste Hufen. Ein Dreidorfhufner bewirtschaftete vier wüste Hufen, drei weitere Dreidorfhufner jeweils zwei. Ein weiterer verfügte über 1½ Hufen, zwei weitere über jeweils eine wüste Hufe. Der Pfarrer besaß erneut eine wüste Hufe. Die Gesamtzahl belief sich nun auf 18½ Hufen.
17. und 18. Jahrhundert Im Jahr 1642 wurde die gesamte Wüstung den Einwohnern von Sernow zur Nutzung eingeräumt. Im Jahr 1704 umfasste sie 20½ Hufen, die die Sernower nach eigener Aussage bereits seit etwa 300 Jahren unter dem Pflug hatten. Das Gebiet war unbewohnt und wurde nur selten bestellt – mitunter lediglich einmal in sieben Jahren. Angebaut wurden vor allem Heidekorn und Roggen, doch überwog die Nutzung als Hütefläche. Auf die Frage nach dem Standort des ehemaligen Dorfes konnten die Einwohner keine Auskunft geben und vermuteten, es liege bereits seit 700 Jahren wüst.
In den Jahren 1728 und 1749 war die Wüstung vollständig in die Hufen von Sernow integriert. 1769 wurde sie als hoch gelegen und sandig beschrieben; sie diente im Frühjahr und Herbst der unentbehrlichen Schafhaltung. 1858 erschien sie als Wüstung zu Sernow, die in der Feldmark des Ortes aufgegangen war und nicht wieder besiedelt wurde.
Literatur Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg Teil X Jüterbog-Luckenwalde. Erstauflage erschienen im Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992, Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam, 2011, ISBN 978-3-941919-87-7, S. 416–417.
Einzelnachweise
Kategorie:Wüstung im Landkreis Teltow-Fläming Kategorie:Ersterwähnung 1325 Kategorie:Niederer Fläming (Gemeinde)