mini|Vestalin mit einem Weihrauchgefäß, 1670er Jahre. Ex-Sotheby's Willem Doudijns (* 31. Dezember 1630 in Den Haag; † 1697 ebenda, begraben am 6. Januar 1698) war ein niederländischer Maler und Zeichner. Er wurde vor allem durch seine mythologischen, historischen und allegorischen Kompositionen sowie durch seine Wand- und Deckenmalereien für öffentliche und private Räume bekannt. Er zählte zu den angesehensten Malern Den Haags seiner Zeit.

Leben mini|Venus, umgeben von Putten. Universitätsbibliothek Leiden Willem Doudijns wurde als Sohn des Haager Bürgermeisters Johan Doudijns und Wilhelmina Loquermans geboren. Willem und sein Bruder Jacob Doudijns und sein Sohn Hendrick waren Mitglieder der Confrerie Pictura, vermutlich als Amateure. Willem Doudijns erhielt zunächst eine rund zweijährige Ausbildung bei Alexander Le Petit. Um 1649 reiste er nach Italien, wo er sich rund zwölf Jahre aufhielt. In Rom war er 1656 und 1657 nachweislich ansässig und lebte zusammen mit Bartholomeus Appelman und Philips Le Petit in der Strada Laurina. Dort wurde er Mitglied der Bentvueghels/Schildersbent, einer Vereinigung niederländischer und flämischer Künstler in Rom. Er erhielt den Bentnamen Diomedes. In Italien studierte er intensiv die Werke italienischer Meister und fertigte Zeichnungen nach antiken Skulpturen an. Diese wurden später von Jan de Bisschop (Johannes Episcopius) in dessen Stichwerk Signorum Veterum Icones (1668/69) als Radierungen veröffentlicht. 1661 kehrte Doudijns nach Den Haag zurück. In der Folgezeit war er wiederholt Dekan der Bruderschaft Confrerie Pictura und bekleidete verschiedene weitere Ämter.

Werk mini|Johannes der Täufer, bei einer Taufe. Parliamentary Art Collection, London Das Schaffen von Willem Doudijns umfasst mythologische, historische und allegorische Gemälde sowie Wand- und Deckenmalereien, die er für öffentliche und private Auftraggeber anfertigte. Bereits zu Lebzeiten und noch im frühen 18. Jahrhundert genoss er hohes Ansehen unter seinen Zeitgenossen. Insbesondere seine Figurenkompositionen, die realistische Darstellung des Akts und die naturgetreue Wiedergabe von Draperien wurden gerühmt. Diese Fähigkeiten hatte er während seines Romaufenthalts durch das Studium antiker Plastiken und der Werke großer italienischer Meister erworben. Von den figurenreichen barocken Kompositionen, die ab 1667 entstanden, sind zahlreiche Werke verloren gegangen. Dazu zählen die Wanddekorationen für das Koorenhuis in Den Haag aus dem Jahr 1686 (das Gildehaus der Confrerie Pictura, von dem eine Kopie von Matthäus Terwesten im Rijksprentenkabinet in Amsterdam erhalten ist), eine in der Art des Paolo Caliari (Veronese) gemalte Opferung der Iphigenie sowie ein nach Nicolas Poussin gestaltetes Gemälde Thetis und Peleus. Im Kunsthandel befanden sich zudem ein Gemälde Christus unter den Schriftgelehrten (Amsterdam, Versteigerung H. van Swol, 20. April 1707) und eine Allegorie der Festungsbaukunst (Leiden, Versteigerung Van Couwerven, 31. Juli 1765). Jeremias van Schaak fertigte nach einer allegorischen Komposition von Doudijns ein großes Schabkunstblatt an. Zu den erhaltenen und gesichert zugeschriebenen Werken zählen das Gemälde Die niederländische Jungfrau beschützt den Glauben aus dem Jahr 1667 im Centraal Museum Utrecht sowie das Salomonsurteil im Alten Rathaus von Den Haag. Letzteres wurde ursprünglich für die dortige Schöffenbank geschaffen.

Zu Doudijns Schülern zählten die Maler Augustinus und Matthäus Terwesten, Pieter van Reenen, Michiel van der Valk, Willem Wissing und Domenicus van Wijnen.

Literatur Didier Bodart: Les peintres des Pays-Bas méridionaux et de la principauté de Liège à Rome au XVIIe siècle. Institut historique belge de Rome, Bruxelles/Rom 1970. Edwin Buijsen, Charles Dumas, Volker Manuth u. a.: Haagse schilders in de Gouden Eeuw. Het Hoogsteder Lexicon van alle schilders werkzaam in Den Haag, 1600–1700. Waanders / Hoogsteder & Hoogsteder, Zwolle / Den Haag 1998. Godefridus Johannes Hoogewerff: De Bentvueghels. Martinus Nijhoff, Den Haag 1952. Matthias Schapelhouman: In yver ten konsthemel uytbonzen. Over twee tekeningen van Mattheus Terwesten. In: Bulletin van het Rijksmuseum, 34, 1986, S. 177–182.

Gerd Unverfehrt: Die niederländischen Gemälde. Kunstsammlung der Universität Göttingen. Universität Göttingen, Göttingen 1987. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 4: Cossintino – Dyck. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online (AKL), De Gruyter, 2009, Eintrag: Doudijns, Willem.

Weblinks

Willem Doudijns im RKD – Nederlands Instituut voor Kunstgeschiedenis Willem Doudijns in der Sammlung des Art Institute of Chicago Willem Doudijns in der Sammlung des Rijksmuseum V&A Blog: Teaching art and spreading models: Jan de Bisschop's prints after the antique

Einzelnachweise

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