Hans Böckh, auch bekannt als Hans Boeckh (* 4. Juli 1937 in Heidelberg), ist ein deutscher Kunsthistoriker und Spezialist für die Emailmalerei des 17. bis frühen 19. Jahrhunderts, vor allem für Email-Miniaturen. Er war langjähriger Konservator am Patek Philippe Museum in Genf und maßgeblich an seiner Gründung beteiligt. 2023 wurde er mit dem Prix Gaïa in der Kategorie „Histoire et recherche“ ausgezeichnet.

Leben Hans Böckh wurde 1937 als Sohn des Malers und Kunsterziehers Walter Böckh und der Malerin und Illustratorin Lotte Böckh-Vetter in Heidelberg geboren.

Nach dem Schulabschluss 1955 absolvierte er in Pforzheim eine Lehre als Goldschmied und Juwelier. Nach dem Militärdienst setzte er seine Ausbildung an der École des Arts Appliqués in Genf fort (Fachrichtung Kunst, Gravur und Emailmalerei). Er schloss 1962 mit dem Diplom ab und erwarb 1963 das Spezialdiplom in Gravur.

Anschließend arbeitete er als Uhren- und Schmuckdesigner in Genf, Luzern und 1969 für drei Jahre in Rio de Janeiro. In Brasilien war er bei der Juwelierfirma H. Stern do Brasil tätig, gründete eine eigene Gießerei für die Massenproduktion von Schmuck und stellte auf der Biennale von São Paulo aus. Er erhielt zahlreiche Designpreise, darunter fünfmal den Prix de la Ville de Genève. 1970 gewann er mit einem „Mystery-Dial“-Entwurf im trapezförmigen Gehäuse den internationalen Wettbewerb für die erste Schweizer Quarz-Uhr (Beta 21).

Später studierte er Kunstgeschichte und Klassische sowie Christliche Archäologie. 1980 wurde er bei Erik Forssman an der Universität Freiburg im Breisgau mit einer Dissertation zur Genfer Emailmalerei promoviert.

Er war Kunsthistoriker am Musée d’art et d’histoire in Genf und Forschungsbeauftragter des Schweizerischen Nationalfonds. Von 1997 bis zu seiner Pensionierung am 1. Januar 2008 war er Kurator am Patek Philippe Museum in Genf, das er maßgeblich mit aufgebaut hatte. Boeckh lebt in Genf.

Werk Sein wissenschaftliches Hauptwerk ist die Dissertation Emailmalerei auf Genfer Taschenuhren vom 17. bis zum beginnenden 19. Jahrhundert (1982). Daneben veröffentlichte er zahlreiche Fachartikel, unter anderem in GENAVA, Revue du Louvre und in Sammelbänden der Tansey Miniatures Foundation. Sechs seiner Beiträge sind in der Fachbibliografie der Tansey Miniatures Foundation verzeichnet (1999–2020).

Er verfasste die Studie zur „Artemisia-und-Berenike-Uhr“ für das Historische Museum Basel (2020).

Auszeichnungen

5-maliger Preisträger des Prix de la Ville de Genève de la Montre et de la Joaillerie Vorgänger des heutigen Grand Prix d’Horlogerie de Genève. 1970: Kategorie Uhren (Gestaltung einer Herrenarmbanduhr mit elektronischem Quarz-Uhrwerk) Hans BOECKH, de Rio de Janeiro. 1973: Kategorie Juwelierkunst (Frauenring). 1976: Kategorie Schmuck: (Sautoir ohne Steine und ohne Perlen) Preisträger : M. Hans BOECKH, Genf, Weber & Cie 1977: Kategorie Email (freie composition Format A4). Preisträger: Hans BOECKH, Weber & Cie, Genf. 1978: Kategorie Juwelierkunst (Fibel). Preisträger : Hans BOECKH, Weber & Cie 2023 erhielt Hans Böckh den Prix Gaïa in der Kategorie „Histoire et recherche“. Die Jury würdigte „seine außergewöhnliche Karriere, die von Bescheidenheit, der Verbindung von wissenschaftlicher Strenge und praktischem Fachwissen sowie dem Bestreben geprägt ist, private und öffentliche Institutionen zur Erhaltung von Sammlungen und Kulturgut zusammenzubringen“.

Veröffentlichungen (Auswahl) mini|hochkant|Dissertation (1982) Monografien Hans Boeckh: Emailmalerei auf Genfer Taschenuhren vom 17. bis zum beginnenden 19. Jahrhundert. Freiburg im Breisgau 1982 (zugleich Dissertation Universität Freiburg i. Br. 1980, Lebenslauf S. 463).

Buchbeiträge

Emaillierte Bildnisminiaturen der Barockzeit inner- und außerhalb Frankreichs. In: Tansey Miniatures Foundation Celle (Hrsg.): Miniaturen der Barockzeit aus der Sammlung Tansey. Hirmer, München 2016, ISBN 978-3-7774-2638-9.

Fachartikel Hereticis veritas: quelques observations iconographiques concernant une porte de l’ancienne Academia genavensis. Fachartikel, Genava/Hereticis veritas: quelques observations iconographiques concernant une porte de l’ancienne Academia genavensis. 1998, Num. 46, S. 99–110, 15 ill., ISSN 0072-0585. Les arts du feu à Augsbourg et à Genève : ou comment différencier les deux écoles entre 1680 et 1710. Fachartikel, Genava, 1996, Vol. 44, S. 81–94, 17 ill., 1 pl. col. ISSN 0072-0585. Barocke Lyrik im Bild oder wie Cupido zum Tee kam … : Beobachtungen zum Schmelzfarbendekor an Augsburger Teeservicen. Fachartikel, Kunst & Antiquitaten, 1992, Num. 12, S. 54–59, 16 ill. (7 col.), ISSN 0341-4159. Une relation curieuse entre Ambras, Berlin et Genève. Fachartikel, Genava, 1991, Vol. 39, S. 67–73, 8 ill., ISSN 0072-0585. Me. Cannac: une miniature sur émail de Jean-Etienne Liotard. Fachartikel, Genava. 1989, Vol. 37, S. 129–130, 1 ill. ISSN 0072-0585. Remarques sur l’origine et la place de la peinture en émail dans l’oeuvre de Liotard. Fachartikel, Genava. 1989, Vol. 37, S. 117–128, 11 ill., ISSN 0072-0585. P. Huaud’: signature du père ou du fils? Fachartikel, Genava. 1985, Num. XXXIII, S. 75–81. Jean-Louis Richter, peintre genevois sur émail (1766–1841): son mode de travail et le choix de ses motifs. Fachartikel, Genava. 1983, Num. XXXI, S. 101–119.

Weblinks Press kit Prix Gaïa 2023 (PDF mit ausführlicher Biografie) Tansey Miniatures Foundation – Literatur Schweiz Prix Gaïa 2023 – Fédération de l’industrie horlogère suisse Die Artemisia-und-Berenike-Uhr (PDF, Historisches Museum Basel)

Einzelnachweise

Kategorie:Kunsthistoriker Kategorie:Person (Genf) Kategorie:Person (Brasilien) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1937 Kategorie:Mann