Die Archäologische Stätte Kernavė (offiziell auch Kulturreservat Kernavė) ist eine archäologische Fundlandschaft im Tal der Neris bei Kernavė in Litauen. Das Gebiet bewahrt Spuren menschlicher Besiedlung von der späten Altsteinzeit bis in das Mittelalter und die Neuzeit. 2004 wurde die Stätte in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen.
Beschreibung Das Schutzgebiet ist 194,4 Hektar groß und umfasst ein dichtes Ensemble archäologischer Denkmäler. Dazu gehören fünf Burghügel, unbefestigte Siedlungen, Gräberfelder sowie weitere historische und kulturelle Relikte.
Kernavė gilt als eine der bedeutendsten archäologischen Stätten Litauens. Nachweise belegen eine Nutzung des Gebiets über rund zehn Jahrtausende hinweg, von der späten Altsteinzeit bis in die Neuzeit.
Besonders markant ist die Gruppe von fünf Burghügeln. Die vier nahe beieinanderliegenden Hügel Aukuro kalnas, Mindaugo Sostas, Lizdeikos kalnas und Pilies kalnas bilden ein zusammenhängendes Verteidigungssystem. Der etwa 0,4 km südöstlich gelegene Kriveikiškio piliakalnis diente im 14. Jahrhundert vermutlich als vorgeschobener Beobachtungs- und Verteidigungsposten.
Seit 1979 wird die Stätte systematisch archäologisch untersucht, jedoch wurden bislang nur rund 2 % des Reservats erfasst. Dabei wurden zahlreiche Funde aus verschiedenen Epochen geborgen, darunter 2023 ein Hortfund aus fünf Silberstangen aus dem 13. oder 14. Jahrhundert. Ein Teil der Funde wird im Archäologischen Museum Kernavė gezeigt.
Seit 1999 findet im Kulturreservat jährlich das internationale Festival der Experimentalarchäologie Gyvosios archeologijos dienos statt.
Welterbe Die UNESCO nahm Kernavė 2004 in die Welterbeliste auf. Ausschlaggebend waren vor allem die außergewöhnlich lange Siedlungskontinuität im Tal der Neris sowie die für das Baltikum bedeutende Burghügellandschaft.
Nach UNESCO-Kriterium (iii) stellt Kernavė ein herausragendes Zeugnis der Siedlungsentwicklung in der Region über mehrere Jahrtausende dar. Kriterium (iv) bezieht sich auf die erhaltene Landschaft aus Burghügeln, Siedlungen und Bestattungsplätzen, die ein bemerkenswertes Beispiel eines befestigten Siedlungsraums bildet.
Verwaltung und Schutz Das Kulturreservat wurde 1989 eingerichtet und steht unter dem höchsten nationalen Schutzstatus Litauens. Es befindet sich vollständig im Staatseigentum und wird von der Direktion des Staatlichen Kulturreservats Kernavė unter Aufsicht des litauischen Kulturministeriums verwaltet.
Im Kerngebiet sind wirtschaftliche Aktivitäten grundsätzlich untersagt. Für die Pufferzone gelten zusätzliche Schutzbestimmungen. 2011 wurde die Stätte zudem unter den verbesserten Schutz des Zweiten Protokolls zur Haager Konvention gestellt.
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Einzelnachweise
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