Johann Heinrich Schönherr (geb. 1771 in Memel, Ostpreußen; gest. 1826) war ein deutscher Theosoph in Königsberg.
Leben Schönherr kam in der Garnisonsstadt als Sohn eines Unteroffiziers der preußischen Armee zur Welt. Mit 15 Jahren begann er eine Lehre als Kaufmann in Königsberg, beschloss aber mit 17 Jahren – beeindruckt durch die Gelehrten an der Albertus-Universität Königsberg – Prediger zu werden. Durch Geldmangel blieb ihm der Universitätsbesuch verwehrt, sodass er zwei Jahre in einem „Armen-Erziehungshaus“ wohnte und lernte. Anschließend zog er durch Norddeutschland und hatte in Rinteln sein Erweckungserlebnis: Die gesamte Schöpfung beruhe auf der Vereinigung zweier ursprünglich gegensätzlicher Prinzipien, dem männlichen und dem weiblichen „Urwesen“. Seine Lehre wurde später von dem Königsberger Theologen Hermann Olshausen beschrieben.
Seine wichtigsten Anhänger waren die Königsberger Pfarrer Johann Wilhelm Ebel und Heinrich Diestel. Inspiriert, aber in Abgrenzung zu Schönherrs Lehre (sie übernahmen im Wesentlichen das zwei „Urwesen“-Modell) begründeten sie einen pietistischen Kreis. Zu ihm gehörten Männer und Frauen aus den führenden Familien Königsbergs und dem führenden Adel, u. a. Ernst Wilhelm von Kanitz (1789–1869), Oberlandesgerichtsrat, Tribunalsrat und Rittmeister, sowie die Gräfin Ida von der Groeben. Der Kreis wurde als Sekte verdächtigt und als Muckerbewegung bekämpft. Gegen ihre beiden Anführer Ebel und Diestel wurden mehrere Prozesse geführt. Schönherr, der ein „exzentrisches Charisma“ (Olshausen) besaß, starb von seinen Anhängern verlassen und in Armut.
Literatur Hermann Olshausen: Lehre und Leben des Königsberger Theosophen Joh. Heinrich Schönherr, Leipzig 1838. Eduard von Hahnenfeld: Die religiöse Bewegung zu Königsberg in Preußen in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts und die heutige Kirchengeschichte. Braunsberg 1858 (Digitalisat) Christopher Clark: Skandal in Königsberg: Eine Geschichte von Moral, Medien und Politik aus dem alten Preußen. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2025, ISBN 978-3-421-07049-4, v. a. S. 37–53.
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