mini|Astrologe beobachtet die Tagundnachtgleiche und eine Abschiedsszene von Venus und Adonis (um 1680), Nationalmuseum Warschau Domenicus van Wijnen bzw. van Wynen lt. AKL (* 1661 in Amsterdam; † 1698 ebenda lt. RKD) war ein niederländischer Maler des Goldenen Zeitalters. Er ist bekannt für seine historischen Allegorien, Genreszenen sowie Darstellungen von Hexerei und okkulten Themen. Dadurch stellt er eine Ausnahmeerscheinung innerhalb der niederländischen Malerei des späten 17. Jahrhunderts dar.
Leben Domenicus van Wijnen wurde 1661 in Amsterdam geboren. Sein Vater Dirk Harmens van Wijnen (1627–1659) starb, als Domenicus erst ein Jahr alt war. Seine Mutter Anna Geertuid Everaedts hatte Dirk am 4. Oktober 1657 geheiratet. Über seine frühe Ausbildung ist wenig überliefert. Im Jahr 1674 ist er als Schüler des Haager Malers und Kupferstechers Willem Doudijns (1630–1697) nachgewiesen. Doudijns, der selbst zwölf Jahre in Italien verbracht hatte und in Den Haag zu den angesehensten Künstlern zählte, prägte van Wijnens frühe Entwicklung im Bereich der Historienmalerei und des Figurenstudiums.
Zwischen 1680 und 1690 hielt sich van Wijnen in Rom auf, wo er sich der Gemeinschaft der unter dem Namen Bentvueghels bekannten niederländischen und flämischen Künstler anschloss. Diese informelle Künstlervereinigung, die zwischen 1620 und 1720 aktiv war, stand unter der Schirmherrschaft des Bacchus und war für ihre ausgelassenen Aufnahmefeiern bekannt. Arnold Houbraken berichtet in seiner 1718 erschienenen Sammlung von Künstlerbiografien De groote schouburgh der Nederlantsche konstschilders en schilderessen, Domenicus van Wijnen habe innerhalb der Bentvueghels den Bentnamen Ascanio getragen. Das RKD gibt die latinisierte Form Ascanius an, eine Anspielung auf den Sohn des trojanischen Helden Aeneas. Sein genaues Todesjahr ist gesichert; seine Beerdigung fand am 10. Dezember 1698 in Amsterdam statt.
Werk mini|Die Versuchungen des heiligen Antonius (ca. 1685). National Gallery of Ireland, Dublin Domenicus van Wijnens malerisches Œuvre ist vergleichsweise klein und umfasst nur etwa ein Dutzend sicher zugeschriebener Gemälde. Er widmete sich hauptsächlich historischen Allegorien und der Genremalerei. Ein erheblicher Teil seiner erhaltenen Werke hat dabei Szenen aus dem Bereich der Hexerei und des Okkultismus zum Thema. Diese thematische Ausrichtung macht ihn zu einer Ausnahmeerscheinung in der niederländischen Malerei seiner Zeit. Seine Werke wirken auf Bildtraditionen voraus, die erst im 19. und frühen 20. Jahrhundert breiter rezipiert wurden. Zu den bekanntesten Werken van Wijnens zählt Die Versuchungen des heiligen Antonius (National Gallery of Ireland, Dublin), auf dem der Heilige von einem Schwarm fantastischer Wesen umgeben ist, die in der Luft schweben. Ein weiteres bekanntes Werk ist Medea verjüngt Aeson (Musée des Beaux-Arts de Pau), das die Zauberin Medea zeigt. Sie liegt nackt in einem goldenen Wagen der Hekate und richtet ihren Zauberstab auf den am Boden liegenden Körper des Aeson. Sie ist umgeben von Putten, einer Glaskaraffe mit einem kleinen Teufel sowie Gegenständen der Alchimie und des Hexenwesens.
Das Gemälde Hexensabbat bei Mondlicht zeigt eine Ansammlung allegorischer Figuren in einer nächtlichen, italienisch anmutenden Landschaft am Fuße eines Galgens. Das Gemälde Astrologe beim Beobachten der Tagundnachtgleiche und Abschied von Venus und Adonis (Muzeum Narodowe, Warschau) verbindet eine himmelskundliche Szene mit mythologischen Figuren. Darüber hinaus wird Domenicus van Wijnen die Komposition zugeschrieben, die der Kupferstecher Matthijs Pool um 1700 als Aufnahmefest eines Bentvueghels in Rom im Rijksmuseum Amsterdam überlieferte. Das originale Gemälde gilt als verloren.
Stilistisch steht van Wijnens Werk in der Tradition der flämisch-niederländischen Historienmalerei. Zugleich zeigen sich Einflüsse der in Rom gepflegten Nachtbildmalerei sowie manieristischer Bildkonzeptionen. Charakteristisch für sein Schaffen sind kleine, schwebende Figuren, fliegende Kugeln und von Mondlicht beleuchtete Landschaften. In der kunsthistorischen Literatur wird sein Werk teilweise in die Nachfolge der phantastischen Bildwelt Hieronymus Boschs gesehen.
Werke (Auswahl)
Literatur Arnold Houbraken: De groote schouburgh der Nederlantsche konstschilders en schilderessen. Amsterdam 1718–1721. Godefridus Johannes Hoogewerff: De Bentvueghels. Martinus Nijhoff, Den Haag 1952. Didier Bodart: Les peintres des Pays-Bas méridionaux et de la principauté de Liège à Rome au XVIIe siècle. Institut historique belge de Rome, Bruxelles/Rom 1970. Giuliano Briganti, Ludovica Trezzani, Laura Laureati: I Bamboccianti. Pittori della vita quotidiana a Roma nel Seicento. Ugo Bozzi Editore, Rom 1983. Allgemeines Künstlerlexikon – Internationale Künstlerdatenbank – Online. Herausgegeben von: Andreas Beyer, Bénédicte Savoy und Wolf Tegethoff, De Gruyter 2009.
Weblinks
Eintrag zu Domenicus van Wijnen im Rijksbureau voor Kunsthistorische Documentatie (RKD) Eintrag zu Domenicus van Wijnen in der Web Gallery of Art Unique imagery of Domenicus van Wijnen
Einzelnachweise
Kategorie:Maler (Amsterdam) Kategorie:Goldenes Zeitalter (Niederlande) Kategorie:Hexerei in Kunst und Literatur Kategorie:Genremaler Kategorie:Maler des Barock Kategorie:Niederländer Kategorie:Geboren 1661 Kategorie:Gestorben 1698 Kategorie:Mann