Das Jüdische Altersheim Gerlachstraße bestand in Berlin-Mitte von 1931 bis 1943.
Lage miniatur|180px|Berlin, 1902, mit Lietzmannstraße (oben rechts) Das Altersheim befand sich in der Gerlachstraße (bis 1939 Lietzmannstraße) 18–21, auf der nordöstlichen Straßenseite zwischen der Landwehrstraße und der Georgenkirchstraße. Das Gebiet lag nordöstlich des Alexanderplatzes zwischen der Neuen Königstraße und der Landsberger Straße. In der Gegenwart steht in der Nähe das Haus der Statistik im Neubaugebiet Otto-Braun-Straße/Berolinastraße.
Geschichte Am 1. November 1931 wurde das neue Altersheim in der Lietzmannstraße 19–21 eröffnet.Gemeindeblatt der Jüdischen Gemeinde in Berlin, 1931, Nr. 12; auch Birgit Gregor, Ein verschwundener Ort. Das Altersheim in der Litzmannstraße / Gerlachstraße, 2000, S. 158ff., mit Details (der Name des Trägers wurde hier angegeben, nicht die Bezeichnung des Altersheims), siehe auch die folgenden Jahre Träger war der Verein Jüdisches Altersheim für die Provinzen Brandenburg und Grenzmark e. V., der von dem Rabbiner Martin Salomonski geleitet wurde und vorher bereits in Landsberg an der Warthe ein gleichnamiges Heim geführt hatte.Es war modern und komfortabel eingerichtet und hatte eine Synagoge nach Plänen von Gustav Bauer, die als architektonisch besonders interessant galt.Wegweiser durch die jüdische Gemeinde zu Berlin, 1937, S. 6 Myra Warhaftig, Deutsche jüdische Architekten vor und nach 1933, 2005, S. 58, Die Innenwände waren mit seltenen Figuren bemalt und die Presse reagierte damals mit den Worten: „Das Glanzstück des ganzen Hauses ist die Synagoge.“ W. Ernst, Berlin und seine Bauten. Band Sakralbauten, 1964, S. 438, auch über Gustav Bauer 1932 wurde zusätzlich das Nachbarhaus in der Nr. 18 erworben, danach gab es über 120 Plätze. In den folgenden Jahren nahm die Belegung deutlich zu, da es wegen der zunehmenden Repressionen gegen die jüdische Bevölkerung immer mehr bedürftige Antragsteller gab. 1935 ließ Salomonski eine Gedenktafel für die Opfer des Hostienschändungsprozesses gegen Juden im Jahre 1510 am Gebäude anbringen, die bis heute erhalten ist.
1939 wurde das Altersheim unter Treuhandverwaltung gestellt und der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland unter der Kontrolle der Gestapo unterstellt. In den folgenden Jahren wurde es zu einem Sammelort für ältere jüdische Menschen aus Berlin und der Umgebung. 1942 und 1943 wurden von hier über 2.500 Personen in die größeren Berliner Sammellager und von dort in das Vernichtungslager Treblinka und weitere Vernichtungslager deportiert, wo die meisten von ihnen ermordet wurden.Akim Jah: Die Berliner Sammellager im Kontext der Judendeportationen 1941–1945, in Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, 3/2013, S. 211–231 (leicht verbesserte Version, PDF); auch ders., Das vergessene Sammellager am Alex, in KM-Magazin, 3/2021, S. 10 (PDF); mit vielen Details Akim Jah, Gerlachstraße Assembly Camp in Berlin, 1942 to 1943, in Henning Borggräfe, Akim Jah (Hrsg.), Deportations in Nazi Era, de Gruyter, Boston/Berlin 2022, S. 249–274 (Digitalisat, PDF), mit detaillierten Informationen Im April 1943 wurde das Altersheim an die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt verkauft (arisiert).Wolfgang Hofmann, Fürsorge in Brandenburg, 2007, S. 240 (kurzer Ausschnitt), mit kurzen historischen Details, (wahrscheinlich nach Birgit Gregor, 2000, S. 264f.)
Zerstörung und Gedenkort Im Mai 1944 wurde das Gebäude durch einen Bombenangriff schwer beschädigt, die Synagoge blieb aber erhalten. In den 1950er Jahren wurden die Ruinen des Altersheimes beseitigt, die Synagoge wurde 1955 unter Denkmalschutz gestellt. Nach 1965 wurde sie dennoch beseitigt, um Platz für das neue Haus der Statistik im Neubaugebiet zwischen der Mollstraße und der Otto-Braun-Straße zu schaffen.
Seit 2022 gibt es verschiedene Initiativen, um ein würdiges Gedenken an dieses Altersheim zu schaffen.Fügung des Schicksals ZK/U Gedenken Jüdisches Altenheim Gerlachstraße Mitte-Museum, 2024, mit nachgebildetem Grundriss des Gebäudes (Das Haus der Statistik wird seit dieser Zeit als Künstlerinnenzentrum genutzt.) Am 13. Februar 2026 gab die Kultursenatorin einen Zwischenbericht über die bisherigen Aktivitäten und kündigte weitere Maßnahmen des Senats für das dritte Quartal des Jahres an.Jüdisches Altenheim Gerlachstraße – Würdiges und dauerhaftes Gedenken Abgeordnetenhaus Berlin, Mitteilung (PDF)
Literatur
Birgit Gregor: Ein verschwundener Ort – das jüdische Altersheim in der Litzmannstraße / Gregorstraße. In: Horst Helas (Hrsg.): Juden in Berlin Mitte. Biografien – Orte – Begegnungen. Berlin 2000. S. 58–65 (kurze Ausschnitte), grundlegende historische Darstellung Eike Geisel: Wegweiser durch das jüdische Berlin. Berlin 1987, S. 267, mit Fotografien
Einzelnachweise
Kategorie:Jüdische Geschichte (Berlin) Kategorie:Berlin-Mitte Kategorie:Königsstadt Kategorie:Abgegangenes Bauwerk in Berlin Kategorie:Judenverfolgung im Deutschen Reich (1933–1945) Kategorie:Altenheim (Deutschland)