Die Weiße Rose ist ein Musical in zwei Akten von Alex Melcher und Vera Bolten, das die Geschichte der Widerstandsgruppe Weiße Rose in der Zeit des Nationalsozialismus von den Ursprüngen bis zur Hinrichtung ihrer Mitglieder im Frühling 1943 behandelt. Das im Juni 2025 am Festspielhaus Neuschwanstein uraufgeführte Musical erhielt in sieben Kategorien den Deutschen Musical Theater Preis 2025.
Entstehung
Die Idee zum Musical Die Weiße Rose ging aus der Faszination von Vera Bolten und Alex Melcher für den Mut und Kompromisslosigkeit von Sophie und Hans Scholl hervor. Das Bedürfnis, darüber ein Musical zu schreiben, war auch eine Reaktion darauf, dass „viele Menschen und insbesondere Jugendliche“ die Widerstandsgruppe nicht kennen. Im Vordergrund der Stückentwicklung stand das Bestreben, „die Geschehnisse historisch korrekt und verständlich wiederzugeben“ und zugleich „die emotionale Nähe zu den Charakteren zu schaffen“.Interview mit Vera Bolten und Alex Melcher auf musicalzentrale.de (3. Mai 2025)
Die Weiße Rose Stiftung begleitete die Entstehung des Musicals und war beratend tätig. Deren Wanderausstellung Weiße Rose. Der Widerstand von Studenten gegen Hitler, München 1942/43 wurde begleitend zu den Aufführungen im Festspielhaus Neuschwanstein gezeigt.Website Weiße Rose Stiftung e.V.
Handlung
Erster Akt Ausgehend von der anfänglichen Begeisterung der Geschwister Scholl in der Hitlerjugend thematisiert das Musical deren schrittweise Abwendung vom Regime.
Mit Studienbeginn in München lernt Hans Scholl zunächst Alexander Schmorell kennen, der ihm Traute Lafrenz und Christoph Probst vorstellt. Hans’ jüngere Schwester Sophie Scholl muss ihre Ausbildung und den Reichsarbeitsdienst absolvieren, bevor sie in München studieren kann. Mit ihrem Freund Fritz Hartnagel verbindet sie ein intensiver Briefkontakt.
Der Einmarsch der deutschen Truppen in Russland ist für die Freunde ein Schlag und verstärkt ihre kritische Einstellung gegenüber den politischen Entscheidungen und der Lage in Deutschland. An einem Diskussionsabend lernen Hans, Christoph, Alex und Sophie, die ihr Studium inzwischen begonnen hat, den Kommilitonen Willi Graf kennen. Auch ihr Philosophie-Dozent Kurt Huber ist anwesend und es kommt zu ersten politischen Annäherungen.
Inspiriert durch eine auf Flugblättern weitergereichte, kritische Predigt des Bischofs von Münster, Clemens August Graf von Galen, verfassen Hans und Alex die ersten vier Flugblätter, die sie in kleiner Stückzahl an ausgewählte Adressen verschicken. Sophie entdeckt – ebenso wie Willi – eins der Flugblätter. Beide werden Mitglieder der Gruppe.
Zweiter Akt mini|Szenenfoto aus Die Weiße Rose (2026) mit Friederike Zeidler als Sophie Scholl und Jonathan Guth als Hans Scholl Hans trifft auf Traute Lafrenz, mit der er im vorangegangenen Sommer eine kurze Affäre hatte. Auf die Flugblätter angesprochen, reagiert er ausweichend, aber Traute versichert ihm ihre Unterstützung.
Hans, Alex und Willi werden als Sanitäter an die Ostfront geschickt, wo sie unter den Eindrücken des Einsatzes in Russland neue Flugblattaktionen planen. In München organisiert Sophie während einer weiteren Zeit beim Reichsarbeitsdienst finanzielle Mittel und Materialien für die Weiterführung der Widerstandsarbeit.
Meldungen über das Kriegsgeschehen und Informationen über die Judenvernichtung veranlassen die Gruppe dazu, ihre Flugblattaktionen auszuweiten. Auch ein Eklat bei der Geburtstagsfeier der Universität mit Tumulten in der Studentenschaft feuert ihren Enthusiasmus weiter an. Hans bittet nun auch Christoph, den die Gruppe wegen seiner jungen Familie bisher aus den Planungen herausgehalten hatte, einen Flugblatttext zu verfassen.
Ende Januar 1943 ist Fritz in Russland auf dem Rückzug von Stalingrad und kommt in Lemberg ins Lazarett. Außer sich durch das Schicksal der 6. Armee in Stalingrad, verfasst nun auch Kurt Huber ein Flugblatt, das die Studentenschaft zum Widerstand auffordert, und übergibt es Hans.
Die Freunde beginnen mit der Herstellung des 6. Flugblatts und machen nachts Maueranschriften gegen das Regime. Bei einem Treffen übergibt Christoph Hans seinen Flugblattentwurf. Am 18. Februar 1943 gehen Hans und Sophie mit einem Koffer voller Flugblätter in die Uni, um sie während einer Vorlesung in den Gängen zu verteilen. Als Sophie Blätter von der Balustrade wirft, werden die beiden entdeckt und festgenommen.
Durch den Fund seines Flugblattentwurfs bei Hans wird auch Christoph überführt und verhaftet. Hans, Sophie und er werden drei Tage lang verhört und stehen nach anfänglichem Leugnen am Ende mit voller Überzeugung zu ihren Taten.
In der letzten Szene des Musicals verschränken sich der Prozess vor dem Volksgerichtshof und Einzelszenen, in denen die Mitglieder der Weißen Rose in den Gefängniszellen ihre Abschiedsbriefe schreiben.
Gesangsnummern Das Musical enthält die folgenden Gesangsnummern:Online-Ansichtsmaterial (Textbuch), Verlag Musik und Bühne (Stückekontor)
Heimat (Sophie, Ensemble) Aufbruch (Sophie, Hans, Robert Scholl, Ensemble) Vers la lumière (Hans) Sophies Walzer, Teil 1 (Sophie, Fritz) Barbarossa (Alex) Von Galen (Hans, Alex, Christoph, Ensemble) Von ewiger Unruhe (Willi, Ensemble) Ein Deutsches Flugblatt, Teil 1 (Hans, Alex, Sophie, Ensemble) Was auch kommt (Traute) Sophies Walzer, Teil 2 (Sophie, Fritz) Heut und in Ewigkeit, Teil 1 (Christoph) Harter Geist, weiches Herz (Sophie, Hans, Ensemble) Ein deutsches Flugblatt, Teil 2 (Christoph, Alex, Willi, Huber, Ensemble) Heut und in Ewigkeit, Teil 2 (Alle)
Instrumentation Die Begleitband umfasst folgende Instrumente:Stückinfo Verlag Musik und Bühne / Stückekontor 2 Gitarren (elektrisch und akustisch) Keyboard Schlagzeug Violine Violoncello E-Bass
Rezeption
Die dpa schrieb in einer Rezension zur Uraufführung, Die Weiße Rose sei „ein bewegendes, aufwühlendes Stück mit packender Musik, das eindringlich und vielschichtig erzählt, wie Sophie und Hans Scholl, Alexander Schmorell und deren Freunde den Mut finden, sich gegen ein verbrecherisches Regime aufzulehnen“.Uraufführung: Berührendes Musical über "Die Weiße Rose", dpa-Rezension (ohne Autorenangabe), zitiert nach Zeit online, 1. Juli 2025, abgerufen am 6. März 2026
Oliver Hochkeppel nannte das Musical in der Süddeutschen Zeitung „eine sensible und gelungene Umsetzung des schwierigen Themas“.Oliver Hochkeppel: Mutig: Die Geschichte der "Weißen Rose" als Musical, Süddeutsche Zeitung, 1. Juli 2025, abgerufen am 9. März 2026
Im Onlinemagazin kulturfeder.de nannte Christoph Doerner die Musik eine „kluge Mischung aus melancholischen Balladen, rockigen Passagen und dynamischem Ensemblegesang“. Die Weiße Rose enthalte keinen „Musicalhit zum Mitpfeifen, aber einen emotionalen Soundtrack, der das Innenleben der Figuren musikalisch auffächert“.Christoph Doerner: Musikalisches Mahnmal: "Die Weiße Rose" in München und Füssen, kulturfeder.de, 8. Juli 2025, abgerufen am 9. März 2026
Auszeichnungen
2025 wurde das Musical mit dem Deutschen Musical Theater Preis in den folgenden Kategorien ausgezeichnet: KategoriePreisträgerBestes MusicalFestspielhaus NeuschwansteinBeste LiedtexteAlex Melcher und Vera BoltenBestes BuchVera BoltenBestes musikalisches GesamtbildSven Raff, Alex Melcher, Marc Tritschler Beste RegieVera BoltenBestes LichtdesignAndreas HönigBeste ChoreografieBart De Clercq
Weblinks
Website des Autorenteams Informationen zum Stück beim Verlag Musik und Bühne / Stückekontor
Einzelnachweise
Kategorie:Musical (Werk) Kategorie:Weiße Rose Kategorie:Geschwister Scholl Kategorie:Deutscher Musical Theater Preis Kategorie:Musik 2025