Anna Zett (* 1983 in Leipzig) ist eine deutsche Künstlerin und Autorin. Sie arbeitet mit den Medien Film, Installation, Hörspiel, Spielformat, Performance und Versammlung. Ihre Arbeit untersucht historische Narrative der Moderne und existentielle Themen wie Erinnerung und Vergänglichkeit aus einer machtkritischen, umweltbezogenen Perspektive. Seit 2024 ist sie künstlerische Mitarbeiterin an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig.
Leben und Ausbildung Anna Zett wurde 1983 in Leipzig geboren und lebt und arbeitet in Berlin.Kurzbiografie auf osten-festival.de/
Anna Zett, geboren 1983 in Leipzig, ist Künstlerin und Autorin und lebt in Berlin. Ihre Arbeit verbindet analytische Subjektivität und poetische Form mit einer spielerischen körperlichen Praxis. Dabei entstehen Videos, Hörstücke, Texte, Objekte sowie partizipative Formate der Choreographie, Installation und des Gesprächs. Mit ihrer Arbeit war sie weltweit auf Festivals, in Museen und Projekträumen zu Gast. Zu ihren Veröffentlichungen zählen zwei (deutschsprachige) experimentelle Hörspiele und eine (englischsprachige) literarische Textsammlung. Zett studierte an der Humboldt-Universität Berlin, Middlesex University London und Universität der Künste Berlin (Gender Studies, Philosophie, Europäische Ethnologie, und daneben Kunst in der Klasse von Hito Steyerl). Mit ihrer Abschlussarbeit Monster der ModerneAkademie der Künste der Welt legte sie zugleich das inhaltliche Fundament für ihre ersten eigenen Filme.
Werk In ihrer performativen und narrativen Arbeit verbinden sich politische mit persönlichen Forschungsdramen. Im Zentrum ihrer Auseinandersetzung steht immer wieder die Mythologie des Modernismus zwischen Geschichte und Praxis, zwischen Wissenschaft und Fiktion.
2014 veröffentlichte sie die am Laptop aufgenommene Video-Lecture Dinosaur.gif und den Road-Essay-Film This Unwieldy Object, gedreht im bergigen Westen der USA. Beide Arbeiten befassen sich mit Dinosauriern als monströsen Erinnerungsstücken kolonialer und kapitalistischer Gewalt im US-amerikanischen Kontext. Sie wurden international in Kunsträumen und Museen, im Rahmen von Festivals und Konferenzen gezeigt.
Anschließend verlagerte sich ihr Fokus auf die Arbeit mit Ton, Text und Bewegung. In Installationen und Performances beschäftigte sie sich mit non-verbaler Kommunikation, akustischer Wahrnehmung und der Körperlichkeit der Sprache. Es entstand ein Hörspiel für den Deutschlandfunk und die serielle, partizipative Performance Copy & Dance (im Duo mit Tina Pfurr). Auftritte bei Tanzfestivals in Cote d'Ivoire und Kamerun vertieften ihre Auseinandersetzung mit körperlichem Wissen und dem Problem transkultureller Imitation.
Anna Zetts Hörspiel Industrie & Glück. Meine Stimme irrt durch ein holistisches System (Ursendung im September 2017 im Bayerischen Rundfunk) inszeniert eine experimentelle Synthese aus Stimmtherapie, Glücksspiel und Wahrsage. Grundlage und Spielmittel ist ein von ihr selbst entworfenes Kartendeck, ein vom spätmittelalterlichen Tarot adaptiertes, quasi-esoterisches Symbolsystem mit modernistischer Thematik. Anders als das vermeintlich geschichtslose System der etablierten Tarotkarten werden die Motive und Konzepte dieses Decks begrenzt durch den historischen Rahmen “Weimarer Republik”. Die okkultistischen Bewegungen dieser Ära stehen dabei nicht im Vordergrund, vielmehr geht es Anna Zett um einen spielerischen Umgang mit der brüchigen Kosmologie des Materialismus (zwischen Kapitalismus, Revolution, Psychologie und Kunst) zum Zweck persönlicher und politischer Situationsanalyse.
Im Rahmen ihres Aufenthalts in Beijing hat Anna Zett ihre Arbeit mit dem Kartendeck auf inhaltlicher, performativer und formaler Ebene weiterentwickeln. Ihr Interesse galt dabei zunächst dem chinesischen Ursprung der Spielkarten und der symbolischen Beziehung von Glück und Geld. Über den historischen Rahmen der Weimarer Republik hinaus suchte sie nach Zufällen und Systemen, die helfen widersprüchliche Materialismen im globalen Kapitalismus spielerisch zu erforschen. Ihre Praxis verbindet historische Recherche und symbolische Analyse mit einer spielerischen, interaktionsorientierten Herangehensweise.
Ihre Arbeiten wurden u. a. beim Serpentine Gallery, Marathon London, Whitney Museum of American Art New York, Contemporary Art Centre (Vilnius), Sonic Acts Festival Amsterdam, Rhizome.org, SALT Istanbul, Haus der Kulturen der Welt Berlin, Artists Space New York, Goethe-Institut Beijing, HAU2 Berlin, Berlinische Galerie, CAC Vilnius, Berlinale Forum Expanded, Human Resources Los Angeles, Or Gallery Vancouver, European Media Art Festival Osnabrück, Manifesta Priština gezeigt.Kurzbiografie: Anna Zett berlinerfestspiele.de
Neben ihrer Arbeit als Künstlerin ist Anna Zett in der künstlerischen Bildung und als Mentorin tätig und lehrt seit 2024 in der Klasse für Performative Künste an der HGB Leipzig. Darüber hinaus stellt Anna Zett gelegentlich Filmprogramme für Festivals und Kinos zusammen, kuratiert Veranstaltungen und ist involviert in basisdemokratische Prozesse.Selbstauskunft: annazett.net
Forschungs- und Kollaborationsprojekte Seit 2020 arbeitet Zett mit dem Choreograf und Tänzer Hermann Heisig an RESONANZ – Postsozialistische Gruppenimprovisation, einem partizipativen Forschungsformat, das persönliche und historische Erinnerungen an die DDR durch Improvisation erforscht.Hochschule für Grafik und Buchkunst - Academy of Fine Arts Leipzig Anna Zett - Kurzbiografie: Zusammenarbeit mit dem Performer/Choreographen Hermann Heisig, unterstützt vom Berliner Förderprogramm Künstlerische Forschung (2020/21).
Ausstellungen und Aufführungen Einzelausstellungen (Auswahl) 2015: Circuit Training, Banner Repeater, Londonbannerrepeater.org CIRCUIT TRAINING - Anna Zett, Exhibition: 2015 – 2016 2019: Films by Anna Zett, Julia Stoschek Collection, Düsseldorf Julia Stoschek Foundation, Opening of the screening FILMS BY ANNA ZETT 2019: Hold On, Or Gallery, Vancouver orgallery.org Hold On von Anna Zett, 2020
Curated by: Denise Ryner 2019: Deponie II, Zionskirche, BerlinAusstellung: Deponie II, Anna Zett 7.7.-28.7.2019 DEPONIE in der ZionskircheLiebe Umwelt, ich muss da was loswerden In: TAZ, 25.7.2019 2023: Es gibt keine Angst, IBB Videoraum, Berlinische Galerie, BerlinBerlinische Galerie - Museum für moderne Kunst Anna Zett 8.12.23 – 29.1.24 im IBB-Videoraum
Gruppenausstellungen (Auswahl) 2016: Whitney Museum of American Art, New York Anna Zett, This Unwieldy Object, 2016 2017: Artists Space, New YorkArtist Space New York Anna Zett mit Bobby Abate 2017: Goethe-Institut, Peking (Residency) 2018: Haus der Kulturen der Welt, Berlin 2025: Videonale.20, Kunstmuseum BonnAnna Zett -Videonale.20 Kunstmuseum Bonn 2025: Warburg Institute, LondonWarburg Institute Tarot - Anna Zett: Origins & Afterlives
Filmografie 2014: This Unwieldy Object 2015: Circuit Training (Kurzfilm) 2019: Endarchiv (Kurzfilm) 2025: Es gibt keine Angst – Afraid Doesn’t Existberlinale.de
Hörspiele 2015: Funkstille Deutschlandfunk Erstsendung: 19. September 2015, 20:05 Uhr; Länge: 44′37″. Autorinnen & Regie: Anna Zett, Joshua Wicke. Mitwirkende: Anna Schmidt, Bernhard Schütz, Richard Hucke, Anna Zett, Joshua Wicke. Sounddesign: Albrecht Panknin. 2017: Industrie & Glück. Meine Stimme irrt durch ein holistisches System Bayerischer Rundfunk, Erstsendung: 29. September 2017; Länge: 55 Min. Mitwirkende: Ronel Doual, Andrea Huyoff, Johannes Frick, Anna Zett. Komposition: Tian Rotteveel. Technik: Nadja Krüger, Weiju Shen, Jochen Jezussek. Regie: Anna Zett (Assistenz: Kristof Trakal).
Lehre und Residenzen Seit 2024: Künstlerische Mitarbeiterin für Medienkunst an der HGB Leipzig. 2024: Research Residency im Kunst Raum Mitte, Berlin, mit Fokus auf rituelle Assoziation und Transformationszeit. Stipendiatin des Goethe-Instituts (Peking)
Publikationen Als Autorin Monografien 2019: Artificial Gut Feeling. Divided Publishing, 2019, ISBN 978-1916425033Artificial Gut Feeling in worldcat.org Anna Zett in der Deutschen National Bibliothek
Buchbeiträge (Auswahl) 2012: Jorinde Voigt: Matrix & Lemniscate. Kerber, 2012, ISBN 978-3-86678-285-3 2013: Back to the Now! And back again. In: Now! Extended. Berlin: AKV 2014: Tiere Bilder Ökonomien. Transcript Verlag, 2014, ISBN 978-3-83942-557-2 2014: Sleeping in Public, In: How to Sleep Faster Issue 5, Tom Clark, Rozsa Farkas (Eds). London: Arcadia Missa Publications 2014: Sarah Schönfeld: All you can feel. Kerber, Bielefeld 2013, ISBN 978-3-86678-900-5 2019: Free Gestures = Wolne gesty, Nothing Left Undone. ISBN 978-8365240460 ulasickle.com Free Gestures - Wolne Gesty 2019: Entsorgung auf der Deponie. In: wildes wiederholen. material von unten. Suza Husse und Elske Rosenfeld (Eds.) Berlin: Archive Books 2020: Tools for Extinction. Denis Rose Hansen (Hrsg.), Lolli Editions, 2020, ISBN 978-1-9999928-2-8 2021: Kultur & Gespenster, Nr. 21: »Archive & Depots«, ISBN 978-3-86485-147-6 2012: Odradek. In: Documents of Contemporary Art – MAGIC. London: Whitechapel Gallery
Auszeichnungen 2023: Besondere Auszeichnung der Jury des Verbands der deutschen FilmkritikVerbands der deutschen Filmkritik vdfk.de 2024: Max-Bresele-Gedächtnis-Preis: mit Es gibt keine AngstSchichten erzählen: Filme von Anna Zett, filmgalerie.de
Sonstiges Anna Zett ist geboren und aufgewachsen in Leipzig und lebt in Berlin.
Weblinks Offizielle Website
Anna Zett in der ARD-Hörspieldatenbank Interview im Bayerischen Rundfunk (2017) Anna Zett Beitrag: Industrie und Glück, BR, Bayern 2, hör!spiel!art.mix, 2017 Anna Zett - MOA Interview Universität Köln, 2021 Anna Zett im Gespräch mit Lisa Long: „SCHADEN BESCHREIBT DIE STIMMUNG GANZ GUT“ JSC Düsseldorf, 2019 Amelia Groom: Anna Zett - This Unwieldy Object, introduced by Amelia Groom vdrome.org, 2019 Anna Zett Artist Profile rhizome.org, 2016
Einzelnachweise
Kategorie:Künstler (Deutschland) Kategorie:Autor Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1983 Kategorie:Frau