mini|200px|Olivier Stirn (1989) Olivier Stirn (* 24. Februar 1936 in Boulogne-Billancourt, Département Seine; † 15. August 2025 im 14. Arrondissement („Arrondissement de Vaugirard“), Paris) war ein französischer Politiker, der unter anderem Mitglied der Nationalversammlung sowie mehrmals Staatssekretär und Beigeordneter Minister war.

Leben Olivier Stirn, Sohn des Verwaltungsbeamten und Präfekten Alexandre Stirn und dessen Ehefrau Geneviève Dreyfus, war ein Urgroßneffe von Alfred Dreyfus sowie der ältere Bruder von Bernard Stirn, der zwischen 1991 und 1995 Generalsekretär des Staatsrates war und seit 2022 Ständiger Sekretär der Académie des sciences morales et politiques ist. Er selbst absolvierte nach dem Besuch des Lycée Janson de Sailly ein Studium im Fach öffentliches Recht und Politikwissenschaft am Institut d’études politiques de Paris (IEP de Paris), dem „Sciences Po“, das er Angehöriger des Abschlussjahrgangs 1958 beendete. Wie sein Vater entschied er sich für die Präfekturverwaltung und wurde 1961 Kabinettschef des Präfekten des Département Meuse. Er bekleidete Positionen als Sonderberater und später als Kabinettschef von Louis Jacquinot, dem Staatsminister für die Überseegebiete (1964), von Jean Charbonnel, dem Staatssekretär für Zusammenarbeit im Außenministerium (1966 bis 1967), und von Jacques Chirac, dem Staatssekretär für Beschäftigungsfragen im Sozialministerium (1967 bis 1968).

Am 11. Juli 1968 wurde Stirn für die Union des démocrates pour la République (UDR) als Nachfolger von Marcel Restout selbst erstmals Mitglied der Nationalversammlung (Assemblée nationale) und vertrat in dieser bis zum 12. Mai 1973 den fünften Wahlkreis des Département Calvados, woraufhin Charles Malouin neuer Abgeordneter wurde. Zugleich wurde er 1970 im März 1994 Mitglied des Generalrates des Département Calvados und vertrat in diesem nach seinen Wiederwahlen im März 1976 sowie März 1982 bis März 1988 den Kanton Vire. Darüber hinaus löste er am 25. März 1971 André Halbout als Bürgermeister von Vire ab und bekleidete dieses Amt bis zu seiner Ablösung durch Jean-Yves Cousin am 24. März 1989.

Am 13. April 1973 wurde Olivier Stirn als Staatssekretär beim Minister für die Beziehungen zum Parlament (Secrétaire d’État auprès du ministre chargé des Relations avec le Parlement) in das Kabinett Messmer II berufen und bekleidete dieses Amt vom 28. Februar bis zum 28. Mai 1974 auch im Kabinett Messmer III. Im Kabinett Chirac I wurde er am 8. Juni 1974 Staatssekretär für die Überseegebiete im Innenministerium (Secrétaire d’État aux DOM-TOM) und übernahm dieses Amt auch im Kabinett Barre I (28. August 1976 bis 30. März 1977) sowie Kabinett Barre II (31. März 1977 bis 1. April 1978). Am 12. März 1978 wurde er für die Rassemblement pour la République (RPR) als Nachfolger von Charles Malouin für den fünften Wahlkreis des Département Calvados erneut zum Mitglied der Nationalversammlung gewählt. Er legte sein Abgeordnetenmandat am 6. Mai 1978 nieder, nachdem er vom 5. April 1978 bis zum 22. Mai 1981 als Staatssekretär im Außenministerium (Secrétaire d’État aux Affaires étrangères) in das Kabinett Barre III berufen wurde, während Antoine Lepeltier ihn als Abgeordneter ablöste. Am 14. Juni 1981 wurde er für die Union pour la démocratie française (UDF) als Nachfolger von Antoine Lepeltier wieder zum Mitglied der Nationalversammlung gewählt und vertrat den fünften Wahlkreis des Département Calvados vom 2. Juli 1981 bis zum 1. April 1986, wobei er seit 1984 zwar Mitglied der Union centriste et radicale (UCR), aber fraktionsloser Abgeordneter (Non-inscrit à lAssemblée nationale) war.

Am 16. März 1986 wurde er für die Parti socialiste (PS) im Wahlkreis des Département Manche sowie am 12. Juni 1988 im fünften Wahlkreis des Département Manche zum Mitglied der Nationalversammlung gewählt und gehörte dieser vom 2. April 1986 bis zu seinem Mandatsverzicht am 29. Juni 1988 an, woraufhin Bernard Cauvin neuer Abgeordneter wurde. Am 13. Mai 1988 übernahm Stirn im Kabinett Rocard I den Posten als Beigeordneter Minister für die Überseegebiete (Ministre délégué chargé des Outre-mer) und behielt diesen bis zum 22. Juni 1988. Im darauf folgenden Kabinett Rocard II fungierte er vom 29. Juni 1988 bis zu seinem Rücktritt am 5. Juli 1990 als Beigeordneter Minister für Tourismus, woraufhin Außenhandelsminister Jean-Marie Rausch sein Nachfolger wurde. Er war zugleich zwischen 1989 und 1990 Präsident der Stadtgemeinschaft Cherbourg (Communauté urbaine de Cherbourg) und wurde am 16. September 1991 als Nachfolger von Pierre de Boisdeffre im Range eines Botschafters Ständiger Vertreter beim Europarat und verblieb auf diesem diplomatischen Posten in Straßburg bis zu seiner Ablösung durch Michel Lennuyeux-Comnène am 23. Februar 1993. Für seine Verdienste wurde er am 1. Januar 1994 zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Er war von 1994 bis 2001 abermals Mitglied des Generalrates des Département Calvados, in dem er wieder den Kanton Vire vertrat. Nachdem er aus der PS ausgetreten war, gehörte er der Union pour la démocratie française UDF (1993 bis 1994), der Mouvement des réformateurs MDR (1994 bis 2002) sowie zuletzt zwischen 2002 und 2015 der Union pour un mouvement populaire (UMP) als Mitglied an.

Veröffentlichungen Le Piège. Comment lire le Programme commun, Mitautor Jean-Pierre Soisson, Éditions France-Empire, 1973 Une certaine idée du centre, Éditions Albin Michel, 1985, ISBN 2-226-02341-0, Neuauflage 2017 Mes présidents. 50 ans au service de la Ve République, Le Félin, collection Histoire et sociétés, 2004, ISBN 2-86645-570-3 L’éveil décisif de lAfrique. Il n’y a pas dautre choix que l’espérance, Mitautorin Évelyne Stirn, Éditions L’Harmattan, 2019

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Einzelnachweise

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