Erica Malunguinho da Silva (geboren am 20. November 1981 in Recife) ist eine brasilianische Pädagogin, bildende Künstlerin, Aktivistin und Politikerin (PSOL).
Bei den Wahl 2018 wurde Malunguinho als Abgeordnete in die Legislativversammlung des Bundesstaats São Paulo gewählt und war damit die erste offen transgeschlechtliche Frau in einem brasilianischen Landesparlament; sie schied nach einer Legislatur (2019–2023) aus. Des Weiteren ist Malunguinho Gründerin und Kuratorin des Kulturzentrums Aparelha Luzia in São Paulo.
Leben Jugend, Transition und Ausbildung Malunguinho wurde 1981 in Recife im Bundesstaat Pernambuco geboren und von ihrer Mutter, einer Krankenschwester, aufgezogen. Nach eigener Aussage wuchs sie in einem Umfeld auf, das stark von afrobrasilianischer und indigener Kultur geprägt war.
Nach dem Schulabschluss zog sie im Alter von 19 Jahren nach São Paulo. Den Umzug beschreibt sie rückblickend als Versuch, sich persönlich und gesellschaftlich zu emanzipieren und neue Handlungsspielräume zu finden. Bereits zuvor hatte sie ihre sexuelle Orientierung öffentlich gemacht; in São Paulo begann sie sich intensiver mit Fragen ihrer Geschlechtsidentität auseinanderzusetzen und identifizierte sich schließlich als trans Frau. In ihrer Transition wurde sie von ihrer Mutter Abigail sehr unterstützt, die auch bei der Wahl ihres Vornamens half.
Malunguinho studierte zunächst Pädagogik am Instituto Singularidades, anschließend an der Universidade de São Paulo, wo sie 2017 einen Masterabschluss in Ästhetik und Kunstgeschichte erwarb. Parallel dazu arbeitete sie als bildende Künstlerin und produzierte Fotografien, Performances, Zeichnungen und Texte. Darüber hinaus war sie viele Jahre als Aktivistin und Pädagogin tätig und engagierte sich insbesondere in der Ausbildung von Lehrkräften zu Themen der Kunst, Kultur und Politik.
Kunst, Aktivismus und Aparelha Luzia 2016 wandelte Malunguinho ihr Atelier im Stadtteil Campos Elíseos in São Paulo in das Kultur- und Begegnungszentrum Aparelha Luzia um. Das Projekt versteht sich als „urbaner Quilombo“, also als Raum der kulturellen, sozialen und politischen Selbstorganisation Schwarzer Gemeinschaften. Das Aparelha Luzia entwickelte sich zu einem wichtigen Treffpunkt für die afrobrasilianische Kunst- und Kulturszene in São Paulo. Es dient als Ort für Ausstellungen, Konzerte, Debatten, Workshops und Bildungsangebote. Ziel ist es, künstlerische und intellektuelle Produktionen Schwarzer Kulturschaffender sichtbar zu machen sowie einen Raum für Begegnung und Austausch zu schaffen.
Das Programm umfasst regelmäßig Veranstaltungen aus den Bereichen Musik, Literatur, Film, Performance und politischer Bildung. Unter den Künstlerinnen und Künstlern sowie Intellektuellen, die dort aufgetreten sind oder Veranstaltungen durchgeführt haben, befinden sich unter anderem die Schriftstellerin Conceição Evaristo, die Musikerinnen Luedji Luna und Xênia França sowie die Sängerin Liniker. Das Zentrum versteht sich zugleich als sozialer Raum, der Menschen unterschiedlicher sozialer Hintergründe zusammenbringt, darunter Künstlerinnen und Künstler, Aktivistinnen und Aktivisten, Akademiker sowie Bewohner der umliegenden Stadtviertel. Die kuratorische Leitung liegt bei Malunguinho, die das Programm als Beitrag zu einer „dekolonisierenden“ kulturellen Praxis versteht.
Der Name „Aparelha Luzia“ kombiniert mehrere historische und symbolische Bezüge. Einerseits erinnert er an sogenannte „Aparelhos“, konspirative Treffpunkte von Oppositionellen während der brasilianischen Militärdiktatur. Andererseits verweist er auf „Luzia“, das älteste bekannte menschliche Skelett einer Frau des amerikanischen Kontinents, das in Brasilien gefunden wurde.
Politische Karriere Bei der Wahl 2018 wurde Malunguinho als Kandidatin der linken Partido Socialismo e Liberdade (PSOL) in das Landesparlament des Bundesstaates São Paulo (Assembleia Legislativa do Estado de São Paulo) gewählt, sie gewann 55.233 Stimmen. Sie war damit die erste transgeschlechtliche Frau, die in ein brasilianisches Landesparlament gewählt wurde. Nach eigener Aussage war die Ermordung der Politikerin und Menschenrechtsaktivistin Marielle Franco im Jahr 2018 ein wichtiger politischer Impuls für ihre Kandidatur. In ihrer politischen Arbeit setzte sich Malunguinho insbesondere für die Bekämpfung von Rassismus, für die Rechte von LGBTQ-Personen sowie für soziale Gerechtigkeit ein.
Malunguinho schied nach einer Legislatur (März 2019–März 2023) aus dem Parlament aus. Zwischenzeitlich plante sie eine Kandidatur für das brasilianische Abgeordnetenhaus (Câmara dos Deputados), verfolgte diese Pläne später jedoch nicht weiter.
2022 unterzog sich Malunguinho im Kamol Cosmetic Hospital in Bangkok, Thailand, einer geschlechtsangleichenden Operation und sprach darüber öffentlich in einem Interview mit der brasilianischen Ausgabe der Vogue.
Seit ihrem Ausscheiden aus der Politik arbeitete sie als selbständige Künstlerin und Beraterin im Kultur- und Non-Profit-Bereich.
Weblinks
Instagram-Profil von Erica Malunguinho
Einzelnachweise
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