Arthur Hirsch, auch Artur Hirsch, (geboren 2. Juni 1914 in Frankfurt am Main; gestorben 1997Arthur Hirsch, bei MyHeritage) war ein deutsch-bolivianischer Metallhändler und Musikologe.

Leben Arthur Hirsch wuchs in einer jüdischen Familie auf; er war ein Sohn des Kaufmanns Max Hirsch (1887–1947) und der Henrietta Wohlgemuth (1893–1971). Er hatte zwei Geschwister, die ebenfalls emigrieren konnten, der Großteil der Mannheimer Verwandten wurde Opfer des Holocaust. Der Sänger und Theatermann Fritz Hirsch (1888–1942) war ein Onkel, der deutsche Politikwissenschaftler Wolfgang Hirsch-Weber (1920–2004) war Sohn eines anderen Onkels.

Hirsch besuchte in Frankfurt das Gymnasium Musterschule und machte 1932 das Abitur. Er nahm das Klavier- und Kompositionsstudium bei Erich Itor Kahn am Hoch’schen Konservatorium auf, das er 1934 unter dem Druck der nationalsozialistischen Judenverfolgung aufgeben musste. Hirsch machte eine kaufmännische Lehre und arbeitete in einem Handelsunternehmen. 1935 emigrierte er nach England, fand dort aber keine Anstellung und zog 1936 nach Bolivien, wo er in Tarija als Aushilfslehrer Englisch- und Musikunterricht gab. In diesen Jahren gelang es ihm, für ca. 60 deutsche Juden Einreisepapiere nach Bolivien zu besorgen. Von 1938 bis 1944 gab er Unterricht am Colegio San Calixto in La Paz sowie an der Universidad Mayor de San Andrés. 1939 konvertierte er zum Katholizismus. Beim Sender Radio Fides war er von 1939 bis 1952 Direktor für das Musikprogramm. Hirsch eröffnete 1943 ein eigenes Handelsunternehmen, er erhielt 1944 die bolivianische Staatsbürgerschaft. 1953 wechselte er als Manager zum US-amerikanischen Metallhandelsunternehmen Philipp Brothers und leitete 1953 dessen Niederlassung in Istanbul, ab 1954 in Paris, ab 1960 in Madrid und ab 1964 in Köln. Hirsch ging 1971 in den Ruhestand, arbeitete aber ab 1976 von der Schweiz aus in Teilzeit wieder in dem Handelsgeschäft. Hirsch hatte sechs Kinder aus zwei Ehen.

Hirsch befasste sich mit musikwissenschaftlichen Themen, insbesondere mit den Bachkantaten. Mit Marianne Helms verfasste er in den 1980er Jahren die Begleittexte zu Helmuth Rillings Einspielungen der Bachkantaten. mini|hochkant|Die Zahl im Kantatenwerk Johann Sebastian Bachs (1986)

Schriften (Auswahl) Johann Sebastian Bach's Cantatas in Chronological Order, in: Bach – the Journal of the Riemenschneider Bach Institute, Vol. 4, No. 3 (Juli, 1973), S. 18–35 Number Symbolism in Bach's First Cantata Cycle 1723–1724, in: Bach – the Journal of the Riemenschneider Bach Institute, Vol. 6, 1975 Analyses and introductions to Bach's cantatas, in: Musikalische Nachrichten (mn), 1977 Elemente Bachscher Kompositionsweise im Kantatenwerk, in: Musikalische Nachrichten (mn), no. 12, 1977 Orgel oder Cembalo in den Kirchenkantaten J. S. Bachs, in: Musikalische Nachrichten (mn), no. 17, 1978 Die Zahl im Kantatenwerk Johann Sebastian Bachs. Neuhausen-Stuttgart: Hänssler, 1986

Literatur Hirsch, Artur, in: Werner Röder; Herbert A. Strauss (Hrsg.): International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933–1945. Band II, 1. München: Saur, 1983, ISBN 3-598-10087-6, S. 512.

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Einzelnachweise

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